Sprechstunde

über alles was uns krank macht

Reden wir noch von einem Krankenanstaltenverbund – oder lösen müssen es die Nicht-Anwesenden

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wagner

Am 6.7. 2016 machten Personalvertreter der Pflege (!) eine Presseaussendung in der sie festhielten, dass der KAV gegen eigenes Leitbild verstößt (Auszüge): 

In den Leitlinien des Wiener KAV heißt es: „Qualifizierte, engagierte und zufriedene MitarbeiterInnen sind Grundpfeiler unserer Leistung.“
Die unter dem Spardruck immer schwieriger werdenden Arbeitsbedingungen sowie zusätzliche Aufgaben bei reduziertem Personalstand würden die Qualität in der Gesundheitsarbeit allerdings zunehmend gefährden.
Seit 2015 wurde im KAV der medizinische Personalstand um 300 Köpfe reduziert.
Es ist geradezu absurd, wenn ausgerechnet in den Gesundheitsberufen Arbeitsbedingungen herrschen, die zunehmend krank machen und an die Grenzen der Belastbarkeit führen. Es ist dem hohen Engagement bis hin zur Selbstausbeutung der Beschäftigten für ihre PatientInnen zu verdanken, dass das System noch nicht gekippt ist.
Statt Sparpakete im Gesundheitsbereich braucht es mehr Personal, menschenwürdigere Arbeitsbedingungen und der Arbeitsleistung entsprechende Löhne. Weil sich schließlich alle ein Gesundheitswesen verdient haben, das gesund, statt krank macht – PatientInnen wie Beschäftigte … – damit das KAV-Leitbild auch endlich Realität wird.“
http://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20160616_OTS0186/kivug-zu-situation-im-wiener-kav-krankenanstaltenverbund-muss-endlich-eigene-leitlinien-ernst-nehmen

Erneut wurde das auch schon hier einmal am Blog verlinkte Schwarzbuch Kranker Anstaltenverbund vorgestellt:
http://www.kiv.at/gesundheit/schwarzbuch-kav/download/download/856_edae718d4c06209902781dfacc82aeb7

Was hier meiner Meinung nach übrigens noch fehlt ist der Verweis auf einen anderen wichtigen Teil des KAV Leitbildes, der seit vielen Monaten mit den Füssen getreten wird:

Grundlage unseres Handelns ist die Wertschätzung aller Menschen
http://www.wienkav.at/kav/ZeigeText.asp?ID=42693

Die Presseaussendung der Grünen vom 29.6.2016 spricht hingegen vom KAV als hochprofessionelles Vorzeigemodell:
„Das Spitalskonzept 2030 und das Konzept Pflege und Betreuung 2030 ist gesundheitspolitisch und gesundheitsökonomisch gerade deshalb so wichtig, weil die Konzentration auf Schwerpunkte -sowohl räumlich wie inhaltlich – Kosten spart und Nutzen bringt. 6 KAV- Schwerpunktkrankenhäuser, 9 Leitlinien zu Pflege und Betreuung sind hochprofessionell und gesundheitspolitisch – auch im Vergleich mit ausländischen Modellen – Vorzeigemodelle“, so die Gesundheitssprecherin der Grünen, Birgit Meinhard-Schiebel, anlässlich der heutigen aktuellen Stunde im Wiener Gemeinderat.
http://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20160629_OTS0087/gruene-wienmeinhard-schiebel-spitalskonzept-und-pflegekonzept-sind-vorzeigemodelle-in-der-gesundheitspolitik 

Für den schon aus einem früheren Beitrag (http://wp.me/p1kfuX-17G) bekannte SP Gesundheitssprecher Wagner (zur Erinnerung oben sein den Betroffenen wohl weitgehend unbekanntes Gesicht) steht überhaupt fest, das wir alle im und mit dem KAV im Paradies leben:

Tagsüber mehr Ärzte und ausgeruhtes Personal: Neue Ärztearbeitszeiten bringen Vorteile für PatientInnen
http://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20160705_OTS0142/sp-wagner-tagsueber-mehr-aerzte-und-ausgeruhtes-personal-neue-aerztearbeitszeiten-bringen-vorteile-fuer-patientinnen

und setzt nach:
Man dürfe auch nicht vergessen, dass die Gehälter der ÄrztInnen um 30 bis 40 Prozent angehoben wurden, um die durchschnittlich kürzeren Arbeitszeiten durch die neuen Arbeitszeiten auszugleichen. „Diese Abmachung wurde von Seiten des Krankenanstaltenverbundes klar erfüllt; jetzt liegt es an den ÄrztInnen, ihren Teil zu erfüllen“.

Die NEOS sprechen hingegen von Rot-Grün kann Ihre Gesundheit gefährden! http://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20160629_OTS0123/11-wiener-gemeinderat-2 und

die FPÖ stellt fest: Einsparungen auf Kosten der Patienten nehmen lebensbedrohliche Ausmaße an
http://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20160705_OTS0108/fp-seidl-die-leistungskuerzungsplaene-des-kav-sind-strikt-abzulehnen

Ja, und die „Berufsbetonierer der Ärztekammerschlagen wieder einmal Alarm:

40 Dienste ersatzlos gestrichen, fast die Hälfte werden 12,5-Stunden-Dienste – Szekeres und Leitner unisono: „Dieses Vorgehen bedroht die Patientenversorgung akut“
http://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20160704_OTS0126/kav-spitaeler-einsparungen-bei-nachtdiensten-klarer-vertragsbruch

Es bedarf keiner großen Phantasie um sich vorzustellen, dass Außenstehende das Ganze nur als politisches und standespolitisches Hick Hack empfinden und dass das öffentliche Interesse enden wollend ist.

Dabei ist es ganz einfach:

Auf Basis zufälliger oder absichtlicher Rechenfehler gekaufter Berater hat die Stadt Wien vor über einem Jahr gleichzeitig versucht,
die EU-Arbeitszeitrichtlinie, die die maximale Arbeitszeit der Ärzte beschränkte, umzusetzen und
den – durch die von der österreichische Novelle der Ärzteausbildung bedingten Ausfall der klassischen „Spritzenferdln„, pardon Turnusärzte, zu kompensieren,
indem sie drastisch die Nachtdienstbereitschaft der Ärzte herunter fährt und Abteilungen schließt.

Das zugrundeliegende Abkommen wurde mit enormem politischen Druck und durch Ausspielen verschiedener unkoordiniert agierenden Kammerfunktionäre, einer SP-dominierten Gewerkschaft und einer politisch etwas bunteren Personalvertretung, unter enormen persönlichen, psychischen und politischen Kollateralschäden, zum Teil auf dem Rücken der überrumpelten Pflege, durchgeboxt, wobei jeder der Beteiligten danach für sich glaubte, den anderen über den Tisch gezogen zu haben.
Ein Konzern wie der KAV, der über ein Jahr nach dem Deal in nicht schafft ein einziges (!) und ein funktionierendes (!) EDV-Tool zu haben, wie die anfallenden Dienste JETZT RICHTIG abgerechnet werden und das kürzlich sogar in einer Presseaussendung zu geben musste:

27.7.2016 KAV zu Nachtdienst-Gutstunden: Technische Probleme behoben, Ansprüche werden korrekt verrechnet
http://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20160627_OTS0135/kav-zu-nachtdienst-gutstunden-technische-probleme-behoben-ansprueche-werden-korrekt-verrechnet

So eine Chaotentruppe wird wohl kaum die Informationen gehabt haben, um die Auswirkungen seines neuen Ärztedienstrechts ausrechnen zu können!

Und ein zweiter Punkt geht in dem medialen Getrommel unter:

Die wesentliche Voraussetzung, für die wirklich von den Verhandlern (Lügt der Präsident? https://medicus58.wordpress.com/2015/02/20/lugt-der-prasident/ ) unterschriebenen

Postenreduktionen
(382 Spitalsärzte) und
Nachtdiensteinsparungen (von (2015) 311 auf 259, also Minus 52 (!))

waren Strukturänderungen (Aufstockung der Notaufnahmen, Aufstockung in der Infrastruktur nicht-ärztlichen Personals, Änderungen im Rettungswesen und der extramuralen Versorgung, …),
die von der Stadt Wien, obwohl sie schon 26 Nachtdienste (Stand Juni) eingespart hat,  schuldig geblieben ist.

Ein Beispiel gefällig: Statt Änderungen im Rettungswesen protestiert dort sogar schon die „eigene“ Gewerkschaft gegen die Stadt:
Notärztemangel in Wien: Streit eskaliert http://www.profil.at/oesterreich/notaerztemangel-wien-streit-6776941

 

Also ist alles relativ einfach:
Wehsely und ihr Beraterklüngel hat es versemmelt, ist gemeinsam mit ihrem Generaldirektor auf Tauchstation und lässt nun weisungsgebundene ärztliche Direktoren und Primarii, die in ihren eigenen Häusern täglich Leistungsreduktionen anordnen müssen, weil es sich hinten und vorne nicht mehr ausgeht, das alles schön reden und in die Kamera lächeln:
http://www.heute.at/news/oesterreich/wien/KAV-jubelt-Aerztekammer-klagt-Bilanz-zur-Aerzte-Arbeitszeit;art23652,1309838

Pflegevertreter waren keine geladen, siehe das Zitat am Beginn dieses Beitrags, so dass man sich unwidersprochen auf die Lösung der Probleme einigen konnte ….

Wichtig für die Reduktion der Ärztearbeitszeit ist laut KAV: Pfleger übernehmen nun viele Aufgaben – etwa Infusionen –, die zuvor Ärzte durchgeführt haben.

Mut haben, die Typen, alle Achtung …..

schließlich müssen sie ja irgendwann wieder in ihre Häuser zurück, spätestens nach dem Urlaub

Urlaubszeit, gefährliche Zeit: Management aus dem Hinterhalt
https://medicus58.wordpress.com/2016/07/03/urlaubszeit-gefaehrliche-zeit-management-aus-dem-hinterhalt/ 

Written by medicus58

6. Juli 2016 um 20:29

2 Antworten

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  1. Wie gut die Visionen, Leitbilder sind, siehst du wieder mal!

    doc141

    6. Juli 2016 at 21:16


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