Sprechstunde

über alles was uns krank macht

Wien: Look back in anger oder wie brutal es wirklich wurde

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Das etwas verzerrte HEUTE-Cover verwendete ich nahezu exakt vor zwei Jahren erstmals für einen Blogbeitrag (14.12.20112 Krone vs. Ärzte und die PK von Wehsely und Häupl, jetzt wirds brutal ..http://wp.me/p1kfuX-vC), um mich mit Mitteln und Stil der Auseinandersetzung zwischen Politik und Ärzteschaft auseinander zu setzen.
Das Cover zeigt schön, wie man dabei vorgeht:

Bashing des Standes und gleichzeitige Jubelpolitik, wie schön die neue Spitalswelt für den Wähler wird.  

Nur zur Klärung: mir fielen als Arzt viel schwerwiegendere Kritikpunkte an der mir von der Politik oktroyierten Kammer (Zwangsvertretung) ein, nur geht es nicht darum. Es geht um das zynische Doppelspiel sich diepolitische Interaktion „mit den Ärzten“ dadurch zu vereinfachen, dass man sich per Gesetz nur eine legitime Vertretung der Ärzteschaft (Ärztekammer)
generiert, damit man diese dann einfach medial mundtot schießen kann, aber gleichzeitig so tut als könnte man ein Gesundheitswesen ganz ohne die Ärzte betreiben.
Sorry, Pflege, Medizinisch Technische Berufe, Medizinphysiker, Apotheker, Sozialarbeiter et al., natürlich ist Euer Beitrag unerlässlich für die Behandlung und/oder Heilung der Patienten, aber es sind die Ärzte deren Kernkompetenz per Ausbildung und Titel die „gesamte Heilkunde“ ist und sie mussten dafür eine theoretische und praktische Ausbildung absolvieren, die in Summe über ein Jahrzehnt dauerte.

Wie gut das Ärztebashing funktioniert, nicht zuletzt weil unsere Ärztekammer höchst unprofessionell der Politik immer wieder ins Messer läuft, habe ich etwa ein Jahr später (6.1.2013) so formuliert:
Ärzte: Unser Image ist im Arsch, soviel scheint sicherhttp://wp.me/p1kfuX-yq )

Keine Frage, es gibt ein paar Eckdaten, die es manchen Stakeholdern im Gesundheitswesen (so spricht man doch heute neudeutsch?) scheinbar leicht machen, die Ärzte konsequenzlos zu vergraulen:

1) Österreich hat statistisch mehr Ärzte als viele andere OECD Länder, also wenn uns noch mehr verlassen, dann werden wir das schon aushalten.

.. aber trotz der großen Zahl finden sich jetzt schon zu wenige Ärzte, die die immer evidenter werdenden Lücken in der Versorgung (Landpraxis, Systemerhalter im Krankenhaus, …) füllen wollen/können

2) Österreich hat trotz sinkender Zahlen noch immer mehr Patienten in Krankenhausbehandlung als andere OECD Länder und das ist teurer als eine Behandlung in Ordinationen, Ärztezentren, …etc.

… die Frage, weshalb die Patienten aber mit ihren Füssen für die Spitalsambulanzen und -staionen abstimmen und sich nicht den Segnungen der extramuralen Medizin anvertrauen wollen/können bleibt undiskutiert, weil dann müssten wir
sowohl über Selbstbehalte und absurd niedrige Tarifen in Kassenverträgen als auch über die Wahlzuckerln:

„jedem Wähler sein Spitalsbett“,
„jedem Gemeindewirtshaus sein Krankenhaus“ reden,

über die enormen Mittel der Gesundheitsbudgets, die nicht für das verwendet werden, was sich der Laie so unter Medizin vorstellt, sondern für Infrastrukturmaßnahmen, Auslagerungen an befreundete Sektoren, Jobgarantien für Parteifreunde, … etc. und vieles mehr.

3) Das politische Wahlverhalten basiert in Bezug auf die Gesundheitspolitik (anders als z.B. in Bezug auf die Arbeitsmarktpolitik oder die Lebenshaltungskosten) mehr auf der Glaubwürdigkeit von Versprechen als auf der aktuellen persönlichen Betroffenheit.

die meisten sind am Wahltag weder in einem Spitalsbett noch in gefühlter ärztlicher Behandlung (die Dauereinnahme von Mediklamenten wird nicht als Therapie empfunden!)

Deshalb zahlt es sich noch immer politisch aus „die Wilhelmine wach zu küssen„, also konkret das Spital, in dem die Bürgermeistergattin ärztliche Direktorin ist, komplett abzureissen und mit öffentlichem Park, Kindergarten und sicher einem Volksfest neu zu errichten.

Aber kehren wir zum Titel zurück, was hat sich in der Wiener Gesundheitspolitik in den letzten zwei Jahren geändert:

Erstens scheint das Verhältnis zwischen dem Langzeitbürgermeister (mit heutigem Tag ist Häupl seit 20 Jahren im Amt) und seiner Gesundheitsstadträtin so zerrüttet, dass wir von einer gemeinsamen Pressekonferenz zukünftig wohl verschont bleiben werden. Man beachte den Gesichtsausdruck Häupls bei der rezenten Anlobung des neuen KAV Generaldirektors (http://www.wienkav.at/kav/ZeigeAktuell.asp?id=24358).

Zweitens setzte die Gesundheitsstadträtin schließlich gegen den kolportierten Willen des Stadtoberhaupts immer mehr Leute in Leitungsfunktionen des KAV ein

(Mann, ist der Mann gut, der nun im KAV aufräumt ….http://wp.me/p1kfuX-Kd,
Nach dem Köck auch den Bock zum Gärtner … http://wp.me/p1kfuX-cy)

deren Credo (Runter fahren, Schwerpunktbildung, Auslagern) in diametralem Gegensatz zu einem inklusiven, solidarischen und transparenten Gesundheitssystem steht, das doch nach guter sozialdemokratischer Tradition eine Vollversorgung anstreben sollte.

Drittens erleben wir eine immer größere Aufblähung des Verwaltungs- und Beraterapparates innerhalb des Krankenanstaltenverbundes:

der pensionierte ärztliche Direktor des AKH wird durch ZWEI Direktoren ersetzt, um die bisherige Bremse der Doppelträgerschaft (Bund für die Ärzte und Forscher, Rest die Stadt Wien) zu lösen ?!!?

der als Krankenhausorganisationsexperte in den KAV geholte Prof. Janßen benötigt ab dem Punkt, wo er zum Generaldirektor wurde sofort einen zusätzlichen Direktor für Organisationsfragen(Bewerbungsende Ende Nov 2014)

Noch nie wuselten soviele externe Berater durch den KAV wie heute
(KAV: Wir sparen – koste es was es wolle http://wp.me/p1kfuX-R4) und verdienen sich ihr Honorar durch die zusätzliche Beschäftigung der Mitarbeiter, die dafür aus dem Kernprozess abgehalten werden.

Und viertens, und damit beschließe ich das heutige Lamento, hat dieMedizin in der öffentlichen Diskussion mit dem Fussball gleichgezogen:

Ein paar Maxerln laufen einem kleinen Ball nach und alle Zuschauer, auch die, die die Tribünen nur mehr schnaufend erreichen können, wissen ganz genau, wie man es eigentlich macht… 

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