Sprechstunde

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Aufstand der Primarärzte: einfach wegadministriert

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kav

Am 16. 2. 2015
erging ein Schreiben der Vertreter der Primarärztekollegien aller großer KAV Spitäler (DSP, WIL, KHR, KFJ, KAR) an Stadträtin Wehsely in dem unter Punkt 4 festgehalten wurde, dass unter den Rahmenbedingungen des kürzlich ausgehandelten Ärztedienstzeit- und Besoldungsschema „die Leistungserbringung der KAV-Spitäler für die Wiener Bevölkerung im derzeitigen Umfang und in derzeitiger Qualität nicht aufrechtzuerhalten“ ist.

Am 17.1. 2015
kam Bürgermeister Häupl seiner Stadträtin zu Hilfe und ließ verlauten:

Es gebe eine entsprechende Vereinbarung mit Zustimmung der Ärztekammer – „auch zu allen Maßnahmen, von denen man heute so tut, als ob sie neu wären“ … Es gebe eine Vereinbarung. „Diese trägt auch die Unterschrift des Präsidenten der Ärztekammer – und der wird ja wohl wissen, was er unterschrieben hat.“
http://www.heute.at/news/wirtschaft/art69352,1126677

Am 18.1. 2015
erinnerte sich die Zeitschrift HEUTE entweder an den Grundsatz Audiatur et altera pars (lat. für „Gehört werde auch der andere Teil“) oder zündelte etwas herum um für mehr Inserate aus dem Rathaus zu lukrieren und titelt Primarärzte proben den Aufstand.
Dabei wurde  auch der obigen Passus aus dem Brief der Primarärzte zitiert (http://www.heute.at/news/oesterreich/wien/art23652,1127275).

In eigener Sache: Ich mache mich daher explitzit nicht schuldig gegen den rezent wieder ausgeschickten Maulkorberlass für Beamte zu verstoßen und KAV-Interna in Social Media zu veröffentlichen, da das bereits öffentlich gemachte zitiere!

Nach einer Sitzung einiger Primarärzte mit Stadträtin Wehsely zog Wien.ORF.at aber eine versöhnliche Bilanz:

Im Streit um den Abbau von 382 Ärzteposten im KAV haben Stadt und Primarärzte nun vereinbart, jede Abteilung einzeln anzuschauen.

(Anmerkung: …hatte man das nicht im KAV BEVOR man die neuen Strukturen verhandelt hat? … auch gut zu wissen)

Bedenken … seien nun weitgehend ausgeräumt, meinte Ludwig Kramer, Primararzt und Kollegiensprecher am Krankenhaus Hietzing und einer der Unterzeichner des Briefes.

Es sei ein sehr positives, konstruktives und konsensuelles Gespräch gewesen bei dem erneut zugesichert worden sei, dass die Abteilungsvorstände in die Umsetzung des neues Arbeitszeitgesetzes eingebunden werden.

(Anmerkung: Offenbar vergessen, dass mit Multiprimariaten und der Master BO seit Monaten an der Abschaffung der Primariate gebastelt wird? 
Siehe: Master-Betriebsorganisation im KAV: Da fährt die Eisenbahn drüber http://wp.me/p1kfuX-NS)

Dann kamen erneut die „zentralen Erstversorgungszentren als Retter in der Not, „die Patienten in der Nacht aufnehmen und versorgen bis diese in der Früh an die Spezialambulanzen weitervermittelt werden. So könnten dann auch Nachtdienste reduziert werden.“

(Anmerkung: Interessant, denn in den PHC war bislang keine Aufnahme (!) vorgesehen!)

Also Entwarnung:

Die Personalreduktion sei vom KAV „unglücklich kommuniziert worden“, meinte dazu einer der Unterzeichner, Meinhard Kneussl, Primar am Wilhelminenspital. Nun wolle man die Kollegen informieren und so die entstandene Unruhe ausräumen. http://wien.orf.at/news/stories/2695475/

Außenstehenden befällt da sicher das wohlige Gefühl, dass ja eh nur alles ein bisschen unglücklich gelaufen ist.

Vergessen,
dass die EU Österreich gezwungen hat, die exorbitant langen Ärztearbeitszeiten gesetzlich zu verbieten,
worauf die Stadt Wien nicht die Arbeitsleistung an die verringerte Personalkapazität anpasste, sondern die Gelegenheit beim Schopf packte, die Personalkapazität weiter zu reduzieren, was ihre Verhandlungspartner (Gewerkschaft, Ärztekammer) wussten und mitunterschrieben haben.

Jetzt ist der Aufstand abgeblasen und wir freuen uns, dass alle wieder miteinander sprechen. Ein gutes Beispiel dafür, dass noch die mediale Macht des Rathauses stark genug ist, um einzelne Aktionen weg zu administrieren.

Schauen wir, wie das bei den ersten Flecken auf der Weste des KAV Generaldirektors funktioniert:

Wien: Spitäler-Chef bewohnte zwei Sozialwohnungen

http://diepresse.com/home/panorama/wien/4665985/Wien_SpitaelerChef-bewohnte-zwei-Sozialwohnungen

Und schauen wir, ob auch die (aktuell) 3686 stimmberechtigten angestellten Ärzte in Wien das verhandelte Ärztedienstzeit- und Besoldungsschema so super finden, wie es auf wien.orf.at den Anschein hat.
Jedenfalls bedarf es einer ziemlich stabilen Solidarität unter den verschiedenen Ärztegruppen (Azubis, Mittelbau, Primarii), wenn die Öffentlichkeit erfahren soll, welche Form der medizinischen Versorgung für sie in Zukunft bereitgestellt werden wird.

Written by medicus58

19. Februar 2015 um 17:53

Eine Antwort

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  1. Fortsetzung: Präsident Szekeresz steht zu seiner Unterschrift und hält eine Personalreduktion unter bestimmten Voraussetzungen und im richtigen Tempo für möglich. Die sozialistische Fraktion verlässt die Kuriensitzung der angestellten Ärzte der Wiener Ärztekammer, womit eine Wahlempfehlung an die stimmberechtigten Kollegen (Abstimmung 05.-08. März 2015) vorerst verhindert wird.

    doc141

    20. Februar 2015 at 15:40


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