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ÄrzteRausbildung neu

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niedermoser_peter kopie

Augenblicklich echauffiert sich die Ärztekammer, dass die gerade zwischen Bund und Ländern paktierten 15a-Vereinbarungen u.a. den niedergelassenen Facharzt wegrationalisieren.

Zeit daran zu erinnern, wie sehr die Ärztekammer unter der Führung des OÖ Ärztekammerpräsidenten Niedermoser in diesem Prozess als Brandbeschleuniger agiert hat, nur damit die Arztakademie (https://www.arztakademie.at/home/wir-ueber-uns/facts/) unter Leitung Niedermosers mehr Personal anstellen kann.

Ich habe darauf bereits mehrfach hingewiesen:
3/2014 Niedermoser: Who’s side are you on https://medicus58.wordpress.com/2014/03/13/niedermoser-whos-side-are-you-on/
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/2015 Wirkungsorientierte Folgenabschätzung der Ärzteausbildung: Geiz war geil https://medicus58.wordpress.com/2015/04/10/wirkungsorientierte-folgenabschatzung-der-arzteausbildung-geiz-war-geil/

An der zuletzt 2006 – also knapp vor einer „Fachärzte-Ausbildungsgeneration“ – erstellten Ausbildungsordnung ließ Niedermoser kein gutes Haar.
Die damals neu verhandelten Rasterzeugnisse waren seiner Meinung nach völlig weltfremd, die Ausbildung nicht mehr zeitgemäß und Schulter an Schulter mit dem Bundesministerium schritt er zur Tat.

Unter killendem Speed wurden die Vorgaben des Ministeriums erfüllt, Fächer eingestampft und zusammengelegt, die gesamte post-promotionelle Ausbildung „reformiert“, natürlich gleichzeitig mit einem neuen Curriculum an den Universitäten, rasenden Spitalsreformen in allen Bundesländern, mit einer Aushöhlung der fachärztlichen Präsenz außerhalb der Amtsstunden und einer Beschränkung der Ärztearbeitszeit, die sowohl die Anwesenheit der Auszubildenden als auch die der Ausbildner reduziert.

Seit 1. Juni 2015 beginnt mit das Ganze mit einer 9 monatigen Basisausbildung zur Vermittlung grundlegender Kenntnisse der Patienten- und Notfallversorgung, die alle früheren Gegenfächer ersetzen sollte. Das ursprünglich vielleicht nicht ganz sinnlose Konzept, diese 9 Monate zu annähernd gleichen Teilen in einer Allgemeinchirurgie und einer Allgemeinen Internen zu verbringen, wurde auf politischen Druck aufgeweicht und auf „irgendwas wo es blutet und irgendwas wo nicht“ reduziert.
Der zukünftige Allgemeinmediziner kann z.B. seine Basisausbildung, wenn ihn der Spitalserhalter dort braucht an einer Neurologie und Neurochirurgie abdienen und wieder hier noch dort lernen, eine kleine Fleischwunde zu versorgen. Aber natürlich muss er in eine Psychiatrie, als Arbeiter, nicht Patient, weil dort Personalnot herrscht!
Das Nähen von Schnittwunden lernt er halt am Ende in der Lehrpraxis oder von der akademischen Pflegeperson im PHC!

Natürlich mussten nun alle bestehenden Ausbildungsstellen neu zertifiziert werden und da hat sich die Kammer leider etwas übernommen, denn viele Anträge liegen noch unbearbeitet herum und viele Basisausgebildeten können noch nicht auf neu-zertifizierten Ausbildungsstellen ihre Ausbildung fortsetzen.

Nach allerlei Zahlenzauberei mit den geforderten Fallzahlen ist es nun ein eingestandenes Geheimnis, dass es zu einer Reduktion der Facharztausbildungsstellen im zweistelligen Prozentbereich kommen wird.

Nach meinen Informationen ist Niedermosers Position in der OÖ Ärztekammer weiterhin sicher, warum verstehe ich aber nicht ….

Ärzteausbildung: Selbst der Billa beruft sich auf den Meisterbäcker https://medicus58.wordpress.com/2015/06/21/arzteausbildung-selbst-der-billa-beruft-sich-auf-den-meisterbacker/

Written by medicus58

20. November 2016 um 09:00

Veröffentlicht in Gesundheitssystem

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6 Antworten

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  1. Es wäre spannend, wenn es überhaupt Ausbildungsstellen für Leute nach einer neunmonatigen BA gäbe. Die Leute die nicht einfach zwangsweise den „Turnus alt“ einfach weitermachen, nur um im System zu bleiben, kann man sicher an zwei Händen abzählen. In Wien findet man keine Stellen, weil einmal die alten Turnis als „Altlasten“ den Vortritt bekommen. Und ich kann es den Primarii nicht einmal verdenken. Wen stelle ich ein? Den mit mehr Erfahrung (und sogar jus practicandii), oder den mit weniger Erfahrung und nichts in der Hand. Mit der neuen Reform wird man zum Spielball in Wien und wird eventuell – wie ich – einfach nach Auslaufen des Vertrages auf die Straße gesetzt. Taxifahren halt danach, statt davor. Und das nach beinahe einem Jahr Wartezeit auf eine BA-Stelle.
    Außerhalb von Wien wird zumeist ein Jus practicandi verlangt. Ist ja logisch, soll man doch als eierlegende Wollmilchsau auch gleich nach der kurzen Notarztausbildung gleichzeitig im Notarztfahrzeug fahren, die Ambulanz bespielen. Jemand mit neun Monaten Verantwortung kann dem nicht gerecht werden. Ausbildung hin oder her, das Papier muss stimmen.

    So bleibt einem nur der Weg ins Ausland. So wird man halt mit „reformierter Ausbildung“ und deren „Chancen“ in der Illusion eines geregelten Ablaufs noch eine Zeit in Österreich gehalten. Kaum ist man im System, geht man eben später. Zum Teil hat Österreich ja gewonnen. Das Turnusarztproblem wurde erfolgreich in das Studium verlegt (PJler kosten de facto nichts) und den BAlern umgehängt. Ausland ich komme…

    Ãrzte über Grenzen

    20. November 2016 at 13:39

    • Was offensichtlich in der Politik immer noch nicht angekommen ist: Die jungen Kollegen verlassen Österreich nicht wegen der schlechten Bezahlung (die wäre eventuell noch auszuhalten) sondern wegen der geringen Wertschätzung und der grossteils leider besch… Ausbildung. Daran hat sich genau gar nichts geändert.
      Im nahen und ferneren Ausland gibt es aber sowohl bessere Bezahlung, als auch eine sehr gute Ausbildung und Wertschätzung. Und dafür muss man nicht in die sprichwörtliche ostdeutsche Pampa gehen, selbst in sehr schönen Städten gibt es freie Ausbildungsstellen an guten Kliniken – man kann sich als Bewerber die Stellen aussuchen. Ein Blick z.B. ins Deutsche Ärzteblatt oder eine Initiativbewerbung selbst an renommierten Unikliniken (z.B. in München, Berlin) genügt. Und die wenigsten werden jemals wiederkommen.

      Quacksalber

      20. November 2016 at 16:27

    • Ist eine schwierige Entscheidung, halte es aber micht für einen Nachteil die FA Ausbildung nach alt zu machen und somit auf eine „komplette“ und nicht „teil-modulare“ Ausbildung verweisen zu können.

      medicus58

      20. November 2016 at 18:27

  2. Was unsere Ärzte leisten „“Grazer Chirurgen entfernten „inoperablen“ Tumor““ http://steiermark.orf.at/news/stories/2810886/

    Christine Kainz

    24. November 2016 at 23:42

  3. Empfehlung: https://www.meduniwien.ac.at/hp/gerichtsmedizin/lehre/weitere-lehrveranstaltungen/eine-von-fuenf/
    „7. interdisziplinäre Ringvorlesung in Kooperation mit der Volksanwaltschaft an der
    Medizinischen Universität Wien während der Kampagne
    16 Tage gegen Gewalt an Frauen und Mädchen
    Blocklehrveranstaltung: 25.11. bis 15.12.2016
    16 bis 19 Uhr im Hörsaal des Department für Gerichtsmedizin, Sensengasse 2, 1090 Wien.

    Zielgruppe:
    Studierende aller Fachrichtungen sowie bereits im Beruf stehende Interessierte. Grundkenntnisse sind nicht erforderlich.“

    Besonders empfehlen möchte ich natürlich die Vorlesung des Bezirksgerichts-Vorstehers meines Heimatbezirkes Meidling, Dr. Oliver Scheiber, am 7.12.: Justiz und Frauen: Scheidung, Wegweisung, Betretungsverbot, Unterlassung, strafrechtliche Möglichkeiten.

    Ein Leitfaden für Krankenhaus und medizinische Praxis http://www.goeg.at/cxdata/media/download/berichte/Gewaltbetroffene_Frauen_Leitfaden.pdf

    Christine Kainz

    25. November 2016 at 21:39


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