Sprechstunde

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Ärztestreik: Warum Angst keine Option ist

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Sonja-2

Dieser Blog berichtete letzten Freitag von der „fürsorglichen“ Information der KAV Generaldirektion vor dem kommenden Warnstreik der KAV Ärzte:
Neue Besen schießen scharf aber fürsorglich
https://medicus58.wordpress.com/2016/09/02/aerztestreik-neue-besen-schiessen-scharf-aber-fuersorglich/ 

Die Printmedien waren sich einig wie selten, dass es sich hier um eine Drohung handelt:

Entlassung wegen Dienstpflichtverletzung
http://kurier.at/chronik/wien/aerztestreik-fuer-kav-dienstpflichtverletzung/219.090.962

KAV will Ärzten Streik verbieten
http://www.xn--sterreich-z7a.at/chronik/KAV-will-Aerzten-Streik-verbieten/249994830

Personalstelle droht Ärzten
http://diepresse.com/home/panorama/wien/5079161/Dienstpflichtverletzungen_Personalstelle-droht-Aerzten?

Streikteilnahme darf kein Entlassungsgrund sein
http://derstandard.at/2000043884206/Wiener-Aerzte-Streikteilnahme-darf-kein-Entlassungsgrund-sein

Auch die vor dem Arbeitsgericht gelandete „Entsorgung“ des Gründers der Ärztegewerkschaft Dr. Rainer (http://diepresse.com/home/panorama/wien/5078786/Fall-Rainer_Prozess-gegen-Stadt-Wien-erneut-vertagt)
wegen angeblich fehlender Identifikation mit den Gesamtinteressen der Stadt Wien kann kaum anders interpretiert werden als als
Warnschuss gegen alle, die sich auch fundierte Kritik  an  Wehsely und die von ihr eingesetzte Generaldirektion des Wiener Krankenanstaltenverbundes erlauben.

Da kann es kaum verwundern, wenn sich viele von uns fragen, ob sie, wenn sie ihren Protest auf die Straße tragen, in ähnlicher Weise von diesem System in ihrer beruflichen und ökonomischen Zukunft bedroht werden.

Einige der besten KollegInnen kündigten bereits und wechselten zu anderen Dienstgebern, in die Wahlarztordination oder ins Ausland.

Zahlen sind in den einzelnen Häusern bekannt und sollten von den Medien oder der politischen Opposition einmal offiziell abgefragt werden.
Auch die Namen all derer, die in die Frühpension entsorgt wurden könnte man einmal auflisten,
oder die Personalfluktuation in der Generaldirektion und dem Planungsteam des Krankenhaus Nord.
Ja,  im Wiener Krankenanstaltenverbund herrscht in den letzten Jahren ein Menschen vernichtender autokratischer, totalitärer Führungsstil, bei dem die Grenzen zwischen Parteipolitik, Gewerkschaftspolitik und Konzernführung völlig unzulässig verwischt wurden.
Es gibt genügend Gründe um Angst zu verspüren!

Als Gattin unseres Bürgermeisters verlässt man den KAV und wechselt in die Gebietskrankenkasse,
als etablierter chirurgischer Abteilungsleiter kündigt man ganz einfach (http://diepresse.com/home/panorama/wien/5080552/Personalreduktionen_Primar-im-SMZ-Floridsdorf-gibt-auf ),

als „einfacher Arzt“ als „einfach Ärztin“, die aus persönlichen Gründen nicht so einfach ins Ausland wechseln können,
die ihre Ausbildung nur in bestimmten Schwerpunktspitälern absolvieren können,
die einen Kredit abzuzahlen haben,
sich keines parteipolitischen Netzwerkes sicher sein können, ….

da ist die Frage ob man sich nicht eher still fürchten als auf die Straße gehen sollte, verständlich,

 

ABER:

 

Dieser Blog beobachtet seit Jahren die Entwicklungen des gesundheitssystems u.a. auch im Wiener Krankenanstaltenverbund und macht evident, dass es sich bei all den Dingen die es fallweise in die Medien schafften (von vielem kann hier aus Selbstschutz gar nicht gesprochen werden),
nicht um einzelne Hoppalas handelte, sondern um eine immer schneller werdende Zerschlagung  des größten Krankenanstaltenverbundes Europas.

Nichts berechtigt zur Hoffnung, dass sich an dieser Entwicklung ohne massive Gegenwehr noch etwas ändert!
Wohin die Zukunft geht verrät ein Blick in die sogenannte Master-Betriebsorganisation:

Master-Betriebsorganisation im KAV: Da fährt die Eisenbahn drüber
https://medicus58.wordpress.com/2014/05/23/master-betriebsorganisation-im-kav-da-fahrt-die-eisenbahn-druber

Masterplan: Wir sparen, koste es was es wolle
https://medicus58.wordpress.com/2016/03/16/masterplan-wir-sparen-koste-es-was-es-wolle

Ärzte brauchen keine eigenen Dienstzimmer (12,5h Dienste ohne Ruhezeiten),
keine Ablage für Fachliteratur, eigenen Arbeitsplatz auf der Station (siehe EHC Masterplan, wie die neu gebauten KHs aussehen werden),
die Ablauforganisation wird in den Ambulanzen von den Leitenden MTDGs,
an den Stationen von der Leitenden Pflege übernommen,
Ärzte machen, wie im Belegspital, nur das was übrig bleibt bzw. wofür sonst niemand die Verantwortung übernehmen will oder kann.

Was hier schon vor drei Jahren (!) unter
Weg mit den Primarii! (https://medicus58.wordpress.com/2013/10/30/weg-mit-den-primarii/ )
angekündigt wurde, die Degradierung der leitenden Ärzte zu reinen Verantwortungsträgern ohne Anordnungskompetenz hinsichtlich anderer Berufsgruppen ist mit
kräftiger Unterstützung der Younion-Gewerkschaft mit der Neufassung der Arbeitsplatzbeschreibungen für Abteilungsleiter zum Jahreswechsel 2015/16 umgesetzt worden.

nun kommt der Mittelbau dran:
Es wurden Dienstplanverantwortliche offiziell etabliert, die plötzlich Mitverantwortung für die Dienstpläne tragen müssen (rechtlich war dies früher ausschließlich der Ärztliche Direktor und de facto die Primarii),
diese bekommen aber weder ein brauchbares EDV-Tool, noch für die stundenlange Zusatztätigkeit irgendwelche Rechte oder Freiräume.

Was im KAV von oben nach untern verteilt wird, ist die Verantwortung, denn auf der wollen die Schreibtischtäter der personell massiv aufgerüsteten Generaldirektion natürlich nicht sitzen bleiben.

Wer weiter im Wiener Krankenanstaltenverbund arbeiten will oder muss,
wird zukünftig noch mehr unter Druck gesetzt und bei Kritik in seiner beruflichen Existenz bedroht werden,
wenn diese Entwicklung nicht endlich getoppt wird.

Wer also jetzt schon Angst vor Repressalien hat, der muss streiken.

Deshalb ist Angst also keine Option!

 

Wiener und Wienerinnen können sich in folgender Online Petitionen solidarisch erklären:

Online-Petition gegen die Missstände im Wiener Krankenanstaltenverbund

„Sehr geehrte Frau Stadträtin,
die Ärzteschaft der Gemeindespitäer und Pflegewohnhäuser des Wiener Krankenanstaltenverbunds (KAV) hat sich zu mehr als 90 Prozent für Kampfmaßnahmen bis hin zu einem Streik ausgesprochen.
Die Gründe hierfür sind vor allem zahlreiche Nachtdienststreichungen ohne abfedernde Begleitmaßnahmen, durch welche die ärztliche Versorgung der Wiener Bevölkerung akut gefährdet ist.
Dies zeigt sich unter anderem durch Ambulanzschließungen und die damit verbundenen immer länger werdenden Wartezeiten. Und auch die Zahl der Kassenärzte stagniert beziehungsweise sinkt sogar – und das trotz steigender Bevölkerungszahlen.
Als Wienerinnen und Wiener fordern wir Sie als politisch verantwortliche Stadträtin auf, patientenfeindliche Maßnahmen wie die Reduktion von Nachtdiensten,
die Schließung von Ambulanzen und die Kürzungen von Leistungen zurückzunehmen und mit der Ärzteschaft in einen Dialog zu treten, um so die Zerstörung des Wiener Gesundheitssystems zu verhindern.“

http://www2.aekwien.at/py/petition.py

Written by medicus58

5. September 2016 um 21:03

2 Antworten

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  1. Danke für diesen Kommentar!

    Als Ergänzung: Kollege Rosen ist nicht der erste designierte KH Nord Primar, der es vorgezogen hat den KAV zu verlassen, da auch in der vermeintlich oberen Etage die Arbeitsbedingungen „verbesserungsfähig“ sind- davor sind auch schon der Leiter der Notaufnahme und der Kardiologie lieber (ins Ausland) gegangen.

    Quacksalber

    5. September 2016 at 23:15

    • Mir bekannt, aber auch KS ist frühpensioniert worden und wieder ein neues Doppelprimariat geschaffen worden ….

      medicus58

      6. September 2016 at 07:45


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