Sprechstunde

über alles was uns krank macht

Ab in den Gesundheitspark

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KAV for sale

Wenn es nur annähernd so viele Primärversorgungszentren gäbe, wie darüber in den Medien berichtet wird, wüssten wir schon längst, wie die in der Praxis funktionieren (PHC: Für wie blöd halten uns die eigentlich? http://wp.me/p1kfuX-11t). Andererseits zeigt uns dies, wohin die Entwicklung läuft, auch wen darüber die Medien überraschend schweigen.

Den Plan der Vinzenzgruppe, einem Zusammenschluss verschiedener Ordensspitäler, auch „so was in der Art einer Primärversorgung“ vor ihre Häuser zu stellen und vorerst einmal Gesundheitsparks (!!) zu nennen (http://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20151015_OTS0150/vinzenz-gruppe-zukunftsstrategie-fuenf-wiener-fachkliniken-und-ausweitung-des-angebots-grafik-foto), ist den Medien (http://derstandard.at/2000023928314/Vinzenz-Gruppe-setzt-auf-Spezialisierung-ihrer-Krankenhaeuser ; zuletzt am 18.10. in der ZIB2) seit Tagen mehrere Beiträge wert.

 

Schon bisher hat die Gesundheitspolitik die stationäre Leistungserbringung (Geburten und Operationen am Fließband halt ohne Spezialdiagnostik und Intensivstationen, …) gerne in die „Hände der Konfessionellen“ gegeben und offenbar kein Problem darin gesehen, dass die komplizierteren und somit teureren Leistungen weiterhin in den Häusern der öffentlichen Hand erbracht werden. Schließlich hat man ja dann noch klarere Beweise, wie viel besser „die anderen“ wirtschaften.

Eine ähnliche Entwicklung scheint sich nun im extramuralen Bereich anzubahnen. Mit den „Gesundheitsparks“ erweitert man das Geschäftsmodell nun auch auf den ambulanten Bereich. Bin neugierig, wenn die dort anstellen. Praktischerweise ist man in den PHCs ja nicht an irgendwelche landes- oder bundesweit geltende Verträge gebunden und kann sich das ganz ohne die Blockierer der  Ärztekammer ausmachen.

Der freie Beruf Arzt wird so vogelfrei, nur darf bezweifelt werden, dass das unsere Medizinabsolventen im Lande halten wird.

 

Written by medicus58

18. Oktober 2015 um 20:05

2 Antworten

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  1. Ich weiss nicht ob ich als mündiger und selbstzahlender Patient vielleicht ein Exot bin und deswegen in meiner Meinung von der Masse abweiche aber ich verstehe die Opposition gegen a) Primärversorgungszentren (also Ärztegemeinschaften) und b) gegen nicht staatliche Spitäler wirklich nicht. Erstens: mal angenommen es geht hier nicht um „wir sind Österreicher und sind grundsätzlich gegen Konkurrenz und Reformen“, was hier unter dem Begriff Primärversorgungszentrum als Ausbund des Bösen bezeichnet wird ist doch in vielen Ländern gang und gäbe. Also weshalb der Widerstand b) warum die Hetze gegen die „konfessionelle“ Konkurrenz ? Gehts um die Ärzte oder um die Patienten ? Es ist doch weiss Gott nicht so, dass im staatlichen Bereich Alles Paletti wäre. Meine Freunde halten übrigens viel vom Evangelischen Krankenhaus und etwas weniger vom AKH c) bitte darüber erfreut sein, dass die Absolventen ins Ausland gehen, da können sie dann lernen dass es nicht normal ist um 12 die Spritze im staatlichen Spital hinzuwerfen um danach in der privaten Ordination richtig Kohle zu machen. Ausserdem führt es zur Verknappung, kann also nur gut für die sein, die in felix Austria bleiben. Machen Platz für die Ärzte die jetzt aus Syrien hereinströmen.

    Konrad

    18. Oktober 2015 at 21:22

    • Lieber „Konrad“!

      Prinzipiell lässt sich eine öffentliche Gesundheitsversorgung natürlich auch über PHCs verwirklichen und in vielen banalen Fällen am besten durch den aufgeklärten, mündigen Patienten, der sich im Falle kleinerer Wehwehchen selbst versorgt. Damit es funktioniert, benötigt man aber in jedem Fall dafür befähigte (bzw. ausgebildete) Protagonisten. Kaum jemand würde sich unter Mordverdacht von einem erfahrenen Patentanwalt verteidigen lassen aber keiner verschwendet einen Gedanken daran, dass ich für jede neue Idee im Gesundheitswesen einmal die entsprechenden Fachleute heranbilden muss. Der besten Intensivpflegekraft sollen Sie sicher nicht die Triage in einem Primärversorgungszentrum überlassen. Es steht Ihnen natürlich frei, jedes neue Konzept der Gesundheitspolitik zu begrüssen. Ich vergleiche aber diese Aktivitäten mit der „permanenten Reform“, der unser öffentliches Schulsystem bereits seit Jahrzehnten ausgeliefert ist und dadurch wohl kaum besser und international wettbewerbsfähiger wurde.
      Mir „Hetze“ gegen die „Konfessionellen“ vorwerfen und weiterhin zu behaupten, dass „nach 12h im öffentlichen Spital niemand arbeitet“, schrammt m.E. selbst knapp an diesem Vorwurf vorbei. Ich habe schon vor Jahren (Fordismus im Spital: Das Geld liegt auf der Strasse? http://wp.me/p1kfuX-gf) darauf hingewiesen, dass z.B. die enorme Auswertung der Anzahl an Geburten im St. Josef Spital, Wien 13 ohne gleichzeitige Investition in eine Neonatologie medizinisch m.E. fahrlässig ist. Ich kritisiere nicht die Konkurrenz, sondern das Rosinen-picken der lukrativen Leistungen durch Private, die keine Vollversorgung anbieten.
      Und zu ihrer rhetorischen Frage, ob es denn „um die Ärzte oder um die Patienten gehe“, möchte ich noch anmerken, dass es im Einzel- und Notfall natürlich um den einzelnen Patienten geht, aber bei der Kritik am System ich mir als Arzt guten Gewissens auch um uns Ärzte sorgen machen darf. Egal ob Patentantwalt oder Strafverteidiger, Sie gehen wohl kaum davon aus, dass diese Berufe Ihnen (gegen Bezahlung) mehr als ihre fachliche Kompetenz angedeihen lassen. Natürlich machen Ärzte (Pflege, MTDG, ….) auch ihren Job, um die Miete zu bezahlen, aber von Ihnen erwartet man nicht ganz zu Unrecht, dass sie mehr als nur ihre fachliche Kompetenz entgegenbringen. Das können Sie nur, wenn sie für die an sie gestellten Aufgaben (Einzelpraxen, Gruppenpraxen, PHCs, Ambulanzen, Schwerpunkt- und Zentralspitäler) ausgebildet sind und ihren Beruf zumindest mit einem Minimum an Freude ausüben können. Und letztendlich, auch wenn Sie das als „mündiger und selbstzahlender Patient“ vielleicht nicht nachvollziehen können, sollten Ärzte schwierige Entscheidungen über Ihre Gesundheit und Ihr Leben möglichst frei von kommerziellen Überlegungen treffen können. Das ist das wirkliche Argument für ein öffentliches Rechts-, Bildungs- und Gesundheitswesen. Die Konkurrenz der Gesundheitspolitiker, PHCs, Konfessionellen oder Privaten und der Syrer fürchte ich nicht, die Scheuklappigkeit angeblich Mündiger schon eher.

      medicus58

      19. Oktober 2015 at 11:58


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