Sprechstunde

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Der Realitätsverlust im KAV

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kav

Realitätsverlust beschreibt den geistigen Zustand einer Person, welche nicht (mehr) in der Lage ist, die Situation, in der sie sich befindet, zu begreifen.
Auslöser können traumatisierende Erlebnisse, Schock, Drogenmissbrauch (Alkoholmissbrauch), aber auch der Beginn schwerer psychischer Erkrankungen wie Schizophrenie und organische Psychose sein.
Auch Gefangenschaft in gleichbleibender Dunkelheit, bestimmte Stoffwechselstörungen, Flüssigkeitsmangel oder allmähliches Verhungern bewirken unter anderem Realitätsverlust. https://de.wikipedia.org/wiki/Realit%C3%A4tsverlust

Am 12.9. um 9:34, als sich auf dem Dr-Karl-Lueger Platz nach Polizeiangaben bereits mind. 1300 Teilnehmer in weißen Arztmänteln zur Demonstration im Rahmen des Ärztstreiks eingefunden haben,
wird im Wiener Krankenanstaltenverbund folgendes Mail versandt
(Original mit Klarnamen in zig-facher Kopie in den Postfächern, aber, man will ja keine Persönlichkeiten angreifen, deshalb anonymisiert):

Von: XX 
Gesendet: Montag, 12. September 2016 09:34
An: YZ
Betreff: Plakat der Ärztekammer Wien

Liebe Kolleginnen und Kollegen!
Sollten Sie in Ihrem Haus folgende/s Plakat/e (siehe Beilage) vorfinden, bitte entfernen Sie diese/s – in Abstimmung mit Ihrem Vorstand – unverzüglich. Es ist derzeit noch nicht klar, ob und wie viele MitarbeiterInnen an der Demo teilnehmen und es ist wenig zielführend, die PatienInnen auf diese Weise quasi präventiv zur verunsichern. Auch ist die Ärztekammer Wien der falsche Absender, wenn es darum geht, PatientInnen über Vorgänge in den Spitälern unserer Ambulanzen zu informieren.

Vielen Dank und liebe Grüße

Wiener Krankenanstaltenverbund
Generaldirektion
Vorstandsbereich Kommunikation
Öffentlichkeitsarbeit Krankenhaus Nord

Nochmals, zu einem Zeitpunkt an dem Dutzende Kameras die Demonstration bereits festhalten,
die Polizei ersuchte die Endveranstaltung vom zu kleinen Franziskanerplatz auf den Stephansplatz zu verlegen
will die KAV GD glauben machen, dass unklar ist ob MitarbeiterInnen an der Demo teilnehmen werden
.

Um 17:29 zitiert der Standard () eine Originalaussendung habe ich leider nicht auftreiben können) die Stellungnahme des KAVhttp://derstandard.at/2000044206996/Wiener-Spitalsaerzte-demonstrieren-gegen-neue-Arbeitszeitregelungen

KAV-Angaben zufolge sind von den 1.513 am Montag zum Dienst eingeteilten Ärzten 446 nicht zur Arbeit erschienen. 70 Prozent der eingeteilten Mediziner hätten demnach nicht gestreikt.
Viele Teilnehmer der Demonstration seien nicht KAV-Ärzte gewesen, schlussfolgert man daher. 

Jeder der das chaotische elektronische Dienstplanungstool des KAV kennt, weiß, dass der KAV am 12. 9. noch gar nicht wissen konnte, wer (außer den 12,5 und 25h Diensthabenden) anwesend war oder nicht!
Frühestens am Monatsende (oder wenn die Abteilungsleiter vorher zur persönlichen Meldung gezwungen werden), stimmt die EDV annähernd mit dem heutigen IST-Zustand überein!

Alle, die in ihrer Freizeit (Urlaub, nach Nachtdienst, Zeitausgleich, Strichertage, ….) teilnahmen und all die ohne Dauervertrag, denen ihre Chefs frei gegeben haben um nicht ein Schicksal Dr. Rainer zu erfahren, waren laut KAV gar nicht dort!

Ich war dort und habe viele aus meinem Haus und aus anderen Häusern getroffen. Ich bin wie viele andere nach 13:00 schwitzend wieder an meinem Arbeitsplatz gewesen und habe aufgearbeitet was liegengeblieben ist. Die Notversorgung an unserer Abteilung hat geklappt.

Wenn der KAV unser Bemühen die Streikfolgen für unsere Patienten möglichst zu minimieren nun gegen unsere berechtigten Anliegen ausspielt, dann wird dies hoffentlich nicht der letzte Streik in diesem Jahr gewesen sein.

Wenn keine der oben angeführten Differentialdiagnosen für einen solchen Realitätsverlust zutrifft, dann kann man das Verhalten der politischen und organisatorischen Führung des Wiener Krankenanstaltenverbundes NICHT als Krankheit auffassen sondern als wohl durchdachte Propaganda der Arbeitgeberin.

Wenn etwas aber nicht als Krankheit gilt, dann ist naturgemäß das Verständnis von uns Ärzten für unser Gegenüber enden wollend!

 

Written by medicus58

12. September 2016 um 21:01

3 Antworten

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  1. Mein Vergleich mit der DDR ist zur zutreffend ! Aber das Schicksal der DDR ist bekannt, deshalb ist so ein Verhalten kurzsichtig ! Thomas Szekeres

    Anonymous

    12. September 2016 at 21:39

  2. Spitze und analytisch (etwas bissig, aber natürlich erlaubt) wie immer!

    Dr. Silvia Wogritsch

    12. September 2016 at 21:55

    • Schade, dass es „nicht erlaubt“ scheint die Adressaten Gruppe im Klartext zu bringen, das ließe noch tiefer blicken

      medicus58

      12. September 2016 at 21:58


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