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Wiener Ärztekammerwahl 2017: Was wird uns versprochen? Teil 3

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kammer

Das ist der dritte Teil der inhaltlichen Analyse der zur Wiener Wahl antretenden Listen.

Ein wenig überraschend ist, dass alle Listen eine bessere Ausbildung für Ärzte in Ausbildung versprechen, obwohl wir gerade eine massive Reform der Ärzteausbildungsordnung hinter sich haben, die, im Gegensatz zu vielen anderen Reizthemen wie PHCs und Wahlärzte, über weite Strecken gemeinsam mit Kammervertretern verhandelt wurde. Klar, dass sich diese nicht in allen Punkten gegen die Phalanx der anderen Stakeholder durchgesetzt haben, aber das Mitspracherecht der Kammern war in dieser Angelegenheit höher als in vielen anderen Materien. Selbstverständlich ist das das Kernthema von TFT , die auch bilanzieren was sie diesbezüglich erreicht hätten.
Reisner verlangt einen zuständigen Oberarzt für die Ausbildung und ein Karrierecoaching der in Ausbildung stehenden KollegInnen.
Für die Lehrpraxis sind ohnehin alle, ein Knackpunkt ist seit langem die Bezahlung, die noch nicht für die gesamte Dauer der PA-Ausbildung zugesagt ist und für Fachärzte überhaupt noch unklar istDie Vereinigung setzt auf einen Kollektivvertrag für die Lehrpraxis.
Kammer light
geht ins Detail und fordert Ausbildung als Sonderurlaub, Erfassung der Ausbildungszeiten in Tagen und eine Evaluierung der Ausbildungsstellen intern/extern/Lehrpraxis.
Für Asklepios Union soll die Ausbildung generell mehr in den extramuralen Teil ausgelagert werden.
Als einzige Liste stellt das Komitee überhaupt den Common trunk in Frage, wobei diesbezüglich das aktuelle wording eigentlich Basisausbildung ist.

Die rasanten Änderungen der letzten Jahre führen überhaupt zu einer gewissen Begriffsverwirrung, was den nun Ausbildung, Fortbildung und Weiterbildung wäre. Jedenfalls wollen Asklepios Union, Kammer light und die Wahlgemeinschaft eine Art Fortbildungskonto zur Abdeckung der immer höheren Kosten des verpflichtenden postpromotionellen Wissenserwerbs.

Da die EDV einen immer größeren Anteil an der täglichen Arbeit von Ärzten einnimmt verwundert es kaum, dass auch dazu einige Wortmeldungen fallen.
Einen Dauerbrenner stellt auch ELGA dar und in ihren Veröffentlichungen erklären die Ärztekammern ihre Ablehnung meist mit Sicherheitsbedenken. In der aktuellen Wahlwerbung kommen aber mindestens ebenso wichtige, den praktisch tätigen Arzt vermutlich aber mehr betreffende Punkte zur Sprache.
Die Wahlgemeinschaft ist für ein Abschalten von ELGA, wenn nicht Interessenskonflikte offengelegt werden.
Kammer light ist nicht nicht prinzipiell dagegen, wenn ELGA konstenfrei für die Ärzte ist und stellt auf ihrer Homepage auch ein Fact Sheet zur Verfügung. Auch Aeskulap sagt NEIN, wenn ELGA nicht kostenfrei ist, verlangt aber überdies, dass der Umgang so schnell wie mit Papierbefunden sein muss. Reisner sagt Nein zu ELGA, weil es schlecht umgesetzt ist. Szekeres will überhaupt Zuschüsse für eine IT-Modernisierung der Praxen, statt ELGA und unterscheidet sich hier nicht sehr von seinem Vizepräsidenten von der Vereinigung.

Sehr ausführlich beschäftigen sich die Grünen Ärzte mit der Rolle der EDV in der Niederlassung und verlangen eine Bessere Kontrolle der Abbrechnungssoftware: Nur so können wir feststellen, ob und wann die mit den Kassen besprochenen Nachzahlungen auch geleistet wurden. Eine – verschiedentlich geplante – Abrechnungsstelle in der Ärztekammer lehnen sie nicht zuletzt aus datenschutzrechtlichen Gründen ab. Bemerkenswerterweise bemängeln sie auch als einzige das Monopol Ordinationssoftware.
Die Wahlgemeinschaft bleibt allgemeiner und will Effiziente EDV Lösungen und Userfreundliche EDV Programme. Kammer light will eine kostenlose Ärztekammer Affinity-Domain und beklagt Preiswucher von Monopolisten

Interessant wird es auch, was die etablierten Listen so sagen, wie denn ihrer Meinung nach die Kammerstrukturen aussehen sollten, den abgesehen von den gesetzlichen Rahmenbedingungen sehen die Kammern natürlich so aus, wie sie von den jeweils intern bestimmenden Kräften aufgestellt wurden.
Große Einigkeit herrscht, dass die Ärztekammer eine Servicestelle für alle Ärzte sein sollte aber offenkundig noch nicht in dem gewünschten Ausmaß ist.

Szekeres verspricht ein Managementservice für niedergelassene Allgemeinmediziner, Reisner in NÖ und Reisner mit der Wahlgemeinschaft in Wien steben einen Servicebetrieb für alle Ärztinnen und Ärzte in Österreich an. Das Komitee verlangt überdies noch eine Rechtsvertretung im Sinne einer Rechtsschutzversicherung für alle Ärzte.
Nach Szekeres soll die Kammer Sauberkeit, ohne Klientelwirtschaft bei Versicherungen und Spitalserhaltern auszeichnen, während das Komitee Wert aus Sachlichkeit legt. Asklepios Union wünscht sich etwas vage eine Kooperation von intramural und extramural Tätigen.

Seit ich mich erinnern kann werben alle Listen immer für eine Schlankheitskur der Kammer. 2017 möchten Asklepios Union, das Komitee und Kammer light die Kammer Durchleuchten und Abschlacken. Die Grünen Ärzte sprechen von einem Wildwuchs an Referaten (Vergleiche hierzu Relata refero auf diesem Blog) und klagen, dass sie sich diesbezüglich kammerintern nicht ausreichend durchsetzen konnten. Mir fällt hier aber auf, dass wieder einmal niemand so recht über den Tellerrand des eigenen Bundeslandes blickt und die zunehmenden Aktivitäten der ÖÄK (Arztakademie, DFP, ÖQMed, Ärzteverlag, geplante HCM/EBM Strukturen, …)  kritisch hinterfragt, denn schließlich werden diese Einrichtungen mit den in den Bundesländern gewählten Kandidaten „befüllt“.

Damit im Zusammenhang stehend sind die Höhe und Gerechtigkeit der Kammerumlagen, die laut Selbstdarstellung der Kammerführung aller Bundesländer aber ohnehin seit Jahren gesenkt werden. Die Vereinigung verspricht Senkungen, Szekeres verweist auf erreichte Senkungen.

Etwas widersprüchlicher wird es beim Wohlfahrtsfond. Klar, dass alle geringere Beiträge und höhere Leistungen wollen.
Die Wahlgemeinschaft verspricht Freiwilligkeit und ein beitragsfreies JahrKammer light eine Flexibilisierung, Kammer light eine Freiwillige Mitgliedschaft. TFT will Wohlfahrtsfondsbeitrag auch für alle Ärzte über 30000.- Jahreseinkommen brutto senken und am radikalsten ein Ausstiegszenario berechnen und den Mitgliedern zur Abstimmung vorgelegen.
Die detailreichste Analyse findet sich auf Kammer light, die auf die Doppelschneidigkeit der steuerlichen Absetzbarkeit der WFF Beiträge während der beruflichen Aktivität und die Einkommenssteuerpflicht für die Fondausschüttungen in der Pension aufmerksam machen.

Unterschiede zwischen den Listen finden sich auch in der Art, wie sie die Außenwirkung der Kammer und das Bild der Ärzte in der Öffentlichkeit sehen.

Klarerweise sieht Szekeres die Außenwirkung der WÄK sehr positiv:
Noch nie in der Geschichte war die Ärztekammer in der medialen Öffentlichkeit so gut positioniert.
Asklepios und Szekeres wünschen sich, dass den Ärzten mehr Wertschätzung entgegen gebracht wird, aber vermutlich wird da kaum irgend jemand von uns dagegeen sein. Wie das im Detail erreicht werden soll erfahren wir aber nicht wirklich.
Szekeres scheint das durch seinen persönlichen Kampf, der sich inhaltlich sinnvoll in die Diskussion zur Entwicklung des österreichischen Gesundheitswesens einbringt erreichen zu wollen und betont den Verzicht auf parteipolitisches Kalkül.
Wie wir aber schon im ersten Teil darstellt haben, sehen sich ohnehin alle als parteipolitisch unabhängig und manche sogar als ideologiefrei, so dass, sollte das ausreichen, um gehört zu werden, die Zukunft nur rosig werden kann.
Szekeres hat diesbezüglich aber auch noch eine Offensive gegen Dr. Google und App-Medizin von Scharlatanen im Köcher, ohne hier näher ins Detail zu gehen.

Bemerkenswert für einen Wahlkampf ist die betonte Konstruktivität mit der die meisten glauben, die Wertschätzung und das Mitspracherecht erreichen zu können, die aber offenkundig den Ärzten aktuell nicht entgegengebracht wird. Diese Widersprüchlichkeit kommt ganz deutlich beim Komitee zu Tage, wo einerseits die Demütigung der Ärzte beklagt wird, andererseits sich man selbst befähigt fühlt, eine funktionierenden Gesprächs- und Verhandlungsbasis zu Politik, auch durch SV Medienarbeit, herstellen zu können.

Im letzten Teil der Analyse werde ich versuchen herauszuarbeiten, ob es Alleinstellungserkmale einzelner Listen gibt und ein subjektives Fazit versuchen.

 

Links:

Team Szekeres vormals Sozialdemokratische Ärztevereinigung
Vereinigung Österreichischer Ärztinnen und Ärzte
Grüne Ärztinnen und Ärzte
Wahlgemeinschaft Ärzte für Ärzte
Kammer light
Team Reisner (kandidiert 2017 als Einzelperson in Wien und als Liste in NÖ)
Asklepios Union

Komitee – Freie Ärzteplattform
Aeskulap
BÖI
10 Liste TFT
11 Wahlärzte Wiens
12 ÖHV – Landesgruppe Wien
13 Liste Raunig – Liste für Hausärzte
14 Team Wien
15 AKHInitiative

16 Plattform Ärztinnen +/- 60 (kein Link)
17 Union Wiener Ärzte (kein Link)

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Written by medicus58

25. Februar 2017 um 16:19

Veröffentlicht in Allgemein, Ärztekammerwahl 2017

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