Sprechstunde

über alles was uns krank macht

Wien 2015: Wählen wir eigentlich Wehsely?

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Wes
Kann sein, dass das lauter werdende Knistern im Zeitungswald Zufall ist, aber bemerkenswert ist es schon:

Am 27.August schrieb der Standard die Wiener SPÖ Stadträtin Wehsely ansatzlos zur roten Nachwuchs-(!)hoffnung  hoch (http://derstandard.at/2000020734637/Sonja-Wehsely-Die-mit-den-Aerzten-kaempft):
Sonja Wehsely, 45, seit ihrem 14. Lebensjahr politischer Vollprofi, legt diesen rhetorischen Köder natürlich bewusst aus. Die Wiener „amtsführende Stadträtin für Gesundheit und Soziales“ ist keine schlechte Rednerin.

Und zitiert auch völlig unkritisch die Behauptung der Patientenanwältin Pilz (Sigrid Pilz: Von Traumjobs kann man nie genug kriegen http://wp.me/p1kfuX-wh) mit den anerkennenden Worten, dass Wehselyden KAV gut im Griff“ hätte,
was Insider – und nicht nur die bösen Ärzte – augenblicklich doch etwas differenzierter sehen würden (5. September – CARE Revolution Wien ruft zur Demonstration auf http://wp.me/p1kfuX-11G).

In der aktuellen Ausgabe des Falters (S. 14 39/15), schiebt Barbara Toth einen weiteren Jubelartikel nach und betitelt die 45-jährige Nachwuchshoffnung gleich einmal als Frau Bürgermeister?

Beide Artikel erwähnen eher überraschend die jüdischen Wurzeln der Großeltern väterlicherseits und deren Flucht Ende der 30-Jahre, ein Faktum, das die in Eigen-PR (https://www.sonja-wehsely.at/) nicht gerade untätigen Politikerin bislang noch nicht breitgetreten hat.
Beide Artikel loben Ihr Spitals- und Pflegekonzept 2030 und bejubeln, dass sie es gegen alle Warnungen (gegen die Ärzte) durchboxte, als wäre Beratungsresistenz ein anbetungswürdiges Charakteristikum eines Politikers.

Halten Sie mich für einen unverbesserlichen Paranoiker, aber zwei über weite Strecken inhaltsidente Politikerporträts knapp vor einer Wahl entstehen kaum spontan.

Dass Bürgermeister Häupl sein Versprechen wahr machen wird auch nach der Wahl im Amt zu bleiben, nehmen ihm die Wähler ohnehin nicht mehr ab (http://www.vienna.at/bleibt-haeupl-buergermeister/4458172), so dass die Suche nach einem Konkursverwalter des kommenden Wahlergebnisses nicht sehr verwundert. Bizarr ist aber allemal, dass auch Andreas Schieder, Wehselys Lebensgefährte (Meet SPÖs First Couple http://wp.me/p1kfuX-Jl) an anderen Bassenas und Waschtrögen als kommender Bürgermeister gehandelt wird und dies ein eigenartiges Licht auf den Genpool der Wiener SPÖ wirft, aber egal.

Erschreckend ist meines Erachtens jedoch, wie zwei der noch etwas qualitativeren Medien des Landes eine Erfolgsbilanz herbeijubeln, die für mich nur sehr schwer nachvollziehbar ist:

Wehsely war (gemeinsam mit dem OÖ LH Pühringer) sicher für große Teile der letzten österreichweiten Gesundheitsreform verantwortlich.

Die als Erfolg zu bezeichnen erscheint mir kühn. Bislang ist das alles ein überbürokratisierter Papiertiger ohne konkrete Verbesserungen in der täglichen Praxis.
Die Operette mit den Primärversorgungszentren, die nicht einmal über das Pilotstadium hinausgekommen sind, aber sofort gesetzlich verankert werden sollen (PHC: Für wie blöd halten uns die eigentlich? http://wp.me/p1kfuX-11t) ist da nur ein Mosaiksteinchen.
Potemkinsche Spitäler (http://wp.me/p1kfuX-n8),
eingeschränkte fachärztliche Versorgung, reduzierte, dislozierte Organisationsformen,  (Alter Wein in Englischen Schläuchen: AGB der Gesundheitsreform müssen her http://wp.me/p1kfuX-D7) entpuppen sich als
Downsizing der medizinischen Qualität und Rationierung.

und das Presseecho ist auch nicht gerade euphorisch:

Übervolle Ambulanzen, „Mystery Shopping“, teure Kuren. Der KURIER beantwortet die drängendsten Fragen.
http://kurier.at/politik/inland/gesundheitsreform-das-sind-die-baustellen-im-gesundheitswesen/147.006.271
Mit Trippelschritten zur Gesundheitsreform
http://derstandard.at/2000020820383/Mit-Trippelschritten-zur-Gesundheitsreform
Doch auch als Wiener Gesundheitsstadrätin hat die Nachwuchshoffnung gezeigt, wohin mit ihr der Hase in den Pfeffer läuft:

Was im Spitalskonzept 2030 als Zentrumsbildung verkauft wurde, stellt sich als reines Runterfahren und Aushöhlen heraus:
Dass die alten, kleineren Spitäler wie das Kaiserin Elisabeth Spital geschlossen wurden hätte zumindest wirtschaftlich gewissen Sinn gemacht, hätte man nicht kurz vorher noch Millionen in deren Renovierung (z.B. in moderne Operationssääle) gepulvert,
aber das Spitalskonzept 2030 und die „wehsentliche“ Wandlungen seiner Produktdeklaration ( http://wp.me/p1kfuX-K9 ) begnügte sich nicht damit, neben dem AKH 6 Schwerpunktspitäler (Wilhelminen, KFJ, Hietzing, KFJ, SMZO) zu belassen, die jedes für sich die wesentlichen medizinischen Leistungen anbieten kann, sondern die Wiener Spitalslandschaft wird auf 3 Schwerpunktkrankenhäuser eingedampft, wo nur mehr ein Spitalspärchen (WIL/Hietzing, KFJ/RUD, SMZO/Nord) gemeinsam die Kriterien eines Schwerpunktspitals erfüllt, da in allen Spitälern Abteilungen ersatzlos geschlossen werden.
Wenn der Unfallchirurg vielleicht einen operativ versierten Augenarzt benötigt, egal.
Dermatologie? Genügt eine für ganz Wien.
Schilddrüsenuntersuchungen? Stellen Sie sich auf einige Monate Wartezeit ein.
Urologie
, vielleicht noch zwei?
Doppelprimariate wie die HNO mit nur einem Zweck, nämlich die eine Abteilung zu schließen.
Drei Onkologien für ganz Wien, recht auch.
Wozu braucht eine Kardiologie einen Herzkatheter?
Das Nord ist noch nicht eröffnet, aber man weiß schon, dass man nach ein paar Jahren die frisch eingezogenen Abteilungen wieder absiedeln wird!
Abteilungen werden kreuz und quer verschoben, die Projektpapiere des letzten Monats sind heute bestenfalls als Lachnummer geeignet, so überhaupt noch irgendwas schriftlich zu Gesicht bekommt.

Natürlich hat man davon bei der Präsentation des 2030-er Konzeptes von der Stadträtin nichts gehört. Ich befürchte, dass sie es zu dem damaligen Zeitpunkt nicht einmal selbst gewusst hat, vermutlich hat es sie auch nicht interessiert.

Und natürlich braucht der Norden Wiens ein Schwerpunktspital, aber die bisherige Baugeschichte des KH Nord als Erfolgsgeschichte zu verkaufen, fällt auch der Rathaus-PR-Maschine schwer (Nordlichter, weshalb der Stadt für Ärzte und Pflege kein Geld mehr bleibt http://wp.me/p1kfuX-X3).

Aber natürlich hat das Stadträtin Wehsely nicht allein geschafft. Seit Jahren umgibt sie sich mit unzähligen Beratern, die das öffentliche Krankenhaussystem sturmreif reformieren:

Dr. Ebner – Die „objektive“ Krake im Gesundheitssystem http://wp.me/p1kfuX-xw
Nach dem Köck auch den Bock zum Gärtner ... http://wp.me/p1kfuX-cy
Wer macht da den Köck zum Gärtner? http://wp.me/p1kfuX-cs
Was der KAV vom Billa lernen kann oder Je suis IFES http://wp.me/p1kfuX-10X

Wird der KAV privatisiert? Ein Indizienprozess bei dem wir baden gehen. http://wp.me/p1kfuX-Y2

Wohin der politische Auf- oder Gegenwind Sonja Wehsely auch hinwehen wird, im Gesundheitssystem hat sie gezeigt, worauf es ihr ankommt. Wenn alle politischen Stricke reißen, wird sich schon irgendjemand dankbar erweisen, für die eröffneteten Geschäftsfelder.
Beängstigend, wenn das Standard und Falter dem Wähler vernebeln.

I had a Dream: KAV for Sale http://wp.me/p1kfuX-L1

Written by medicus58

23. September 2015 um 18:03

3 Antworten

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  1. Bitte wer ist WEHSELY ??? 😉
    Ja, in Tagen wie diesen, wird allerorts sehr viel gejubelt. Von den Jubelpreisen in Supermärkten und Möbelhäusern, bis hinauf in die hohe Politik. Lesen wir uns doch wieder einmal in die Redekunst ein, die freilich nicht jedem gegeben (was auch kein Schaden ist). https://de.wikipedia.org/wiki/Rhetorik

    Der einzige EHRLICHE Jubel, ist der über das 5:1 im Fußballsport. Der Pole Robert Lewandowski schoss „5 Tore in 9 Minuten“. Das ist Fußballkunst! Ich bin kein Fan, aber ich schaue gerne, wie Tore geschossen werden. Wahrscheinlich ein Überbleibsel meiner pubertären Zeit, in der mich ein ebenso pubertärer, nach Innsbruck zu einem Match mitschleifte. Wahrscheinlich ein Beherrscher der nötigen Rhetorik😉 Ob der Politiker geworden ist??

    Christine Kainz

    23. September 2015 at 19:38


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