Sprechstunde

über alles was uns krank macht

Warum sowohl Ärztestreik als auch „Gesundheitsreform“ scheitern müssen

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Wir haben genug Ideen aber zu viel Angst vor Veränderung, zu wenig Koordination und keine Geduld.
Morgen streiken (in ein paar Bundesländern) die Niedergelassenen und die Spitäler tun so als wär nix. Als in Wien die angestellten Ärzte auf die Straße gingen, war die Unterstützung des  ÖÄK Präsidenten Wechselberger, ein niedergelassener Kollege, ziemlich lauwarm. Jetzt, wo (mittels des Schlagwortes PHC) das einzige Machtmittel der Kammer, das Recht Kassenverträge zu verhandeln, politisch ausgehebelt werden soll, wird scharf geschossen. Aber nur aus den Ordinationen und nicht aus den Ambulanzen.

Fast hat man aber den Eindruck, dass diese fehlende Koordination zwischen angestellten und niedergelassenen Ärzte Absicht ist: Selbst wenn der eigene Kahn sturmfrei geschossen und dem Untergang geweiht ist, werden absichtlich nur Schreckschüsse vor den Bug des Systems abgegeben. So sehr hat man die Asozialpartnerschaft verinnerlicht, dass man nur grad so viel Muskelspiel macht, um das Schlimmste abzuwenden.  Was weiß man denn wo man selbst nach einer wirklichen Systemänderung bliebe. 

Angst vor Koordination? 

Deshalb lieber getrennt raunzen als gemeinsam was riskieren. 

Ja und die Gesundheitsreform?  

Hinter den geschlossenen Türen des Finanzausgleichs (15a) wird seit Jahren ebenfalls unkoordiniert hin und her taktiert, ohne dass es zu einer substantiellen Macht- oder Geldverschiebung kommen darf. 

Natürlich will die Politik den freien Beruf des Arztes und seine Vertretung schwächen, aber ohne Alternativen und halt nur durch die scheinbare Erfindung von Zusätzlichem ohne Geld für das Bestehende:

PHCs statt Kassenambulatorien, Rettungswagen an den Krankenhäusern statt funktionierendes Rettungswesen, Telefon-Hotline statt Hausarzt, Aufnahmestationen statt Fachstationen, akademisierte Pflege statt Ärzte, Hebammen statt pränatales Risikoassessment, Auslagerung statt öffentliche Versorgung ….

Und das absurde daran ist, dass das alles theoretisch auch funktionieren könnte! 

Man kann fachärztliche Nachtdienste einsparen, wenn die Erstversorgung klappt. Nur muss ich die Ärzte mit der entsprechenden Kompetenz heranbilden.

Eine gut ausgebildete Pflege kann viele Krankheitsbilder richtig einschätzen,  nur arbeiten noch immer viele in dem Bereich, die ihr „Handwerk“ in der Schwesternschule gelernt haben.

Eine verständnisvolle, erfahrene Hebamme ist für die unkomplizierte Geburt besser als die hektische Uniklinik, solange im HHintergrund ein Backup besteht, sonst finden wir uns im Mittelalter wieder.

Selbstverständlich soll man die Studiencurricula und die Ärzteausbildung an geänderte Rahmenbedingungen anpassen, aber nicht alle paar Jahre. Nicht jeder Sektionschef, nicht jeder Kammerfunktionär soll sich alle paar Jahre ein Denkmal setzen und glauben, dass sich durch eine Gesetzesänderung sogleich der Alltag ändert.

Wenn Sie mich auf die Palme bringen wollen und riskieren mit Kokosnüssen beworfen zu werden, erklären Sie mir „dass man das heute SO nicht mehr tut“.

Jeder Installateur sagt das über die Armaturen,  die man vor fünf Jahren von ihm gekauft hat. Jeder Elektriker lächelt heute über den Querschnitt der Leitungen, die er noch gestern verlegt hat.

Ja, es ändert sich alles, aber bei weitem nicht so rasch wie uns das vorgegaukelt wird.

Drum dreht sich unser Schulsystem, unser Bildungssystem, ja unser Gesellschaftsystem in hektischem Stillstand auf der Stelle.  

Angst vor echter Veränderung.

Mangelnde Koordination verschiedener Änderungen. 

Negation, dass träge Systeme nicht durch eine Verordnung alleine die Menschen hervorbringen, die das neue Konzept erfüllen können. 

Die Stalinisten mussten dies schmerzlich erkennen, uns wird das früher oder später auch noch klar werden.

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Written by medicus58

13. Dezember 2016 um 19:03

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