Sprechstunde

über alles was uns krank macht

Fassadenpolitik erreicht inzwischen die Universitäten

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bürgerkrieg

Seit Jahren verwende ich hier den Begriff der Potemkinschen Spitäler (Reform=Stillschweigen zur Errichtung eines Potemkinschen Dorfes http://wp.me/p1kfuX-8V, http://wp.me/p1kfuX-n8 ), um darauf hinzuweisen, dass die Gesundheitspolitik zwar den Schein einer fachärztlichen Vollversorgung in den öffentlichen Spitälern aufrechterhalten möchte, aber spätestens seit dem ÖSG 2012 die rechtlichen Grundlagen dafür geschaffen werden, auch schwer Kranke der fachlichen Kompetenz eines Allgemeinmediziners zu überlassen.
Ein Konzept, dass vorher ausschließlich in den gewinnmaximierten Privatkrankenanstalten zu finden war, die im Notfall aber ihre Patienten dann rasch in ein öffentliches Spital verlegen konnten.

Gestern hat nun SPÖVP mit Unterstützung ihrer neoliberalen Gesellen im Nationalrat die Rahmenbedingungen geschaffen, dass Derartiges auch im Olymp der medizinischen Krankenhausversorgung möglich wird, an den Medizinischen Universitätskliniken.
http://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20151216_OTS0186/rufbereitschaft-von-fachaerztinnen-in-unikliniken-wird-ermoeglicht
Auch in Zentralkrankenanstalten muss künftig nicht mehr rund um die Uhr in jedem einzelnen Sonderfach ein Facharzt vor Ort anwesend sein. Vielmehr genügt es, wenn in den Nachtstunden bzw. vorübergehend auch im Wochenenddienst und an Feiertagen eine Rufbereitschaft eingerichtet ist. Das sieht eine Novelle zum Krankenanstalten- und Kuranstaltengesetz vor, die heute vom Gesundheitsausschuss des Nationalrats mit den Stimmen von SPÖ, ÖVP, NEOS und Team Stronach angenommen wurde. Damit werden für Zentralkrankenanstalten wie z.B. dem AKH künftig ähnliche Regelungen gelten wie jetzt schon für Schwerpunktkrankenhäuser.

Beruhigend wird hinzugefügt, dass ja ohnehin Innere, Chirurgie, Kinder-  und Intensivstation noch von einem Facharzt besetzt sein werden. Röntgenbilder können ja notfalls -wie in den USA- auch in Indien befundet werden und wer braucht einen Facharzt, der noch um Mitternacht einen Malariabefall im Blutausstrich ausschließen kann.
Da halten wir’s halt wie Scarlett O’Hara in Vom Winde verweht:

Darüber denke ich morgen nach. Morgen ist auch noch ein Tag.

Na, und irgendwie bewegt sich unsere Gesundheitssystem ja auch in Richtung 19. Jahhundert zurück. Schau’n mir mal, ob wir es auch noch bis zum Bürgerkrieg schaffen.

Vergleiche dazu auch: http://www.wienerzeitung.at/meinungen/gastkommentare/794003_Universitaeten-ohne-Fachaerzte.html

Written by medicus58

29. Januar 2016 um 20:45

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