Sprechstunde

über alles was uns krank macht

Was ist der Unterschied zwischen einem Diskonter und einem öffentlich Krankenanstaltenbetreiber?

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Ludl

Wenn Sie nun gleich Schwachsinn der höheren Form hinter der Frage vermuten, liegen sie vielleicht falsch, aber entscheiden Sie selbst…..

Als sich heute Ihr ungefragter Berater in Sachen Gesundheitswesen für seine gefräßigen Mitbewohner durch das Tierfutter bei seinem nächstgelegenen Diskonter wühlte, machte er zwei bemerkenswerte Erfahrungen, die ihn fatal an seine eigene Arbeitgeberin erinnerten:

Ein Mitarbeiter rief einer Mitarbeiterin, die aus der Mittagspause kam und gerade begann große Kartons in den Verkaufsraum zu wuchten, zu:
Meld‘ dich zuerst bei „ihr“ (=Filialleiterin) aus der Pause z’ruck, sunst glaubt’s wieder wir san nur auf Pause ….

Ich schloss daher, der Betrieb hat ein Problem mit seiner Personalpolitik, da es für den Mitarbeiter sinnvoller ist sich zu melden als zu arbeiten ….

Bei der Kasse kam dann die zweite Erleuchtung, ich muss aber für Ihr besseres Verständnis etwas ausholen.

Nachdem sich mein Pelzgetier an den meisten Nobelmarken satt gefressen hat, stolperte ich im Zuge einer generalstabmäßigen Testung auf die Eigenmarke besagten Diskonters, die zwar überwiegend freudig angenommen wurde, aber für zwei Sorten doch nicht ganz unter das Stupsnäschen gehen wollte.

Ersparen Sie mir Erklärungsversuche, alle Dosen riechen grauenhaft und ich bezweifle, dass in den klingenden Gerichten nur ein Bruchteil des versprochenen Lachses, der Hühnerfilets oder der Wild-Pasteten drinnen ist, aber egal.
Zwei der Sorten müssen immer mühevoll aussortiert werden, sonst wandern sie unangetastet und ausgetrocknet am Folgetag in den Müll.
Bei meinen Einkäufen in immer derselben Filiale bemerkte ich, dass die eine Hälfte der Kassenkräfte eine Dose einscannt und mit der Gesamtzahl an gekauften Dosen multipliziert,
während die andere Hälfte von jeder Sorte eine Dose einscannt  und sie dann mit der jeweils gekauften Anzahl multipliziert.
Ich schloss daher, der Betrieb hat ein Problem mit der Mitarbeiterschulung und seinem Warenwirtschaftssystem. Letzteres wird der Generaldirektion kaum die Frage beantworten können, welche Sorten besser gehen und früher nachzubestellen sind.

Und jetzt zu Onkel Udos Gesundheitsladen und zum ersten Punkt:
Personalüberwachung:

Der KAV kam in den letzten Monaten immer wieder in die Schlagzeilen, weil er nach seiner finanziell und organisatorisch in den Sand gesetzten Dienstzeitreform nachträglich versucht seine Mitarbeiter elektronisch und mit selbst zu führenden „Stricherlisten“ zu überwachen, um Stelleneinsparungen rechtfertigen zu können.

http://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20151222_OTS0125/ueberwachung-der-arbeitsbelastung-im-nachtdienst-aerztekammer-korrigiert-kav
Nichts hat sich seither an der Praxis geändert, es gilt die Schuldvermutung.

Auch Lidl hatte hier vor Jahren massive Probleme, vielleicht erinnern Sie sich noch:

2008 Spitzel-Skandal: Lidl entschuldigt sich für Stasi-Methoden
Lidl preist sich für eine Firmenkultur der Fairness, des Lobs, der Anerkennung. Nun kommt heraus: Der Discounter ließ Mitarbeiter systematisch ausspionieren – mit Methoden, die an die Stasi erinnern. Datenschützer und Gewerkschafter sind entsetzt – der Konzern bittet nun um Entschuldigung.
http://www.spiegel.de/wirtschaft/spitzel-skandal-lidl-entschuldigt-sich-fuer-stasi-methoden-a-543597.html

Zumindest in Deutschland scheint die Trendwende geschafft:

2016 Neue Lidl-Kultur: Vertrauen statt Angst
http://www.stimme.de/heilbronn/wirtschaft/wirtscha/Neue-Lidl-Kultur-Vertrauen-statt-Angst;art86979,3648767

Irgendwann wird sich das vielleicht auch in jede Wiener Filiale durchgesprochen haben.
Der Wiener Krankenanstaltenverbund setzt „seine Personalpolitik“ jedoch auch gegen die Kritik der Volksanwaltschaft (http://derstandard.at/2000038666609/Causa-Rainer-Volksanwaltschaft-kritisiert-Vorgangsweise-des-KAV) unbehindert fort.

Vielleicht sollte der Herr Generaldirektor wieder mal in sein Heimatland fahren und nachlernen, dass man sich dort schon längst von den Konzepten löst, für die er nach Ösi-Land geholt wurde, aber egal.

Und nun zum Problem der Mitarbeiterschulung und dem Warenwirtschaftssystem:

Möglicherweise ist es Lidl ohnehin egal, ob er weiß, welche Futterdosen die Kundschaft bzw. ihre Vierbeiner enthusiasmieren, weil er den Mist ohnehin palettenweise einkauft, aber dann verzögert die eine Hälfte seiner Mitarbeiter die Abfertigung an der Kasse völlig unnötig, aber das ist nicht mein Problem. Ein schon größeres Problem ist es, dass ich hier seit Jahren schreibe, dass Statistiken in unserem Gesundheitssystem nicht einmal das Papier wert sind, auf dem sie stehen, noch die vielen Berater und Expertenstunden, in denen auf Basis dieser Luftschlösser Entscheidungen gefällt und Prognosen getroffen werden.

Ich stolperte schon vor über einem Jahrzehnt im ÖBIG (jetzt Gesundheit Österreich) über Haarsträubendes:

Die Versorgung von Schilddrüsenpatienten basierte auf der Annahme von knapp über 2000 codierten Fällen, obwohl auch damals alle Schilddrüsenambulanzen überquollen und alle wissen, dass die Zahl der morphologisch fassbaren Schilddrüsenveränderungen mit zunehmendem Alter mehr als die Hälfte der Bevölkerung erfasst..
Kein Wunder, dass sich nun alle wundern, dass es vor allem in Ostösterreich die Wartezeiten für die Erstbegutachtungen im Bereich von 6 -12 Monaten bewegen.
http://kurier.at/wissen/schilddruese-sechs-monate-wartezeit-auf-untersuchung/26.982.141

Deutschland hatte auch das Problem, scheint es aber jetzt zu lösen:
Für uns SchilddrüsenpatientInnen ist das monatelange Warten auf einen Facharzttermin beim Endokrinologen oder Nuklearmediziner in der Vergangenheit nichts Ungewöhnliches gewesen. Aber ab heute soll das anders werden. Die regionalen kassenärztlichen Vereinigungen sind zur Einrichtung von sogenannten Terminservicestellen verpflichtet worden. Diese sollen hilfesuchenden PatientInnen binnen vier Wochen zu einem Termin bei einer/m Ärztin/Arzt der erforderlichen Fachrichtung verschaffen.
http://schilddruesenguide.de/thyreoiditis/terminservicestellen-wartezeit-facharzttermin-endokrinologen-oder-nuklearmediziner/

Bei uns verweigern die Krankenkassen Verträge und nahezu zeitgleich schloss Stadträtin Wehsely in Wien das „Kropfspital – Elisabethspital“: http://wiev1.orf.at/stories/504757 und der jetztge Innenminister und frühere NÖ Finanzlandsrat Sobotka die Schilddrüsenversorgung im Krankenhaus Melk http://www.noen.at/nachrichten/lokales/aktuell/melk/Nuklearmedizin-wird-nach-St-Poelten-verlegt;art2383,13759. PArdon, eigentlich wurde nur verlegt oder zusammen gelegt, nur spricht keiner über die nun erbrachten Fallzahlen der neuen Strukturen …

Die „Anzahl der Melanome“ sind bis heute im Krebsregister massiv unterschätzt, weil die Mehrzahl der Patienten ambulant in den Ordinationen operiert werden und hier die Erfassungsqualität schlecht ist. Ja, soll sich ändern durch die Novelle der Krebsstatistikverordnung, aber letztendlich hängt es wieder an der Eingabequalität Hunderter, dafür nicht bezahlter, nicht eingeschulter und durch andere „Verördnungen“ demotivierter Mitarbeiter.

Jetzt schließt sich der Kreis zur Diskonterkasse!

Selbst dort, wo eigentlich der ganze Prozess elektronisch abläuft (Krankenhausinformationssystem, Labormedizin, Radiologie, …) und es ein Leichtes sein sollte, die Zahlen einfach zu übernehmen, klappt es nicht, weil die gekauften EDV Systeme Widersprüchliches und Unzulängliches auswerfen , weil von vielen ohne klare Vorgaben irgendwas codiert wird … bzw. keine koordinierten Kodierungssysteme vorliegen. In zumindest einem großen Krankenanstaltenverbund nimmt man die Selbstzahlerkataloge, die eigentlich nur für die Rechnungslegung besonderer Leistungen an Privatpatienten gedacht sind, für die Erfassung von erbrachten Leistungung im Regelbetrieb. Da die KAtaloge natürlich für jeden Verbund aber auch für jedes Bundesland unterschiedlich sind, wird munter transkodiert, bis sich keiner mehr auskennt.

KAV-IT: Ohne Worte https://medicus58.wordpress.com/2015/06/25/kav-it-ohne-worte/
Risikofaktor medizinische Informatik https://medicus58.wordpress.com/2012/10/25/risikofaktor-medizinische-informatik/
Männchen oder Weibchen? An alle ELGA Fans https://medicus58.wordpress.com/2012/05/11/mannchen-oder-weibchen-an-alle-elga-fans/
Meine Paranoia mit der Spitals-EDV oder wenn alles steht, geht’s weiter wie bisher https://medicus58.wordpress.com/2014/05/16/meine-paranoia-mit-der-spitals-edv-oder-wenn-alles-steht-gehts-weiter-wie-bisher/

Also, zurück zu unserer Anfangsfrage: Was ist der Unterschied zwischen einem Diskonter und einem öffentlich Krankenanstaltenbetreiber?

Wenn Sie die Lösung finden verrate ich Ihnen, dass KAV – King of the World ist

und Sie dürfen sich auf http://www.kavblaggers.com/ den

Free Bonustrack from KAV „Get Freak Money“

holen, um an der Ernsthaftigkeit des Problems nicht zu verzweifeln ….
KAV-Dirty

 

Written by medicus58

18. Juni 2016 um 14:08

2 Antworten

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  1. …nicht nur die Anzahl der Schilddrüsenerkrankungen wird von willfährigen und hohen Beratern und Consultants auf dubioser Datenlage dem politischen Wunsch entsprechend heruntergeschätzt, auch in anderen Gebieten wird der Bedarf für z.B. Herzkatheter trotz massiv steigenden Untersuchungszahlen, Alterung der Bevölkerung und vermehrt möglichen und sinnvollen Interventionen heruntergerechnet um Kosten zu sparen. Die Bevölkerung merkt´s halt erst, wenn sie dann mit der instabilen Angina ein paar Wochen auf den Katheter wartet, oder mit dem Infarkt erst mal eine Stunde im NAW unterwegs ist….

    Quacksalber

    23. Juni 2016 at 17:31

    • Ach ja, und die seit Jahren bekannte Unterversorgung mit Strahlentherapien in Ost Österreich, Pädiatrie, ganze Fächer werden im Refundierungssystem nicht berücksichtigt.

      medicus58

      24. Juni 2016 at 18:09


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