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Hiroschima: hier und jetzt

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Hiroschima-2
Heute jährt sich der Abwurf der Atombombe auf Hiroschima zum 70. Mal und in Japan gedenken die Menschen der Opfer.
http://derstandard.at/2000020285375/Japan-gedenkt-den-Opfern-der-Atombombe-in-Hiroshima

Während hinsichtlich der Opferzahlen des akuten Ereignisses, die Angaben schwanken, wissen wir durch die Life-Span-Study heute relativ gut über das weitere Schicksal von etwa 120.000 Personen (exaktes Zahlenmaterial existiert von ca. 80.000) der Überlebenden, die sich zum Zeitpunkt der Detonation innerhalb 10 km vom Hypozentrum der beiden Abwürfe in Hiroschima und Nagasaki aufgehalten haben.

Bei den strahleninduzierten Malignomen stand innerhalb der ersten 10 Jahre der Blutkrebs (Leukämie) im Vordergrund, danach starben mehr Menschen an sogenannten soliden Malignomen (Magen-, Lungen-, Brust-,Colorectal-, Leberkrebs), wobei es pathophysiologisch bemerkenswert ist, dass in dieser Gruppe auch noch später ein erhöhtes Leukämierisko nachweisbar war. Das ist u.a. auch der Hintergrund für die aktuellen Risikokonzepte, die für die Exposition gegenüber ionisierender Strahlung ein kumulatives Risiko annehmen, unabhängig davon, wann es zu dieser Exposition kam.

Bemerkenswert ist aber auch, dass in unzähligen Gesprächen, die ich mit Studenten aber auch völlig Fachfremden führte, der Prozentsatz der später an Krebs erkrankten Betroffenen stark überschätzt wurde und die „Spontanrate“ maligner Erkrankungen in der entwickelten Welt (ca. 20-30%) stark unterschätzt wird:

Zum Beispiel sind in der Subgruppe derjenigen 21.343 Probanden, die sich in einem Umkreis zwischen 2,0-2,5 km vom Hypozentrum der Bomben aufgehalten haben, zwischen 1950 und 1990 zusätzlich zum Erwartungswert 39 (4%) an Leukämie und 1781 (0,5%) an soliden Malignomen verstorben.
Natürlich ist das nicht nichts und diese Krankheiten wären ohne die Strahlenexposition nicht aufgetreten. In den angesprochenen Gesprächen lagen aber die Schätzungen an „Krebstoten“ stets zwischen 75% und 100%.
http://www.stat.ucla.edu/~dinov/courses_students.dir/data.dir/AtomicBombSurvivorsData.htm
http://www.rerf.jp/library/archives_e/lsstitle.html

Weiters ist bemerkenswert, dass ich bei meinen Besuchen Ende der 90er jahre in den ansonsten sehr gut gemachten Museen von Hiroschima und Nagasaki keine Erwähnung fand, dass der Bombenabwurf (obwohl er aus heutiger Sicht für die USA mehr Experiment denn kriegsentscheidende Notwendigkeit war) eine militärische Reaktion auf einen Angriffskrieg des Dritten Reiches und Japan war.

Das Bild zu Beginn des Beitrags zeigt den jugendlichen Sumiteru Taniguchi (https://en.wikipedia.org/wiki/Sumiteru_Taniguchi), einer der Überlebenden des Abwurfs von Nagasaki und späteren Aktivisten gegen A-Waffen.

Das letzte Bild dieses zeigt ihn als Erwachsener, um auch das Bild eines „Überlebenden„, jenseits aller Statistik etwas nachvollziehbarer zu machen:

Hiroschima

PS: Die beiden Bilder stammen aus meinen Vorlesungsunterlagen, leider kann ich nicht mehr eruieren, woher ich sie haben und deshalb auch kein richtiges Copyright angeben.

Written by medicus58

6. August 2015 um 07:31

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