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Wehsely Leak: Ist die Mauschelei am Ende?

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Arztweg
Vor fast drei Wochen hat Stadträtin Wehsely vollmundig erklärt:

„Wir haben es geschafft, miteinander eine sehr große Strukturreform einzuleiten und die Spitalsorganisation auf neue Beine zu stellen.“
http://diepresse.com/home/politik/innenpolitik/4649927/Wiener-Spitalsaerzte_Mehr-Gehalt-flexiblere-Arbeitszeit
Damit sollen vor allem in den Nachmittagsstunden mehr Patienten versorgt, während die Nachtdienste um ein Drittel reduziert werden.

Ihre „Verhandlungspartner“ (Gewerkschaft/Personalvertretung, Ärztekammer; angeblich auch Primarärzte- und Mittelbauvertreter) (http://wp.me/p1kfuX-Tm) freuten sich medial und verteidigten das Ergebnis online und in eilig einberufenen Versammlungen:

Dass seither das Original der Vereinbarung noch immer NICHT den 3000 betroffenen Ärzten im KAV zugänglich gemacht wurde, obwohl sie über seine Inhalte abstimmen sollen, ist ein schönes Beispiel für den Stil, mit dem die Dienstgeberin mit ihren Mitarbeitern umgeht!

Nur blöd, dass man es im KAV gemeinsam mit seinen externen Beratern (Dr. Ebner – Die „objektive“ Krake im Gesundheitssystem http://wp.me/p1kfuX-xw) so eilig hatte, dass man in einer Mail, die letzte Woche verschickt wurde, die Einsparung von 382 Arztposten als Rahmenbedingung für die Vereinbarung verschriftlichte. Es dauerte dann noch einige Tage, bis man die Meldung heute auch im Kurier lesen konnte:
http://kurier.at/chronik/wien/stadt-wien-spart-382-spitalsaerzte-ein/114.140.791

In Wirklichkeit hat Wehselys den Kahlschlag schon im Zuge der Pressekonferenz am 29.1. angedeutet:

„Dadurch wird der Personalbedarf in den KAV-Spitälern nicht steigen, sondern sinken“, erklärte Wehsely.
http://diepresse.com/home/politik/innenpolitik/4649927/Wiener-Spitalsaerzte_Mehr-Gehalt-flexiblere-Arbeitszeit

Nur wollten halt alle Verhandler glauben machen, dass die in den eingesparten Nachtdiensträdern freiwerdende Ärztestunden zur Patientenversorgung während der Tagesstunden verwendet werden sollen.
Eine Überschlagsrechnung ergibt aber, dass die eingesparten 112,5 Nachtdiensträder etwa 675 Ärzteposten entsprechen, wenn nun 382 Spitalsärzte (bis 2018) eingespart werden sollen, heißt das ganz offenkundig nicht die Verlegung der Ärztearbeitszeit in die Tageszeit die Triebfeder der „Reform“ war, sondern die Personalreduktion!

Dass selbst das ORF Landesstudio (Wien heute), also ein traditionell dem eigenen Bundesland wohlgesonnenes Sprachrohr über Wehsely-Leak berichtete, macht die Sache schon brisant, auch wenn man, ganz auf der Linie des Stadtratbüros einen Beitrag nach schob, der erneut die neuen Primary Health Care Piloten als Entlastung für die Spitäler hinstellte.
Dass es sich dabei nur um den Aufguss eines schon mehrfach durchs Dorf getrieben Schweiderls handelt, haben wir hier schon berichtet: Wie oft wird kann man die Sau durchs Dorf jagen, ohne dass es den Medien auffällt? http://wp.me/p1kfuX-Tw

Nun geht die große Absetzbewegung der Mitverhandler los, wobei es erneut zu ein paar Hopperlas kam. Der Facebook-Beitrag von Ärztekammerpräsident Szekeres:

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

bitte finden Sie anbei das Rundschreiben der Ärztekammer, das soeben als Reaktion auf die KAV-Power-Point-Folien verschickt wurde.
LG Thomas Szekeres

war nicht abrufbar und führte zu folgender Fehlermeldung:

Dieser Inhalt ist derzeit nicht verfügbar

Die von dir ausgewählte Seite kann derzeit nicht angezeigt werden. Es könnte sein, dass diese vorläufig nicht zur Verfügung steht, der von dir verwendete Link abgelaufen ist oder du nicht die erforderliche Genehmigung hast, um die Seite zu betrachten.

Persönlich glaube ich ja, dass es sich in der nun öffentlich gewordenen Power-Point Folie einfach wieder um eine „nicht ganz bereinigten“ Version für den internen Gebrauch handelte, ja das kann schon mal passieren, bei der enormen Arbeitsleistung der Lieblingsberater unserer Dienstgeberin, aber sie lässt schon hinterfragen, ob die Verhandlungspartner der Stadträtin damals so ganz genau gewusst haben, über welche Tische sie gezogen wurden ….

Egal, lasst uns optimistisch sein und hoffen, dass irgendwann auch die Stadt Wien erkennt, dass man (leicht paraphrasiert) nicht alles vor allen und immer geheimhalten kann und von paternalistischer Verhaberung und Mauschelei endlich zu mehr Transparenz findet.

Dazu würde es auch gehören, dass sie:
Erstens den exakten Wortlaut der UNTERSCHRIEBENEN Betriebsvereinbarung offenlegt und
zweitens alle Verhandler die Betroffenen befragen und dies nicht dem unwichtigsten Verhandler, eben der Ärztekammer, überlässt.

Ob sich Wehsely nach diesem Desaster noch traut, wie angedroht, die Dienstzeitenänderung auch ohne Gehaltsanpassung per Erlass zu verfügen, mag bezweifelt werden.
Ihr großer Mitstreiter in Sachen Gesundheitsreform aus Oberösterreich (LH Pühringer) hat schließlich auch vor zwei Tagen das bereits geschnürte Paket vor der Abstimmung nachgebessert, warum wohl?

Lit:
„Der KAV (Wiener Krankenanstaltenverbund, Anm.) plant offenbar mehr als 10 Prozent der Ärzte (382 Dienstposten) zu streichen. Zusätzlich zur Ärztearbeitszeitverkürzung von 15 Prozent.“ Mit dieser Meldung ließ der Gesundheitsökonom Ernest Pichlbauer aufhorchen. Der Experte hatte auf seiner Facebook-Seite ein internes KAV-Dokument veröffentlicht (es liegt der „Presse“ vor), in dem wörtlich steht : „Bis Ende März 2015 soll ein abgestimmter Dienstpostenplan (…) vorliegen.“ Dann kommt der entscheidende Nachsatz: „Die Vereinbarung beinhaltet das Ziel, dass (…) 382 Dienstposten reduziert werden (Realisierung bis 2018)“.
http://diepresse.com/home/politik/innenpolitik/4664195/Spitaeler-der-Stadt-Wien_382-Aerzteposten-gestrichen 

Written by medicus58

16. Februar 2015 um 21:05

5 Antworten

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  1. Bitte korrigieren: das Schreiben liegt dem Ärzten eben NICHT vor… der Informierte konnte übrigens schon nach der Verkündigung der Einigung Ende Jänner zwischen den Zeilen lesen, dass es weniger Arztstunden im Spital geben wird.

    TW

    16. Februar 2015 at 22:01

  2. Dass seither das Original der Vereinbarung noch immer den 3000 betroffenen Ärzten …
    Da fehlt wohl ein „nicht“ …

    Hansi

    16. Februar 2015 at 22:02


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