Sprechstunde

über alles was uns krank macht

Nehmt den Patienten nicht die Ärzte weg!

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Arztweg

Salzburg hat schon vor einiger Zeit gewählt, so dass die Salzburger langsam sogar in der Kronen Zeitung (die hat sich die knackige Headline einfallen lassen) lesen können, wie die österreichische Gesundheitspolitik, unabhängig der jeweils rudernden Parteifarbe, das öffentliche Gesundheitssystem ungesund-schrumpft.
http://www.krone.at/Salzburg/Nehmt_den_Patienten_nicht_die_Aerzte_weg!-Landtag_beraet-Story-475622

Trocken wird in diesem Artikel aufgelistet,

  • dass es in Salzburg ab 2016 keinen ärztlichen Bereitschaftsdienst nach 23 Uhr mehr geben wird,
  • die Krankenkasse die freiberufliche Radiologie im Pinzgau einsparen möchte und sie ins Krankenhaus zu verlegen beabsichtigt
  • und die Bevölkerung und die 30.000 Urlauber im Pinzgau nur noch ein Notarzt in Zell zuständig sein wird und man z.B. in Mittersill Notfälle tunlichst vor 19 Uhr haben sollte.

Dass das Wiener Spitalskonzept 2030 als „Orgie“ der Spitals- und Abteilungsschließungen
(Augen, HNO, Uro, Nuk, Derma, …) entpuppte und

die im Wiener Gemeinderat sowie medial abgefeierte Dienst- und Besoldungsreform 2015
(30%- mehr Gehalt für weniger Arbeit !!!) nur zu temporären Abteilungsschließungen, unbesetzten Diensträdern und dadurch zu einer nicht zu bewältigenden Arbeitsverdichtung der Diensthabenden führt, wo noch weniger Zeit für Reflexion, Nachlesen, Ausbildung und – ach ja, daran haben wir ohnehin schon längst nicht mehr gedacht – menschlicher Interaktion mit Patienten und Kollegenschaft bleibt,

sprach keiner der wuchtelschleudernden Spitzenkandidaten in der TV Diskussion vor der Wienwahl an

und wenn die Gratispresse noch im Vorfeld der ersten gemeinsamen (!!!)  Demonstration von Pflege und Ärzten von lahmgelegtem Ring warnt (http://www.heute.at/news/oesterreich/wien/art23652,1218555)
kamen leider weniger als die prophezeiten 500 Demonstranten.

Das heißt, abgesehen von einzelnen Querulanten (wie Medicus58) scheint der Leidensdruck aller Beteiligten, der Patienten, der Ärzte, der Pflege nicht so groß und die Reformen (reduzierte Versorgungsstrukturen, PHCs, automatisierte Telefonauskünfte, …) können weiter gehen.

Auch wenn das alles an das bekannte Experiment mit dem Frosch erinnert der, angeblich ob seiner langsamen Nervenleitung, durch sehr langsames Erhitzen seines Wasserbades in völliger Zufriedenheit gekocht werden kann, führt uns dieser Vergleich nicht weiter. Schließlich erklärt uns der Tierexperte, dass das zumindest bei Fröschen nicht funktioniert:
Da ist die Menschheit wesentlich dusseliger als so ein Frosch; der weiß nämlich, was gut für ihn ist – und was nicht. (http://www.n-tv.de/wissen/frageantwort/Haelt-ein-Frosch-beim-Erhitzen-still-article445899.html)

Somit wird der sehr kluge Spruch von Pflege und Ärzteschaft bei der CARE Revolution & Asklepios Demo vom 5.10.2015

Mehr von UNS ist gut für EUCH 

effektlos verhallen,

….. noch.

Written by medicus58

7. Oktober 2015 um 07:36

3 Antworten

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  1. Ja aber … da ist doch jetzt eine Bemerkung angebracht.
    Und zwar zur Behauptung: „… scheint der Leidensdruck … der Patienten … nicht so groß …“
    Was dich zu dieser Bemerkung führt, diesen Gedankengang, den würd ich gerne kennen lernen.

    Meiner Erfahrung nach sind engagierte, patientennahe Ärzte im Spitalsbereich eine kleine Minderheit, zerrieben zwischen Mitgefühl, persönlichen Engagement und den frustrierenden Rahmenbedingungen des Systems und der Kollegenschaft.
    Der Leidensdruck der Patienten steigt überproportional wie die Frustration der Ärzte, ganz einfach weil sie weder Perspektive noch Alternative haben. Natürlich kann man versuchen, gemeinsam trotzdem noch ein Optimum zu finden – wir werden in einem Fall (=Selbsthilfegruppe und Lungenabteilung) schon mehr als 10 (in einem Wort: zehn) Monate wegen eines Gespächstermins vertröstet.

    Wenn ich eine Demo als Ärztedemo ankündige und die Teilnehmer in Dienstkleidung und mit Horchgerät unterwegs sind, brauch ich mich nicht wundern, dass sich keine Patienten dazugesellt haben.
    Andererseits bitten Patientendemos wie z.B. der Marsch zum Rare Disease Day Ende Februar um möglichst breite Teilnahme, ganz ausdrücklich auch aus dem medizinischen Bereich – und wir würden uns freuen, dich und möglichst viele deiner Kollegen und Freunde dort zu treffen.
    Selbiges gilt entsprechend auch für die Gesundheitstage im Skydom und im Rathaus (20.+22.11.): die (wozu ??) ausstellenden Selbsthilfegruppen würden sich über medizinischen Zuspruch zuerst ungläubig wundern und dann in freudiges Gejaule ausbrechen.

    Soviel zu meinem erfahrenen Verhältnis zwischen Patient und Arzt.
    Wenn du dir deinen Blog anschaust, findest du dort deinen Blickwinkel, bei dem „Patient“ eigentlich auch eher ein Fremdwort ist.
    Erreichen – egal ob gesundheitliches oder als sozialpolitisches Ziel – erreichen können wir etwas nur gemeinsam. Und gerade deshalb frustriert mich meine Erfahrung so.

    Damit wir uns richtig verstehen: ich finden deinen Blog super – weil du permanentes geschichtliches Wissen aus einer Ecke zusammenstellst, die auch für mein Leben von großem Interesse ist.
    Aber ich träume auch davon, dass du öfter Patientenbelange aus deiner Perspektive beschreibst.

    Seltene siechen einsam.
    Hansi

    Hansi

    7. Oktober 2015 at 22:32

    • Danke für den ausführlichen Kommentar und ein paar kurze Erklärungen:
      Ja, ich sehe vieles primär aus dernPerspektive eines Arztes, einfach weil ich diesen Beruf schon so lange ausübe.
      Dass der Leidensdruck der Patienten noch nicht groß genug ist, leite ich daraus ab, dass die Gesunheitspolitiker noch immer mit ihren Märchen durchkommen, ohne darauf angesprochen zu werden.
      Ich glaube wirklich, dass es zuerst zu einem Schulterschluss zwischen Ärzten, Pflege und MTDGs kommen muss, damit das seit Jahrzehnten von den jeweiligen Vertretungen (ÄK, Pflege- und anderen Berufsgruppenvertretungen) betrieben ausspielen, das die Politik auch geschickt gefördert und ausgenutzt hat, beendet wird. Dass Patienten naturgemäß die Leidtragenden eines schlechten Gesundheitssystems sind ist mir klar, aber die Mehrheit der Menschen sind (hoffentlich) gerade nicht als Patient im System und die versuche ich für das Problem zu sensibilisieren.

      medicus58

      7. Oktober 2015 at 22:54

  2. Ein Seitenblick nach Graz: Fachärzte betreuen in Pflegeheimen http://steiermark.orf.at/news/stories/2735916/

    Christine Kainz

    9. Oktober 2015 at 08:54


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