Sprechstunde

über alles was uns krank macht

Was der KAV vom Billa lernen kann oder Je suis IFES

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Piss in a cup

Nein,

damit will ich nicht ansprechen, dass die Stadt Wien die stationäre Gesundheitsversorgung immer billiger gibt
(der Name BILLA leitet sich bekanntlich von Billiger Laden ab).
Ich wollte mit der Überschrift einfach zum Ausdruck bringen, dass es die genannte Kette, wie bereits nahezu alle Einzelhändler begriffen haben,
dass sie sich am besten direkt bei denen informieren, deren Meinung man eigentlich wissen möchte.

Das (Kauf-)Verhalten ihrer Kunden über Kunden- bzw. Bankomatkarte zu personalisieren, ist den Firmen seit Jahren Rabatte in oft zweistelligen Prozentsätzen wert.

Klar,

könnte man auch ein Meinungsforschungsinstitut beauftragen um herauszufinden, ob Fräulein Müller in Bobo-Town lieber zum Smoothie oder zum dreifach linksdrehenden Bio-Joghurt greift, um dieses in genügender Stückzahl ins Regal wuchten zu können, aber via direkter Kundenbefragung mittels elektronischer Identifikation, geht das besser und erlaubt es sogar trotz inhärentem Gewinnstreben den Testpersonen regelmäßig Rabattmarkerln, Naturalrabatte (2 zum Preis von einem für Clubmitglieder) oder überhaupt ein paar Euro bar auf die Kralle zu legen.

Wir lernen daher, wenn man etwas in Erfahrung bringen möchte, frägt man am besten die Betroffenen und nicht ein Meinungsforschungsinstitut.

Wenn nun eine Gesundheitsstadträtin, die anscheinend von ihrer eigenen Propaganda benebelt nicht verstehen kann,
weshalb ihren Reform-, Dienstzeit- und Besoldungspaketen aus den Reihen der Ärzte geschlossene Ablehnung entgegengebracht wird,
sucht die Schuld in einzelnen Kammervertreter, inneren Konflikten der Ärzteschaft oder erklärt sich die Welt schlicht und einfach durch
die Reformverweigerung der „sich im Nachtdienst für ihre Privatordinationen ausschlafenden Oberärzte„.

Als selbst nach Aussendung einer Hochglanzbroschüre zur Besoldungsreform,
in der zuerst den meuternden Ärzten Monatsgehälter von 10 Millionen € pro Monat versprochen
und in der korrigierten 2.Auflage noch immer (auf Basis völlig irrealer Überstundenleistungenvon Bruttomonatsgehältern bis zu 10.000€ die Rede war (http://wp.me/p1kfuX-Yn),
nicht flächendeckend die Seligsprechung der Dienstgeberin gefordert wurde,
wollte es die Stadt Wien offensichtlich wirklich wissen und
beauftragte das Meinungsforschungsinstitut IFES ( Instituts für Empirische Sozialforschung) mit einer Telefonbefragung von KAV Ärzten.

Wir wollen gar nicht auf das befremdliche Verhalten der Dienstgeberin zu sprechen kommen, dass diese die privaten Telefonnummern ihrer Mitarbeiter an IFES übergeben hat, sondern nur anmerken, dass im Rahmen dieser strukturierten Interviews letztlich all das ab- bzw. hinterfragt wurde, was die Stadträtin den Medien schon längst als Fakten präsentiert hat:

Wie wirkt sich die Reform für Sie finanziell aus?
Komisch, seit Jahresbeginn trommelte die Stadträtin, dass die Ärzte 30% mehr verdienen werden, weshalb also die Frage?

Hat sich die Lebensqualität und Bindung an den KAV durch die neuen Regeln verbessert?
Natürlich nicht, sonst wäre die Aufregung der Ärzteschaft doch nicht so flächendeckend …

Wie haben Sie bei der Streikabstimmung abgestimmt?
Bei sehr hoher Wahlbeteiligung, trotz z.T. falscher Listen waren 93,5 Prozent der Ärzte sind zum Streik bereit.

Selbstverständlich stehen die Ergebnisse dieser Telefonbefragung bis heute unter Verschluss, aber angeblich war das Bild für den Auftraggeber noch nicht so klar und mitten in der Urlaubszeit hat das IFES einen Nachfolgeauftrag bekommen:

In den letzten Wochen wurden angeblich randomisiert KAV Ärzte zu getrennten Gesprächsworkshops (Turnusärzte, Fachärzte, Abteilungsleiter) eingeladen, wo erneut all die Fragen, die Stadträtin Wehsely schon längst den Medien gegenüber beantwortet hat, gestellt wurden.
Allein die auftretenden Rekrutierungsprobleme (die Runden waren viel kleiner als geplant) beantworten ja schon die Frage nach der Stimmung unter den über 3000 KAV Ärzten. Trotz Telefonaten, Mails und Rückrufen und Aufwandsentschädigung, schien es unmöglich die ca. 50 Leute für die Workshops zusammen zu kriegen.

In diesen Tagen hat die PRESSE darauf hingewiesen, wie viel Geld der KAV für externe Berater hinauswirft (2015: 4.305.453,96 Euro http://diepresse.com/home/panorama/wien/4788981/Wien_Teure-Beratung-fur-Spitalsbetreiber).
Aufmerksame Leser dieses Blogs hat das nicht überrascht, weil hier schon 2014 die Kritik des Stadtrechnungshofes zitiert wurde
(Beratungsleistungen im KAV: Ein Millionengeschäft http://wp.me/p1kfuX-P9), der darstellte, dass der
KAV zwischen 2009 und 2012 unter diesem Titel 30 Millionen Euro ausgegeben hat;
Dass das Peanuts im Vergleich zu den PR-Ausgaben der Stadt Wien insgesamt sind (Als gäb’s kein Morgen und wär das Gestern nie passiert: Inserate eines Wr. Wohnbaustadtrats http://wp.me/p1kfuX-lC), ist klar, macht die Sache nicht weniger ärgerlich, wenn andererseits für dringliche Reinvestitionen kein Geld da ist.

Vermutlich wird auch das Ergebnis dieses IFES Auftrages uns nie im Original zugänglich gemacht werden, jedoch hätte ein kurzes Überfliegen der internen Mail-Kommunikation der KAV Ärzte (Mail-Salat: Man muss den Mut Wiens bewundern angesichts des Unmuts im KAV http://wp.me/p1kfuX-Tk) jeder der in den Workshops gestellten Fragen sehr einfach beantworten lassen …

Sollte es der Stadtregierung nur darum gegangen sein, ein Feigenblatt vor die eigenen Defizite zu bestellen, dann hätte man das Geld für das IFES lieber auch einer kreativen Werbeagentur überweisen können, die dann farbgesättigte Scheinwelten unter die Wähler bringt, so wie bei der Mahü, der Seestadt, …etc.

Sollte es aber doch darum gegangen sein, unter Umgehung der üblichen Einflüsterer die wirklichen Ansichten des eigenen Personals in Erfahrung zu bringen, dann hätte es eine billiger Methode gegeben.
Eine Methode, zu der jede Führungsperson ohne Millionenbudgets für externe Berater alltäglich greift:

Man befrage seine Mitarbeiter direkt und (je nach Kontrollspanne) glaubt den Informationen der Führungspersonen im Kerngeschäft und rationalisiert diese nicht einfach als scheinbare Blockierer weg.

Master-Betriebsorganisation im KAV: Da fährt die Eisenbahn drüber http://wp.me/p1kfuX-NS 
Weg mit den Primarii!
http://wp.me/p1kfuX-HX
Aufstand der Primarärzte: einfach wegadministriert http://wp.me/p1kfuX-U2

Wer aber einen Konzern wie den KAV wahlweise mit gewerkschaftsstämmigen Parteifreunden oder abgehoben Schreibtisch-Nerds führen lässt, benötigt für diese Erkenntnis vermutlich auch wieder einen externen Berater.

Written by medicus58

7. August 2015 um 17:51

Veröffentlicht in Allgemein, Gesundheitssystem

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