Sprechstunde

über alles was uns krank macht

Trivago für den Patientenexport

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Patient-Travel

Suchmaschinen sind was Nettes.
Vom „Schmarrnphone“ oder vom heimatlichen PC lassen sich alle Lebensbedürfnisse per Mausclick erfüllen.
Nein, ich rede jetzt nicht von Instant-Befriedigung in den kostenfreien Pornoseiten und schon gar nicht vom Lustgewinn des Online-Shoppens oder dem freundlichen Herrn, der uns täglich mehrfach via TV die besten Hotelbetten zum billigsten Preis verspricht, sondern davon, dass wir nun im Netz
den im Lande nur in weiter Ferne liegenden  Arzttermin in fernen Ländern rasch und kostengünstig erklicken können.

Bislang kannte man das nur aus dem fernen Reich der Ewigen Queen, dass Patienten aus dem Nationalen Gesundheitssystem in ferne Länder exportiert werden, um eigene Unzulänglichkeiten zu kompensieren:

NHS patients may be sent to India for cut-price surgery claims former Labour health secretary
NHS doctors could be flown to India to treat locals and raise money
Indian doctors could also come to the UK to perform operations
Move would see NHS trusts going into business with private Indian firms

(August 2913) http://www.dailymail.co.uk/news/article-2400693/NHS-patients-sent-India-cut-price-surgery-Former-Labour-health-secretary-says-doctors-sent-India-treat-locals-bid-raise-money.html#ixzz46GR0L0AN

Inzwischen fand man das Gute aber so nah, dass das NHS seine Patienten einfach über den Kanal schickt und nicht mehr nach Indien:

First NHS patient crosses the Channel for gall bladder surgery to slash waiting his time ‚from months to weeks‘
Timothy Brierley, 54, has made the 44-mile trip from Kent to Calais
Patients from Kent can choose to be treated at 2 hospitals in France
NHS
 foots the cost of treatment but patients have to pay travel costs
Treatments include orthopaedics, ear nose and throat and cataract surgery 

(April 2015) http://www.dailymail.co.uk/health/article-3541751/First-NHS-patient-crosses-Channel-gall-bladder-surgery-slash-waiting-time-months-weeks.html

Noch traut man sich diesseits des Kanals nicht in diese Fußstapfen, auch wenn man schon gerne von rasch zu nostrifizierenden Syrischen Ärzten träumt, um den Schein einer funktionierenden Patientenversorgung aufrecht erhalten zu können, dafür springt aber die IT- Industrie den des Wartens müden Patienten bei und ein von der Ärztin Sophie Chung gegründetes Berliner Start-up namens Junomedical vermittelt Zahlungswilligen eine raschen Wunscherfüllung: 

Junomedical: For a happier healthier you
https://www.junomedical.com/en/
„Als Ärztin habe ich täglich erlebt, wie der Großteil der Menschen noch immer durch das lokale medizinische Angebot limitiert ist. Die Globalisierung ist im Gesundheitswesen leider noch nicht vollständig angekommen“, sagt Sophie Chung. „Wir möchten es einfach nicht hinnehmen, dass es in unserer heutigen Zeit noch immer so viele Patienten gibt, die suboptimalen oder zu teuren Zugang zur medizinischen Versorgung haben.“
http://gruender.wiwo.de/junomedical/

Sucht man zum Beispiel nach einer Schilddrüsenoperation, wird man an die Apollo Hospitals in Chennai, Indien weitergereicht ….
Der Wunsch nach Haartransplantaten schickt einen u.a. nach Thailand, auch nicht schlecht …

Nur die Ewig-Gestrigen unter uns, glauben noch, dass man auch in Zukunft im Krankheitsfall seinen Hausarzt kontaktieren wird können, der einen gegebenenfalls an einen Spezialisten oder ein nahe gelegenes Krankenhaus überweist, wo einem geholfen wird.

Warum einfach, wenn es auch elektronisch geht.
Warum lokal, wenn man sich auch billigen Knoblauch aus China holen kann …

Also eh alles supi in unserer globalisierten Welt, auch wenn Kollegin Chung trotz aller Beteuerungen der Qualitätssicherheit nachschießt:
„Aber schwarze Schafe wird es in der globalen Medizin immer geben.“
 http://futurezone.at/thema/start-ups/junomedical-oesterreicherin-vermittelt-medizintouristen/193.130.275

Written by medicus58

19. April 2016 um 18:21

2 Antworten

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  1. Der Patientenalltag ist ja jetzt bereits zumeist schwierig genug: es gilt nicht nur Wartezeiten in Kauf zu nehmen, sondern auf der Metaebene auch die Frage zu klären: ist mein Hausarzt ausgeruht oder bereits im Burnout, wird sich ein Nachfolger finden, wenn er oder sie in Pension geht, wird die Krankenkasse und die Wiener Stadtregierung endlich dafür Sorge tragen, daß das Gesundheitssystem patientengerecht gestaltet wird, gleichzeitig aber in ihrem Reformwillen nicht übers Ziel schiesst und die Ärztinnen und Ärzte wegrationalisiert.
    im Vergleich dazu wird die Frage, ob im Bezirk ein oder zwei Schnittbildzentren arbeiten oder ob in Indien die Gallenoperation billiger gemacht werden kann zu vernachlässigen sein. Leute wacht doch bitte auf, es geht darum, daß die Politik drauf und dran ist, das von allen arbeitenden Bürgern dieses Landes finanzierte Gesundheitssystem, und damit ist die Basisversorgung ebenso betroffen wie die Spitzenmedizin, an die Wand zu fahren !

    iatros54

    20. April 2016 at 22:40


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