Sprechstunde

über alles was uns krank macht

Streikbereitschaft für Rufbereitschaft?

with 11 comments


Arzt-Bus

Augenblicklich haben wir sicher andere Sorgen, aber jedem war wohl klar, dass es nach dem hoffentlich eindrucksvollen Bildern vom (http://gemeindespitaelerstreik2016.at/) am 12.9.2016 irgendwie weiter gehen muss, um beiden Gruppen einen gesichtswahrenden Konsens zu ermöglichen.

Auch wenn mittelfristig nur eine deutliche Wende im politischen und organisatorischen Management des KAV zu einer Verbesserung führen kann, wird dieser Prozess länger dauern, als die öffentliche Aufmerksamkeitsspanne, d.h. es muss eine Lösung her.

Aus einer verhärteten Konfliktsituation, in der die altbekannten Worthülsen seit Jahren nur mehr rauf- und runter-gespielt werden (siehe: Aus dem Fundus KAV-Marhold: Ärztekammer instrumentalisiert Personal für Ärztekammer-Wahlkampf https://medicus58.wordpress.com/2016/09/07/kav-marhold-aerztekammer-instrumentalisiert-personal-fuer-aerztekammer-wahlkampf/) kommt man nur mehr durch eine Wunderwaffe heraus, also einem scheinbar bisher von beiden völlig übersehenen Lösungsansatz.

Die Ärztekammern haben schon früher mit Rufbereitschaft gewunken (z.B. 2014 im Spital gibt’s fachärztlichen Pannendienst http://wp.me/p1kfuX-Pr),
kammerintern wurde auch in Wien die  R(2) (=Rufbereitschaft Version 2) nun erneut gezündet und
heute überraschenderweise im TV und der Presse von der Stadträtin Wehsely als Gesprächsangebot der Ärztekammer angeboten (Wien heute 8.9. 19:00).

Mich erinnert die R(2) eher an Hitlers Wunderwaffe V2, aber das ist halt nur mein persönliches Problem.

Wiener Gesundheitsstadträtin schlägt eine Rufbereitschaft vor http://derstandard.at/2000044077754/Wehsely-will-mit-Gespraechsangebot-an-Aerzte-Streik-abwenden

Wien sei das einzige Bundesland in Österreich, das noch über keine solche Rufbereitschaft verfüge

Supi, schon seit Wochen glauben einige KAV Abteilungen so ihr Weiterleben trotz massiv verdünnter Belegschaft absichern zu können.

Meine Meinung zum Arzt auf Abruf in Potemkinschen Spitälern habe ich seit 2012 (http://wp.me/p1kfuX-n8) mehrfach dargelegt, da sie politisch schon seit längerem gesetzlich vorbereitet wurde.

2016
Fassadenpolitik erreicht inzwischen die Universitäten http://wp.me/p1kfuX-149
Doktor auf Abruf
 http://wp.me/p1kfuX-17P

Mir ist klar, dass sich die Durchführbarkeit einer Rufbereitschaft von Abteilung zu Abteilung, von Fach zu Fach unterscheidet, ich kann aber auch die Ärztekammer nur nachdrücklich auffordern, vor einer Zustimmung am Verhandlungstisch ihre Hausaufgaben zu machen:

Alle Ärzte sind vorab (wie in der gestern abgehaltenen sehr guten Veranstaltung mit Prof. Marhold) ausführlich und objektiv über die rechtlichen Konsequenzen einer Rufbereitschaft zu informieren.

  • Handelt es sich nur um eine telefonische Auskunftspflicht für Kollegen am Ort?
  • Handelt es sich um eine Verpflichtung am Dienstort zu erscheinen? Max./min. Responsezeiten?
  • Klarstellung, dass nun Einzelpersonen die Organisationsverantwortung dem Dienstgeber komplett abnehmen?
    • wie komme ich an den Dienstort?
    • was ist, wenn Handy, Öffis oder Privat PKW defekt sind?
    • deckt das alles die Haftpflicht ab?
  • Organisation und Klarstellung, welchen Einfluss ein erfolgter Kontakt in der Rufbereitschaft für den Regeldienst vor Ort hat.

Es kann nicht nur die alleinige Entscheidung der einzelnen Fachabteilungen im Hinblick auf die Versorgung ihrer eigenen Abteilung sein, es muss eine Entscheidung des Kollektivs sein, weil schließlich für alle anderen die entsprechenden Konsiliarleistungen nicht zur Verfügung stehen.

Vor einer vertraglichen Zustimmung ist dann eine Urabstimmung durchzuführen.

Die Einführung der Rufbereitschaft (Teleradiologie, …) betrifft am Ende des Tages alle und kann nicht ausschließlich auf der Zustimmung der Einzelabteilung beruhen!

Weshalb das „Lösungsmittel“ der ÄK für die Zeit nach dem Streik nun plötzlich vor dem Streik aus dem Mund Wehselys kommt, ist eine weitere der eigenartigen Facetten des Wiener Gesundheitssystems ….

Einerseits untergräbt Wehsely damit scheinbar die Legitimität des Streikbeschlusses, in dem Sie sich plötzlich doch verhandlungsbereit zeigt, andererseits nimmt Sie der WÄK ihre Wunderwaffe aus der Hand.

Power Play auf höchstem Niveau, auch wenn das alles politisch völlig retro ist und das Niveau der Gesundheitsversorgung der Stadt weiter sinkt.

Links: 

15.2.2016 http://derstandard.at/2000031070496/Rufbereitschaft-der-Aerzte-als-Arbeitszeitbombe
26.8.2016 http://diepresse.com/home/panorama/oesterreich/5075514/Kaernten_Aerzte-sollen-Rufbereitschaftsdienste-manipuliert-haben
1.9.2016 Emittlungen eingestellt http://kaernten.orf.at/news/stories/2794337/
8.9.2016 http://diepresse.com/home/panorama/wien/5082132/LastMinuteTreffen_Wehsely-hofft-auf-Absage-des-Aerztestreiks

Written by medicus58

8. September 2016 um 20:01

Veröffentlicht in Gesundheitssystem

Tagged with , ,

11 Antworten

Subscribe to comments with RSS.

  1. Rufbereitschaft war nie ein Thema! Man kann nicht wochenlang Gespräche verweigern um dann kurz vor einem Streik halbherzig zu sprechen. Der Streik findet am Montag statt ! Thomas Szekeres

    Anonymous

    8. September 2016 at 20:57

    • Ist nicht der Punkt. Der Punkt ist, wer hat Wehsely die Rufbereitschaft als Lösung angeboten?

      medicus58

      8. September 2016 at 21:31

    • Dass das Thema Rufbereitschaft jetzt auf den Tisch kommt ist doch klassische Ablenkungstaktik – der Versuch aus der Defensive irgendwie eine Thema aufzubringen, damit die mediale Aufmerksamkeit vom wahren Kernproblem weggelenkt wird.
      Auch sie hat wohl ein wenig Machiavelli gelesen.

      P.S. Hätte nie gedacht, dass ich das mal einem ÄK-Vertreter sage: Danke Herr Sz. für Ihren Einsatz.

      Quacksalber

      8. September 2016 at 22:43

      • Sicher ist es ein Ablenkungsmanöver, aber gleichzeitig nahm sie der WÄK die Exitstrategie. Wer hat sie da wohl beraten?

        medicus58

        8. September 2016 at 23:02

  2. Grundsätzlich ist Rufbereitschaft meiner Meinung nach für manche Fächer nicht schlecht, es bedarf neben den o.g. rechtlichen Klärungen (und der Einführung einer „Approbation“ noch vor der Facharztreife) halt auch einer sehr gut ausgebildeten Assistenzärztetruppe, die den Laden nachts auch ohne wesentliche Pannen und mit im wesentlichen telefonischer Rücksprache „schupfen“ kann. Das bedeutet, dass VOR einer solchen Einführung die Ausbildung der Assistenzärzte signifikant verbessert werden MUSS. Da reichen dann 3 Jahren Turnus-„Spritzenferdl“ und „Zettelausfüller“ nicht. Zudem muss den Fach-/Oberärzten klar sein, dass eine maximale Zeit bis Eintreffen im KH (üblicherweise 20min!) je nach Fach zwingend vereinbart werden wird.
    So gesehen ist dieses Thema derzeit eine Nebelgranate.

    Aber all das ist ein Nebenschauplatz des aktuellen Problems: Betrachtet man das leise Abrücken des Herrn H im letzen Interview von Frau W und der KAV-Führung, sowie das aggressive Auftreten des Herrn J ( im Standard-Interview), das für letzteren keinen vernünftigen Ausweg aus seiner Verhandlungsposition mehr zulässt, so ist aus meiner Sicht der erzwungene Abgang von Herrn J als politisches Bauernopfer nur noch eine Frage der Zeit und ob er dann noch Frau W auch noch mitnimmt, oder ob sie sich da noch rechtzeitig rauswinden kann (erste Tendenzen sind in ihren letzten Interviews ja schon absehbar)…..

    Es bleibt unterhaltsam.

    Quacksalber

    8. September 2016 at 21:03

    • Sehe das wie Sie. Frag mich aber weshalb das, was intern diskutiert wird plötzlich ais Wehselys Mund kommt!

      medicus58

      8. September 2016 at 21:33

  3. wenn ich Sie recht verstehe , vermuten Sie einen Spitzel in der ÄK . Schon möglich , aber warum sollten Bereitsschaftsdienste eine Exitstrategie der ÄK sein ? Ich halte sie für Plan des KAV nach den 12,5 h Diensten . Ich kann mir auch nicht vorstellen , wie ein „gesichtswahrender Ausstieg“ für einen Gesinnungstäter wie Janßen aussehen sollte . Er ist ein gescheiterter Möchtegernmanager , der abtreten muß . Dr. Szekeres hat schon richtig gesagt , dass die ÄK das Problem hat , einen Verhandlungspartner zu haben , von dem sie weiß , dass er sich an keine Vereinbarung halten wird ! Also muß ein anderer Verhandlungspartner her .

    Mesmer

    9. September 2016 at 13:52

    • IMHO muss eine andere politische Führung, ein anderes Management im KAV (und nicht Herr Köck) und ein anderes, vorallem gleichbleibendes Verhandlungsteam der ÄK her. Wird nicht leicht.
      Zur Rufbereitschaft: Habe keine andere Exit-Strategie gehört, die auch in der Ärztschaft eine (knappe) Mehrheit findet. Da ich aber überzeugt bin, dass die wirkliche Strategie der GD eigentlich halbtags Facharztbesetzung, nachts Allgemeinmediziner (um dem Gesetz Genüge zu tun) heißt, hätte der KAV mehr Nachteile als Vorteile, würde er die Zahl der FÄ mittelfristig nicht deutlich runterfahren.

      medicus58

      9. September 2016 at 16:31

      • Allgemeinmediziner in der Nacht: Das wären ja tolle Aussichten: Nach 3Jahren Spritzenferdl kümmert sich dann der Kollege nachts um die Bohrlochtrepanation bei der Hirnblutung, das Fieber in der Neutropenie nach Chemo, oder die polymorphe VT, kein Problem, der kann und darf ja alles…..

        Quacksalber

        9. September 2016 at 20:02

      • IMHO muss eine andere politische Führung, ein anderes Management im KAV (und nicht Herr Köck) und ein anderes, vorallem gleichbleibendes Verhandlungsteam der ÄK her. Wird nicht leicht.
        Zur Rufbereitschaft: Habe keine andere Exit-Strategie gehört, die auch in der Ärztschaft eine (knappe) Mehrheit findet. Da ich aber überzeugt bin, dass die wirkliche Strategie der GD eigentlich halbtags Facharztbesetzung, nachts Allgemeinmediziner (um dem Gesetz genüge zu tun) heißt, hätte der KAV mehr Nachteile als Vorteile, würde er nicht auch Zahl der FÄ runterfahren.
        Welches Gesicht sollte Janßen denn noch wahren können?

        medicus58

        9. September 2016 at 20:38

      • Hoffe nicht Recht zu behalten

        medicus58

        9. September 2016 at 20:38


Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: