Sprechstunde

über alles was uns krank macht

Geht’s bei der (Standes-)Politik wirklich um so viel?

with one comment


bulls

Der US amerikanische Präsident verdient im Jahr 2015 (brutto) 436.065 Dollar, soviel verzockte der Pleitier Donald Trump zu seinen besten Zeiten innerhalb weniger Minuten.
Das kann also kaum der Grund sein, weshalb im amerikanischen Präsidentschaftswahlkampf 2016 beide Kandidaten jeden Rest menschlicher Würde verloren.

Im Jahr 2015 verdiente der österreichische Bundespräsident brutto 336.462 Euro.
War das ein hinreichender Grund dafür, dass sich beide (!!) Kandidaten im TV-Studio in unglaublicher Art selbst beschädigten:

Es kann nicht das Gehalt gewesen sein, weshalb sich der dritte Nationalratspräsident Hofer dazu hinreißen ließ, seinen Mitbewerber in ein familiäres Nazi-Eck zu rücken,
etwas wovor übrigens der nunmehr gewählte Bundespräsident auch gegenüber seiner Mitbewerberin Griss nicht zurückschreckte.

Auch wenn uns der Wiener Bürgermeister, der 2015 die „Mutter aller Schlachten“ unter enormen (Steuer-)mitteleinsatz gewonnen hat, noch im Dezember 2016 versicherte,
in aller „Pracht und Herrlichkeit“ dazustehen, ist ihm der Preis mehr als an zu sehen und in der wiener Stadtregierung scheint es zu einem Rien ne va plus gekommen zu sein.
So eine Art politisches Verdun.

Wir wollen alle hoffen, dass es Kandidaten darum geht, „ihre Vorstellungen umsetzen zu können“,
insgeheim befürchten wir aber ohnehin, dass es ihnen „um die Macht“ geht.

„Macht“, die augenblicklich Präsident Trump ganz exemplarisch durch das schamlose Ausnutzen von „Dekreten“ ausübt, lässt sich aber nur ausüben, wenn es die Strukturen zulassen.
Würde der Artikel II der US amerikanischen Verfassung nicht „Executive Orders“ erlauben, könnte Trump nicht andere demokratische Instanzen einfach ausschalten.
Man soll die Parallelität nicht zu weit treiben, aber ohne Möglichkeit der Notverordnung hätten die Nazis auch die Machtübernahme in den dreißiger Jahren geschafft.

Wir müssen also zur Kenntnis nehmen, dass es immer auch die vorbestehenden Strukturen sind, die ungebremste Machtausübung erst ermöglichen.
Das exkulpiert die um die Macht Ringenden nicht, aber während wir kopfschüttelnd den immer schärferen Selbstbeschädigungen in verschiedenen Wahlgängen zusehen,
sollten wir uns eher damit beschäftigen, weshalb das alles so leicht möglich ist.

Von der mehr oder weniger großen Politik zurück in die Niederungen der Standespolitik.

Nicht einmal zwei Monate vor der Ärztekammerwahl wird das Klima rauer (Der Anfang vom Wahl-fang https://medicus58.wordpress.com/2017/01/22/der-anfang-vom-wahl-fang/).

Und wieder („Mutter aller Schlachten“) scheinen sich die Protagonisten zu bemühen, ihre Kritiker zu bewahrheiten:
Mantra-artig erklärten uns die Gesundheitspolitiker, die den angestellten Ärzten jahrelang eine der europäischen Gesetzgebung konforme Arbeitszeitregelung vorenthalten haben,
dass die Proteste und Streiks nur Inszenierungen von Kammerfunktionäre wären, die sich im Vorwahlkampf  positionieren.
Selbstverständlich waren auch jede Kritik an ELGA und den PHCs nur Ausdruck des Kammerwahlkampfes und auch mit den Argumenten für den rezente Streik in vielen Ordinationen brauchte sich die Politik nicht auseinandersetzen,
„das war alles Vorwahlkampf für die Pfründe in der Ärztekammer“.

Weshalb ist das alles so? Weshalb folgen wir in der großen und kleinen Politik wie Lemminge den Prophezeiungen unserer Widersacher?

Ich will gar nicht versuchen, alle möglichen Ursachen aufzuzählen, aber zwei Punkte scheinen mir sehr wichtig:

Erstens sind wir alle durch Jahrzehnte der politischen Hirnwäsche („der Tüchtige setzt sich durch„) zu Einzelkämpfern mutiert und haben den Wert von Solidarität verlernt.
Wer glaubt es ohnehin selbst schaffen zu können, braucht die Unterstützung anderer nicht.
Bei uns Ärzten war das ohnehin immer schon ausgeprägt, sonst hätten wir uns kaum auch in isolierten (Land)praxen „Tag- und Nacht für unsere Patienten verantwortlich“ fühlen können;
Gesetze akzeptiert, die den Allgemeinmediziner (so er keinen Ärztenotdienst aufbaut) verpflichten Tag und Nacht ans Krankenbett zu eilen!
Selbst in großen Krankenhäusern gibt „der Kliniker“ selten zu, dass es sehr selten seine „Blickdiagnose“ war, die zur richtigen Diagnose und Therapie geführt hat,
sondern da im Hintergrund eine ganze Reihe anderer Fächern und nicht zuletzt die Pflege ganz wesentliche Beiträge leisteten.
Es gibt auch für die Mächtigen genug Gründe, alles zu tun, um Solidarität zu unterbinden („divide et impera„)

Zweitens sind auch Interessenvertretungen wie die Ärztekammern zu riesige Strukturen aufgebläht worden, in denen Machtausübung und Postenvergaben einen nicht unwesentlichen Sog auf viele ausüben.
Gebühren, Aufwandsentschädigungen, Entscheidungen in ausgelagerte Betriebe, politische und kommerziell nutzbare Kontakte, ….
Es wäre völlig falsch zu glauben, dass irgendwer ernsthafte Arbeit leisten kann, ohne dass er dafür auch gerecht entlohnt werden muss, aber es wäre auch blauäugig zu übersehen, dass gerade aufgeblähte, intransparente Strukturen Missbrauch begünstigen und Begehrlichkeiten wecken
und es sich innerhalb dieser Strukturen auch ganz gut leben lässt.

Wahlkampf ist Kampf, aber was sich augenblicklich in der großen und kleineren Politik unter dem Deckmantel demokratischer Auseinandersetzungen abspielt, verspielt am Ende die Demokratie und die Möglichkeit der Zusammenarbeit nach dem Kampf.
Es wäre schön, wenn wir nicht die Arbeit unserer Widersacher übernehmen würden und bei allen berechtigten und weniger berechtigen Meinungsverschiedenheiten am Ende weder demokratische Einrichtungen noch uns selbst beschädigen.

 

Zur Problematik demokratisch gewählter Interessensvertretungen am Beispiel der ÄK https://medicus58.wordpress.com/2015/07/08/zur-problematik-demokratisch-gewahlter-interessensvertretungen-am-beispiel-der-ak/

 

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Happy Anniversary with WordPress.com!
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Thanks for flying with us. Keep up the good blogging.
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Written by medicus58

1. Februar 2017 um 21:35

Eine Antwort

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  1. 6 Jahre bei WordPress – wie die Zeit vergeht… 😉

    Christine Kainz

    3. Februar 2017 at 01:29


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