Sprechstunde

über alles was uns krank macht

So verlor die Ärztekammer jede Glaubwürdigkeit vor den Patienten und vermutlich auch vor den Ärzten

with 2 comments


Vor wenigen Tagen erklärte Stadträtin Wehsely erneut, dass die Ärztekammer KEIN Verhandlungspartner mehr ist, und sie sie nicht am verhandlungstisch benötige, da die Gewerkschaft der Gemeindebediensteten ohnehin von Anfang bis zur rechtzeitigen Verlängerung der Betriebsvereinbarung alles freudig abgenickte, was vom Rathaus gewünscht wurde.

Kurz vor der Abstimmung über die Streikbereitschaft, zu der sich über 90% der Ärzte vor wenigen Tagen bekannt haben, erhört Wehsely aber überraschend die Eigeninitiative von drei Kammerfunktionären (Wahlgemeinschaft: Felke; Frohner Facharzt- und Turnusliste WSP; Hofmann Vereinigung) und legt kurz mit Sitzungsbeginn einen neuen Vorschlag vor, der (vorbehaltlich der Teile, in denen die Stadt Wien ihrer eigenen Dienstordnung widerspricht) „mit großer Mehrheit“ angenommen wird.
http://derstandard.at/2000018371401/Spitalsaerzte-Wehsely-sieht-Last-Minute-Einigung-Szekeres-Wollen-nicht-streiken

Damit akzeptiert die Standesvertretung aber

ein „Stillhalten zu Gehaltsfragen bis 2017“ (obwohl z.B. Teile des Pakets wie das Paket für Primarärzte noch gar nicht vorliegen),
den „Verzicht auf weitere Urabstimmungen zum vorliegenden Verhandlungspaket“ sowie
die „Einstellung sämtlicher Kampagnen zu einzelnen Punkten der Vereinbarung“.

http://diepresse.com/home/politik/innenpolitik/4767192/Aerztekammer-nimmt-ArbeitszeitAngebot-mit-Vorbehalt-an

Dass das offenbar ein abgekartetes Spiel war, wird allein schon dadurch deutlich, dass noch vor Sitzungsbeginn sich Stadträtin Wehsely von den Grünen (!) im Gemeinderat zum Stand der Verhandlungen befragen ließ, damit sie die freudige Botschaft einer Einigung verkünden konnte und der Wien heute Beitrag pünktlich um 19:00 fertig war: http://tvthek.orf.at/program/Wien-heute/70018/Wien-heute/10107951/Kein-Streik-keine-Entscheidung/10110888

Der Bericht benennt auch ganz klar, dass sich das Rathaus mit dem Plan Nachtdiensträder zu streichen bereits durchgesetzt hat:
Über hundert Nachtdiensträder wurden gestrichen.

Wie man auch immer zu den finanziellen Teilen des Paktes steht, hat die Ärztekammer in den letzten Monaten sehr viel Geld (ihrer Zwangsmitglieder) ausgegeben, um auf die für Ärzte und Patienten unerträglichen Zustände in den Wiener Gemeindespitälern hinzuweisen:

Da Sie diese Seiten bald nicht mehr sehen werden, gibt’s hier noch die Screenshots

Streik

http://gemeindespitaelerstreik2015.at/

AKHStreik

http://akhstreik2015.at/

schuetzen wir

http://schuetzenwirunserespitaeler.at/

Notstandspital

http://notstandspital.at/

Wenn diese „Kampagnen“ nun sang- und klanglos geschlossen werden müssen, ohne dass sich durch den Besoldungspakt an den Gangbetten, Ambulanzwartezeiten, … etc. , die die Patienten (völlig zu Recht) ärgerten, etwas strukturell geändert hat, könnten sich die Patienten etwas missbraucht vorkommen, so wie diejenigen, die 11719, die auf Gesundheit Ist Mehr Wert (https://gesundheitistmehrwert.at/) protestierten.

gesundheitwert

Wenn nun die Wiener Ärztekammer innerhalb weniger Tage sowohl mit den Krankenkassen als auch mit dem Rathaus ihren Frieden gefunden hat und sich brav einen Maulkorb umhängt, der ihre standespolitischen Möglichkeiten bis 2017 deutlich einschränkt, dann könnten sich auch einige Ärzte verschaukelt vorkommen und bis 2017 keine Kammerbeiträge mehr einzahlen wollen.

Wer jedenfalls verdient hat waren diejenigen, die in den letzten Wochen all die schönen bunten Internetauftritte gebastelt haben, aber auch für die kommt noch das dicke Ende.
Nochmals werden sie wohl kaum zum Zug kommen, denn
nach dieser Vollbremsung mit Salto rückwärts braucht die Ärztekammer in Zukunft wohl kaum mehr im Internet um Unterstützung bei unseren Patienten werben, das nehmen ihr die Patienten kaum ein zweites mal ab.

Nachtrag 3.7.2015: 
Wie vorhergesagt schauen folgende Sites schon heute so aus:
http://gemeindespitaelerstreik2015.at/

gemstreik

 

http://schuetzenwirunserespitaeler.at/

schuetzenwir

 

http://notstandspital.at/

notstand

 

 

Written by medicus58

2. Juli 2015 um 16:30

2 Antworten

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  1. Ich glaube Sie überschätzen die Patienten. Diese wollen eigentlich immer nur das „weltbeste Gesundheitssystem“ ohne dafüer aber wirklich zahlen zu wollen. Zahlen soll wahlweise „der Staat“, „die Reichen und Gestopften“, „die Kasse“, „der Steuertopf“ etc. Wehe die Kassenbeiträge steigen weil die Konditionsanpassungen für das Personal (also Ärzte, Pfleger, Krankenschwestern etc.) dies eigentlich erfordern würden. Oder um die z.T. unglaubliche Materialverschwendung in den Spitälern und die schwindelerregenden Preise für Gerätschaft und selbst für Kompressen bezahlen zu können. Da interessiert es dann den Patienten erst in zweiter Linie ob die Konditionen für die Ärzteschaft gerecht ist oder nicht. Denn was soll ich als Patient selbst davon halten wenn man mir sagt, dass ich nach 13 h keinen Arzt mehr – ausser im Notfall – sprechen kann weil er sich nach 5 Stunden Anwesenheit verabschiedet hat. In machen Fällen in seine Privatordination in der Nähe des AKH ? Und wenn nicht dorthin, zucken die Pfleger die Schulter und meinen „na irgendwas Akademisches“. Um dann vielsagend zu grinsen. Oder dass der Leiter der (nicht sehr grossen) Station 3 Wochen am Stück nicht ein einziges Mal bei der Visite erscheint? Bei solchen Zuständen soll man sich ja nicht auf die Sympathie der Patienten verlassen.

    Konrad

    3. Juli 2015 at 10:40

    • Die von Ihnen geschilderten Dinge hängen miteinander zusammen und letztendlich sitzen Ärzte un Patienten im gleichen Boot.

      medicus58

      3. Juli 2015 at 13:14


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