Sprechstunde

über alles was uns krank macht

Happig, diese Hapos, net?

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Apotheke

Jeder Teen, was sage ich, jedes Kindergartenkind weiß, dass man erst dazu gehört, wenn man die Codes des Milieus versteht.
Nicht anders ist es im Gesundheitswesen. ÖSG, PHC, ELGA haben wir hier schon so oft im Text erwähnt, dass es gleichsam „Kredite nach Athen tragen“ bedeuten würde, sich mit ihrer Verwendung noch als Insider outen zu wollen.

Wer aber weiß, was eine Hapo ist, der möge sich gleich zum Ärztekammerpräsident wählen lassen.

ÖÄK-Präsident Artur Wechselberger fordere eine Regelung, die den Bestand der Hapos sichert.

Bei der Existenzgrundlage vieler ärztlichen Praxen in Randlagen, die unser Präsident hier sichern möchte, handelt es sich um die Hausapotheke,
also das Recht der praktischen Ärzte verordnete Medikamente auch gleich selbst ausgeben zu dürfen, wenn sich in der näheren Umgebung keine Apotheke befindet.
(Das Gute kommt aus der Apotheke ….  http://wp.me/p1kfuX-MA )

So problematisch dieses Prinzip natürlich ist, wer wird bei einer banalen Erkältung neben Tee und Wärmeflasche nicht auch noch etwas Schleimlösendes rezeptieren, wenn das das Einkommen positiv beeinflusst, so komplex wird es z.B. in Schwadorf (NÖ), wo sich die neue Apothekerin weigert, einen Antrag auf Schließung der Hapo der dort ansässigen Allgemeinmedizinerin zu stellen, weil ohne Arzt in ihrer Umgebung auch ein Teil ihrer Einnahmen wegfallen würde.

Der Kurier berichtet (http://kurier.at/chronik/niederoesterreich/pharmazeutin-will-dass-die-hausapotheke-erhalten-bleibt/172.023.192) in diesem Artikel aber über eine vergleichbare Situation in Altlengbach, wo durch die baldige Eröffnung einer Apotheke und den konsekutiven Wegfall der Hapo befürchtet wird, dass sich niemand mehr für den einzige Hausarztposten bewerben wird.

Eine Frage möchte ich aber noch an das Milieu stellen:

Wieso kann eine Apotheke in einem Einzugsgebiet eines einzigen Hausarztes offenbar ökonomisch überleben, wenn es für den Arzt nicht reicht?

Da es hier keine Preise zu gewinnen gibt, darf ich meine Antwort gleich dazu geben:
Ganz offenkundig verdient die Apotheke mit den nicht rezeptierten Waren, die sie trotz Gebietsschutz selbstverständlich zusätzlich anbieten und verkaufen darf, genug, um von früh bis spät offen zu haben. Der Kassenvertragsarzt ist viel stärker (und m.E. zu Recht) in seinem Angebot eingeschränkt und die refundierten Tarife sind einfach zu niedrig.
Nur leider darüber berichtet auch die Presse nicht!

Written by medicus58

29. Dezember 2015 um 16:51

4 Antworten

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  1. Die Presse berichtet aber auch kaum über den Unterschied der medizinischen Aufmerksamkeit zwischen Krankheitsbildern, für die sich großvolumig Behandlungsoptionen auftun – z.B. COPD – und Krankheitsbildern, die kaum – dafür aber billig zu behandeln sind. Da herrscht aus meiner Laienperspektive eine respektable Goldgräberstimmung vor.
    Die Hapo an und für sich ist doch der klassiche Fall von Unvereinbarkeit. Andererseits aber auch der ideale Form/Platz von Kundenservice, wie auch ich ihn gerne hätte. Dass die Hapo gewachsener, integraler Bestandteil des landärztlichen Entlohnungsschemas ist, ist eine andere Geschichte. Ebenso, dass bei vielen Apotheken die Esoterikprodukte mittlerweile ein signifikantens Umsatzvolumen ausmachen und dass vermutlich die Beratung vielerorts nimmer so richtig evident sein wird.
    Der Hin- und Herprozess in Altlengbach läuft jetzt schon mehrere Jahre, am 2. Jänner um 17:30 beim Resetarits gibts auch einen Fernsehbeitrag dazu.

    Hansi

    29. Dezember 2015 at 20:13

    • Das ist ja die Absurdität des Systems, sachliche Unvereinbarkeit führt zu Kundenservice, Esoterik zur Patientenzufriedenheit … Danke für den Tipp

      medicus58

      29. Dezember 2015 at 21:31

      • Damit ich nicht falsch verstanden werd: ich bin ein Verfechter von Transparenz und Nachvollziehbarkeit, andererseits auch ein schlichter Mensch, der erstmal kein Problem damit hat, selber jede Menge Unvereinbarkeiten auszufüllen.
        Oft sind Strukturen einfach so klein, dass man viele Interessen in einer Brust vereinen muss.
        Sticht mir auch gerade bei Filmen zu viel Gesundheitsinformation ins Auge. Während das Kapitel „Krankheitsbilder“ auf den ersten Blick evident ausschaut, bieten die anderen angeboten Filme über „Werbung“ für Einrichtungen auch jede Menge Platz für Kugerl und Salze.
        Ob die Fortbildung ähnlich verteilt ist, kann ich nicht sagen. Wenn’s so wäre, dann wäre die Fortbildung wohl zum Kren reiben. Wenn dem nicht so ist, dann ist die parallele Präsentation von Material unterschiedlichen Charakters für Patienten und für Ärzte auf einer Seite schlicht Bauernfängerei.

        Hansi

        30. Dezember 2015 at 09:32

    • „Esoterikprodukte“: Ein „Chinesisches Entgiftungspflaster“ ist in meiner Apotheke sehr Kundennahe platziert. …. „Energetisierung“.

      Ohne dafür auch noch Werbung machen zu wollen:
      https://www.shop-apotheke.at/arzneimittel/A3200975/chinesisches-entgiftungspflaster.htm Auch dieses Pflaster ist sicher „zum Kren reiben“ (um mit Ihren Worten zu schreiben).

      Ich glaube, da sitzt wo einer/eine, der/die sich solche Sachen ausdenkt…😉
      (brav gegendert…)

      Christine Kainz

      30. Dezember 2015 at 23:31


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