Sprechstunde

über alles was uns krank macht

What a weird, weird World

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Eigentlich trägt man ja Eulenspiegel nach Athen, wenn man darüber lamentiert wie absurd denn unser aller Leben im optimierten, globalisierten Wettbewerb geworden ist.
Aber würde ich alle meine Beobachtungen für mich behalten, bliebe diese Spalte meines Blogs ja gänzlich leer.

Wer heute mit dem Flugzeug zu verreisen hat, der muss sich nicht mehr mindestens zweimal in sein Reisebüro bemühen, um zuerst seinen Flug zu buchen und später seine Tickets abholen, der kauft sich heute sein E-Ticket ganz bequem im Internet.
Das maximiert unsere Zeiteffizienz ganz enorm und erlaubt uns noch häufiger (mit Hilfe zertifizierter Carrier) in die Luft zu gehen…..
Dass der Passagier dann oft endlos, meist rund um Mitternacht, damit beschäftigt ist seine Bordkarten auszudrucken, weil leider die Buchungsnummer des Internet-Portals eine andere ist, als die Luftlinie erwartet und
dass der IBAN gegen die Zeichenfolge eines E-Tickets noch eine im Vollrausch zu bewältigende Denksportaufgabe darstellt,
zählt halt zu den Kollateralschäden unserer digitalen Bequemlichkeit.

Auch dass der Patriot früher seine Buchung nur bei seiner nationalen Airline machte und ohne sich über mangelnde Alternativen aufregen zu können, soll heute der Vergessenheit anheim fallen.

Worüber ich mich jetzt aber wortreich echauffieren zu gedenke ist etwas ganz anderes:
Nach einigem Gegoogle, Getipse und Meta-Gesearche empfahl mir das WWW ein innereuropäisches Hin-und Rückflug-Ticket bei einem der sogenannten Billigflieger und ich schlug zu. 99€ durch halb Mitteleuropa war ein guter Deal und weder Hin- noch Rückflugzeiten aggravierten die stets angespannte Schlafbilanz.
Einziger Wermutstropfen war, dass mich mein Ticket nur berechtigte, mich und etwas flüssigkeitsbefreites Handgepäck auf die Reise mitzunehmen; was zum Zeitpunkt der Buchung, am vorläufigen Höhepunkt der Klimaerwärmung, kein besonderer Nachteil schien, aber sich bei den augenblicklichen Temperaturen trotz der kurzen Kongressdauer als etwas problematisch herausstellte.

Ehe sich mich als Pfennigfuchser beschuldigten, lesen Sie noch weiter.

Ich besuchte die Homepage der Airline und buchte noch ein Ticket für meinen Koffer und habe nun für 38€ zusätzliche 21 kg Freigepäck für den einen oder anderen Pullover, der kaum mehr in mein Handgepäck gepasst hätte und muss beim Security Check nicht darüber diskutieren wie viel ml Rasierwasser ich plane an Bord zu nehmen um damit die Stewardess und anschließend den Co-Piloten außer Gefecht zusetzten, um ihn davon abzuhalten absichtlich in das nächste Mittelgebirge zu krachen.

Nun befallen mich aber die Zweifel an der Rationalität unsere Welt, was zu den ersten Zeilen dieses Beitrags führte.
Ich möchte hier nicht meinen eigenen Body mass index zur Diskussion stellen, aber wenn wir annehmen, dass der typische österreichische Fluggast nur irgendwas um die 80 kg in seinen Flugsessel hievt, zahlt er 1,2 € /kg für seinen Transport.
Sein randvoller Samsonite zahlt aber 1,8€ /kg um dieselben Reise zu machen.
Letztendlich heisst das, der Koffer zahlt gewichtskorrigiert um 0,6 € oder 50% mehr als sein Besitzer, obwohl er nicht einmal die Stewardess mit einem Wunsch nach einer Tasse Kaffee und einem trockenen Keks quälen kann und auch wenig Wert auf eine Klimaanlage, ein Bordmagazin, geschweige denn eine Schwimmweste legt.

Ehe ich mich nun darüber verbreite, ob ich meine künftigen Reisen nicht kostengünstiger in Begleitung einer mit meinem Reisegepäck ausgestopften Partypuppe antreten sollte, deren Restvolumen ich an meine Mitflieger vermiete, beschließe ich diesen Beitrag.

Lassen Sie mich aber noch meine tiefsten Zweifel darüber festhalten, ob die unsichtbare Hand des freien Marktes wirklich unsere beste Antwort für eine rationale Preisbildung in einer globalisierten, kapitalistischen Welt sein kann.

Written by medicus58

12. Oktober 2015 um 18:04

3 Antworten

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  1. LOL – Da kann man nur Michael Niavarani dazu sagen lassen: https://www.youtube.com/watch?v=bAYVbNxSJLk 😉

    Christine Kainz

    12. Oktober 2015 at 22:10

  2. PS: Übrigens, ein sehr gutes Foto!

    Christine Kainz

    12. Oktober 2015 at 22:11

    • Danke, aber einfach ein unbearbeiteter Schnellschuss mit dem Handy.

      medicus58

      13. Oktober 2015 at 00:02


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