Sprechstunde

über alles was uns krank macht

Die Teillösung der Volllösung einer Verarschung

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Wes

Rufen wir einmal für die Nicht-Betroffenen das Problem kurz in Erinnerung:

Erst nach
(!!) dem Inkrafttreten des novellierten Krankenanstalten-Arbeitszeitgesetz (KA-AZG) am 1.1.2015, das den Ärzten nur mehr eine wöchentliche Arbeitszeit von 48 Stunden (im Gegensatz zu den früheren 72 Stunden) erlaubte, begann die Wiener Gesundheitsstadträtin Wehsely Gespräche mit Vertretern der Gewerkschaft der Gemeindebediensteten, die nur noch einen Bruchteil der angestellten Ärzte im KAV als ihre Mitglieder bezeichnen können und mit Vertretern der Personalvertretung sowie der Wiener Ärztekammer, die sich beide auf eine Zwangsmitgliedschaft der Betroffenen berufen können.

Mit dem üblichen medialem Juhu-Geschrei verkündete man am 29.1.2015 eine Einigung: KAV-Ärzte: Mehr Gehalt, geänderte Arbeitszeiten (http://wien.orf.at/news/stories/2691951/ )

Als in den kommenden Wochen immer mehr „Kleingedrucktes“, wie Arbeitsverdichtungen durch geänderte Dienstzeiten und 382 Posteneinsparungen bekannt wurden, und in ersten Workshops klar wurde, wie der von Wehsely eingesetzte Generaldirektor (Mann, ist der Mann gut, der im KAV aufräumt http://wp.me/p1kfuX-Kd) und ihre Beraterhorden um Herrn Dr. Ebner (Die “objektive” Krake im Gesundheitssystem http://wp.me/p1kfuX-xw) den Pakt interpretieren und durchdrücken wollen, wurde die Vereinbarung allen grünen (JubelGrüne: Grüne Ärztinnen und Ärzte werden leicht einmal rot dabei… http://wp.me/p1kfuX-W9) und roten Claqueuren (Da ist irgendwo der Hund drinnen, Herr Minister Hundstorfer! http://wp.me/p1kfuX-UX) zum Trotz von einer überwältigenden Mehrheit der Betroffenen abgelehnt.

Vorerst unbeeindruckt peitscht Wehsely trotzdem ihren Pakt, von dem sich inzwischen sowohl die Personalvertretung als auch die Ärztekammer distanzieren, durch den Gemeinderat: Das rote Osterei für den KAV http://wp.me/p1kfuX-Wd
Schließlich ließ sie sich doch zu irgendetwas zwischen Nachverhandlung und Nachschärfung herab, um  am 14. April eine Teillösung der abgelehnten Volllösung verkünden zu lassen: http://www.vienna.at/gehaltsverhandlungen-der-spitalsaerzte-teilloesung-fuer-wiener-kav-erzielt/4296805

Auch wenn der zitierte Kurier-Artikel glauben macht, dass es nur ums Geld gehen würde (Probleme macht nun weiterhin das Thema Geld) trifft das nicht den Kern des Problems!

Fasst man den erreichten Zustand zusammen, kommt man zu folgenden Punkten:

  1. Die Dienstgeberin hat das von ihr gewünschte Arbeitszeitmodell in ihrem Sinn durchgebracht
    • Weiterhin bestehen parallele Modelle in denen die ärztliche Leistung einmal nach Arbeitsstunden, einmal nach Tagen und wieder nach Diensten berechnet wird, je nachdem wie es der jeweiligen Personalabteilung passt.
    • Weiterhin existiert für den einzelnen Arzt keine Möglichkeit seine absolvierte und seine noch ausständige Leistung selbst abrufen und ist auf die Angaben der Personalabteilung angewiesen.
    • Auch die Abteilungsleiter haben keinen Zugriff auf die entsprechende Software, obwohl sie zu einer gesetzeskonformen Diensteinteilung verpflichtet werden.
    • Inzwischen stellte sich heraus, dass offenbar jedes einzelne KAV Haus ein anderes Dienstschema verfolgt (z.B.: einmal 5 einmal 6-Tage-Woche)
  2. Die Dienstgeberin hat das von ihr gewünschte Entlohnungsmodell in ihrem Sinn durchgebracht
    • Frühere Zulagen werden nun in das Grundgehalt eingerechnet damit dieses höher aussieht.
    • Weiterhin werden Ärzte im KAV weniger verdienen als bei anderen Trägern. Wer kann, wird  kündigen und wie schon bisher werden kompetente Ärzte sich nicht beim KAV bewerben.
    • Weiterhin werden (abgesehen von minimalen Zuschlägen und 2h Freizeitausgleich) Nacht-, Wochenend- und Feiertagsdienste im Rahmen der gelten Normalarbeitszeit entlohnt werden.
    • Die Abgeltung des jahrzehntelangen Betrugs an den Ärzten, in dem das ARG 1983 missachtet wurde (30 Jahre braucht der KAV um ein Gesetz zu lesen – muss nun der Generaldirektor gehen? http://wp.me/p1kfuX-Ac) wird weiterhin nur durch 3 x 11 sogenannte ZZ Tage erfolgen. Da letztendlich die Arbeit an diesen Tagen von der anwesenden Kollegenschaft zusätzlich übernommen wird, kostet diese Lösung der Dienstgeberin keinen Groschen!
  3. Die Dienstgeberin hat ihren Plan der Postenreduktion nicht zurückgenommen,
    • nur soll das halt etwas weniger brutal als zuletzt probiert und unter den Augen einer „Kommission“ passieren.
  4. Die Dienstgeberin setzt nun ganz offen auf Opting out, um den Betrieb weiterhin zu ermöglichen
    • Während im ursprünglichen Pakt die Möglichkeit des Opting out, also die Möglichkeit unter Berufung auf die aktuelle Betriebsvereinbarung über die erlaubten durchschnittlichen 48h/Woche hinaus zu arbeiten und verlängerte Dienste über 25h zu leisten nach außen als „ultima ratio“ hingestellt wurde aber intern vereinbart wurde, dass die Vertragspartner auf die Ärzte einwirken werden, dass diese im Bedarfsfall unterschreiben, verspricht die Dienstgeberin nun ganz offen ine Prämie für diejenigen, die weiter den Weg der Selbstausbeutung gehen wollen! Die Argumentationen des Präsidenten haben Unterhaltungswert http://wp.me/p1kfuX-Ue
  5. Weiterhin kann die Dienstgeberin (durch Kündigung, Pensionierung oder Abschluss der Ausbildung) freiwerdenden Stellen unbesetzt lassen und dadurch die Arbeitsbelastung der Rumpfmannschaft maximieren.
    • Meines Wissens wurde das vom Verhandlungsteam nicht einmal angesprochen.
  6. Weiterhin kann die Dienstgeberin die Ärzte im KAV zur Lehre im Rahmen des Klinisch-Praktischen-Jahres für Medizinstudenten im letzten Studienjahr verpflichten, ohne dass sie sich hier eine adäquate Kompensierung durch die MedUnis ausverhandelt hat.
    • Meines Wissens wurde das vom Verhandlungsteam nicht einmal angesprochen.
  7. Andererseits bekommen KPJ-Studenten im KAV keine finanzielle Anerkennung für ihre Tätigkeit, so dass sie sich in Scharen zu anderen Trägern bewegen werden.
    • Die anfallende Arbeit wird halt von der Stammmannschaft erbracht, weil auch die Turnusärzte ein Auslaufmodell darstellen (Stichwort neue Ärzteausbildung)
  8. Weiterhin kann die Dienstgeberin die Strukturen des KAV zerbröseln lassen, weil das zur Verfügung gestellte Reinvestitionsbudget gegen Null konvertiert.
    • Meines Wissens wurde das vom Verhandlungsteam nicht einmal angesprochen.
  9. Weiterhin versucht die Dienstgeberin mit ihrer Master-Betriebsorganisation unbeirrt leitende Ärzte aus den Entscheidungsprozessen der klinischen Abläufe zu drängen und sie vermehrt an Pflege und MTDG zu delegieren
    • Master-Betriebsorganisation im KAV: Da fährt die Eisenbahn drüber http://wp.me/p1kfuX-NS
      Meines Wissens wurde das vom Verhandlungsteam nicht einmal angesprochen.
  10. Weiterhin verpulvert die Dienstgeberin Millionen an externe Berater und verweigert das Gespräch mit den eigenen Experten.
  11. Gestützt auf eine willfährige Gewerkschaft, eine Mehrheit im Gemeinderat, enormen PR Ausgaben und ein autoritäres Beamtendienstrecht, das den Mitarbeitern mundtot macht, werden Unzulänglichkeiten im Krankenanstaltenverbund abgestritten, Schuldenböcke gesucht und gefunden, und die Zensurschraube angezogen.

Oder kurz: Abgesehen von ein paar medialen Kollateralschäden hat Wehsely sich erfolgreich durchgesetzt!

Es kann nur gehofft werden, dass das von Kollegen Leitner und seinem Team mitgebrachte Paket zur Gänze von der Kurie der angestellten Ärzte abgelehnt wird, weil es keinen Kompromiss sondern ein Diktat darstellt.

“Es gibt nicht mehr Geld”, hieß es auch vonseiten der Stadträtin. Man (warum nicht Frau? persönliche Anmerkung) sei daher zur Auffassung gekommen, dass in diesem Punkt weitere Gespräche nicht sinnvoll seien.
http://www.vienna.at/gehaltsverhandlungen-der-spitalsaerzte-teilloesung-fuer-wiener-kav-erzielt/4296805
kann nicht das letzte Wort der Debatte bleiben.
Was wir als Ärzte (von Asklepios und Ärztekammer) verlangen müssen ist ein klares Forderungsprogramm zur Strukturänderungen und Gehaltsänderungen.
Als Steuerzahler müssen wir von der Politik verlangen, dass nicht Millionen an befreundete Berater und Stakeholder verschoben werden (Wehsely finanziert die Wiener Gebietskrankenkasse und keinen stört’s http://wp.me/p1kfuX-Un ) und Gespräche mit den eigenen Mitarbeitern nicht ausschließlich zur medialen Schadensbegrenzung sondern permanent zur Lösungssuche geführt werden.

Da es keine Zeichen gibt, dass die Dienstgeberin freiwillig von der Konfrontation zur Konstruktivität wechseln möchte, benötigen wir eine Informationsstrategie, wie wir die ganzseitigen Propagandainserate und Medienauftritte der Dienstgeberin konterkarieren können.

Eine tägliche, vorerst viertelstündige Information der wartenden Patienten in unseren Ambulanzen über die wahren Beweggründe des ärztlichen Protests, schiene mir eine rechtlich kaum zu ahndende Methode um dieses Ziel zu erreichen ehe wir in die Problematik des Beamtenstreiks zu kommen ….

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