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Wiener Ärztekammerwahl 2017: Was wird uns versprochen? Teil 1

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kammer

In den letzten Tagen habe ich hier Auszüge aus den Originaltexten der vermutlich in Wien kandidierenden Listen via „copy and paste“ auf den Blog gestellt, so wie ich es unter Stellt Dir vor es sind Ärztekammerwahlen angekündigt habe. Die einzelnen Links finden sich am Ende dieses Beitrags (augenblicklich ist www.vereinigung.at übrigens down) .
Zum Vergleich wurden so auch die Liste des aktuellen ÖÄK Präsidenten Wechselberger und des ÄK Präsidenten von Niederösterreich dargestellt.

Obwohl seit Montag , den 20.2.17 die antretenden Listen klar sind, gibt es augenblicklich diesbezüglich noch keine offizielle Verlautbarung, so dass sich die Analyse augenblicklich nur auf das beziehen kann, was im Netz vorliegt. Sollten sich große Änderungen ergeben würde dieser Blogbeitrag ggf. aktualisiert werden. Sollte dies jemand lesen und zu ganz anderen Ergebnissen kommen, stelle ich gerne die Kommentarleiste für weitere Diskussionen zur Verfügung, die ggf. auch in die Aktualisierungen einfließen würde. Ich habe mich um Objektivität bemüht, kann aber nicht ausschließen, in dem zum Teil sehr diffusen Aussagen etwas übersehen zu haben.
Im ersten Teil meiner Analyse werde ich mich mit einigen prinzipiellen Beobachtungen beschäftigen, andere Aspekte, wie die Aussagen zu verschiedenen Organisationsformen, ELGA, PHC und Zukunftsvisionen folgen in den nächsten Tagen ….

Interessant ist , dass sich die meisten für ihren Webauftritt einer professionellen Agentur bedienen, nur Aeskulap, Asklepios Union, TFT  und das Komitee setzen offensichtlich auf Eigenbau, was neben einem gewissen Zeitgeist wohl auch mit den zur Verfügung stehenden Geldmitteln im Zusammenhang steht.

Was ebenfalls auffällt, ist, dass alle Listen viele ihrer Aussagen (z.T. auch mit leicht geändertem Wording) mehrfach ansprechen, da sich die meisten gesondert an die verschiedenen Kurien wenden. So sinnvoll dieser Zielgruppen-bezogene Ansatz auf den ersten Blick auch scheint, zeigt er die hier schon früher angesprochenen Sollbruchstellen der Kammer (Warum sowohl Ärztestreik als auch „Gesundheitsreform“ scheitern müssen ).
Vielleicht etwas blauäuig, aber ich hätte es für sinnvoll erachtet, die eigenen Programme so zu formulieren, dass sich darin alle Ärzte wiederfinden können, denn selbstverständlich handelt es sich zwischen dem extra- und intramuralen Gesundheitssystem, trotz unterschiedlicher Finanzierungsströme und zT unterschiedlicher Personen um kommunizierende Gefäße.

Praktisch alle Listen, auch solche mit evidenten Querverbindungen zu bekannten politischen Gruppierungen, bezeichnen sich als (partei)politisch unabhängig.
Das Komitte sieht sich als idologiefrei, eine Aussage auf der HP der Wahlgemeinschaft toppt dies mit:
Mein Parteibuch heißt Medizin

Würde man nicht auch schon frühere Wahlkämpfe miterlebt haben, müsste man von der kommenden Kammerführung erwarten, dass sie vor lauter Transparenz zum Glaspalast mutieren müssteWahlgemeinschaft und Kammer light wünschen sich Livestreams von Kammersitzungen und Asklepios Union wünschen sich öffentliche Sitzungen und Veröffentlichung von Protokollen und Abstimmungsverhalten. Das Verlangen nach einer öffentlichen Dokumentation einer dissenting opinion findet sich nur bei Asplepios Union. Dass keine faulen Kompromisse auf Kosten der Ärzte in Ausbildung geschlossen werden will TFT sicher stellen.

Bemerkenswert und m.E. Ausdruck einer zunehmend gefühlten Ohnmacht vieler praktisch tätiger Ärzte ist die Betonung mancher Listen (besonders deutlich bei Asklepios Union, Kammer light und Wahlgemeinschaft), dass ihre Mandatare aus der Praxis kommen.
Die Wahlgemeinschaft geht sogar soweit, dass „nur jene bei Gesundheitssystem-Reformen mitreden (dürfen), die auch wirklich mitreden können und das Gesundheitssystem von innen, d.h. durch die Arbeit direkt am Patienten und nicht nur aus dem Fernsehen oder vom Hörensagen kennen“ und „Dass Gesundheitsökonomen ihre „direkte Arbeit am Patienten“ nachweisen“ müssen.

Positiv ist zu vermerken, dass viele der Listen, die es 2012 zu Funktionen in der ÄK gebracht haben, eine Erfolgs-, manche (Grüne Ärzte) auch eine Misserfolgs-Bilanz anführen, wenn auch in manchen Fällen man sich des Eindrucks nicht erwähren kann, dass so manche fremde Feder  geschwungen wird, da naturgemäß an Verhandlungen meist mehrere Mandatare beteiligt waren.
Dies gilt wohl auch für Verhandlungsabschlüsse mit den Kassen, wie sie i.e.L. von der Vereinigung und dem Team Reisner (für NÖ) mit konkreten Zahlen angegeben werden. Die Vereinigung rühmt sich (formal korrekt) mit den höchsten österreichweiten Sonderklasse-Tarifen, obwohl die Verhandlungsführung zuletzt in den Händen von Kolegen Felke lag, der Mandatar der Wahlgemeinschaft – Spitalsärzte – Wiener Mittelbau – ARGE Ärzte war.

Schade, dass aber fast keine Liste erklärt, warum sie ich mit ihren Forderungen aus 2012 nicht durchsetzen konnte.
Einzig Die Grünen Ärzte machen dazu eine konkrete, wenn auch nicht gerade kollegial wirkenden Aussage:
Die Verhandler der Kammer waren aber zu schwach, sodass diese Forderungen keine Aufnahme ins Gesetz fanden.

Wenig überraschend versprechen alle Listen sich für verbesserte Arbeitsbedingungen, mehr Lohn bei Arbeitsentlastung, einzusetzen und verlangen natürlich für den stationären Bereich mehr administratives Personal. Selbstverständlich beklagen auch viele die überbordende Bürokratie im extramuralen Bereich, am konkretesten in einer Gesamtschau wird hier das Komitee, das eine Deckelung des bürokratischen Aufwandes bei max 4% im Spital und max. 4-5% in der Niederlassung fordert. (Ungeachtet meiner persönlichen Präferenz für die einzelnen Listen halte ich den Ansatz der Quantifizierung einer Relation zwischen Kernaufgabe (=Patientenversorgung) und dem Rest für gut!)
Der holistischen Ansatz einer Gesamtschau von extra- und intramuralen Arbeitsbedingungen findet sich relativ selten, einige differenzieren auch stärker als andere zwischen den verschiedenen Krankenhausträgern.
Drohgebärden innerhalb der intramuralen Ärzteschaft nimmt TFT ein (zur Not auch gegen Ober-, Fach- und Stationsärzte wehren ) um gleichzeitig Solidarität zu verlangen.

Kammer light verlangt vertragliche gesicherte Gehaltskonstanz durch Arbeitgeber, mögliche Nachtdienstbefreiung ab 55. Lebensjahr und (in einem selten zu beobachteten Blick über die Landesgrenzen) eine österreichweit einheitliche Regelung der Ruf-Bereitschaft. 

Die Vereinigung verlangt eine Heranführung der Entlohnung Praktischer Ärzte an das Facharzt Gehalt bei gleichzeitiger Aufwertung des niedergelassen Facharztes, um es für junge KollegInnen wieder attraktiv zu machen in die Niederlassung zu gehen.

Klarerweise sieht Asklepios Union die „befreundete Ärztegewerkschaft“ als Mitstreiter für verbessert Arbeitsbedingungen, überraschend ist da eher, dass die Grünen Ärzte die Rolle der ÄK wie folgt umschreiben: Die Ärztekammer stößt damit in die Lücke, die die Gewerkschaft hinterlassen hat.

Die „Verweiblichung der Medizin“ findet sich  in vielen Selbstdefinitionen. Asklepios Union verweist auf den eigenen hohen Frauenanteil unter ihren Mandataren. Viele verlangen familienfreundliche Arbeitsbedingungen (Szekeres, Kammer light), familienkompatiblen Dienstpläne (Grüne Ärzte, Reisner) wobei hier auffällt, dass Teilzeit (Szekleres, Reisner, ..), Kindergärten in kommunalen Spitälern (Szekeres) etwas klischeehaft unter dem Gesichtspunkt der Entlastung von Ärztinnen (bessere Arbeitsbedingungen für Frauen) verlangt wird.
In den Statements männlicher TFT Kandidaten findet sich jedoch auch das:
Ich möchte meine Kinder schlafen legen und nicht erst jeden Tag um 21 Uhr nach Hause kommen.

In einem folgenden Beitrag werde ich mich mit den Stellungnahmen zu Versorgungsstrukturen bis hin zu Kassenverträgen, ELGA, ABS und 15a beschäftigen.

Links:

Team Szekeres vormals Sozialdemokratische Ärztevereinigung
Vereinigung Österreichischer Ärztinnen und Ärzte
Grüne Ärztinnen und Ärzte
Wahlgemeinschaft Ärzte für Ärzte
Kammer light
Team Reisner (kandidiert 2017 als Einzelperson in Wien und als Liste in NÖ)
Asklepios Union

Komitee – Freie Ärzteplattform
Aeskulap
BÖI
10 Liste TFT
11 Wahlärzte Wiens
12 ÖHV – Landesgruppe Wien
13 Liste Raunig – Liste für Hausärzte
14 Team Wien
15 AKHInitiative

16 Plattform Ärztinnen +/- 60 (kein Link)
17 Union Wiener Ärzte (kein Link)

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Written by medicus58

23. Februar 2017 um 23:23

2 Antworten

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  1. Wie sollte der Satz „Die Wahlgemeinschaft weist noch explizit auf “ weitergehen?

    Hansi

    24. Februar 2017 at 09:39

    • Danke für’s aufmerksame Lesen, der Satz gehört weg, der Inhalt wurde schon davor gebracht …

      medicus58

      24. Februar 2017 at 09:45


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