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Oberhauser: Gefährliche Versprechungen des Bestehenden, aber bringt’s das?

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Patienten tappen

Die neue Gesundheitsministerin Sabine Oberhauser sagt dem KURIER: „Der Patient muss sich erwarten können, dass er, wenn er in ein Spital geht, weiß, was ihn dort erwartet. Dass er weiß, wie oft dort eine spezielle Behandlung durchgeführt wurde, und wie oft es Komplikationen gab.“
http://kurier.at/politik/inland/wie-gut-ist-mein-arzt-das-spital-patienten-tappen-im-dunkeln/84.253.086

und folgt somit SIgrid Pilz, die ebensolches – selbstverständlich auch wieder in dem verlinkten Kurier Artikel (Wie man einen guten Arzt findet) seit Jahren fordert.

Frau Bundesminister fiel es sicher leicht, die Bekanntgabe von Komplikationsraten einheimischer Spitäler zu fordern, schließlich hat das Projekt Austrian In-Patient Quality Indicator (AIQI) bereits ihr Vorgänger zum Laufen gebracht und die Publikation der ersten Auswertungen wurde ohnehin schon für 2014 versprochen (http://orf.at/stories/2173576/2173682).

in Hintergrundgesprächen zu diesem Projekt warnten aber einige der Projektmitarbeiter davor, diese Zahlen völlig ungefiltert zu veröffentlichen. Die Begründung war aber nicht, wie offenbar der Kurier mit seiner grellen Überschrift Patienten tappen im Dunkeln andeuten möchte, dass man den Patienten nicht „reinen Wein“ einschenken will, sondern dass sich überproportional schlechte regionale Ergebnisse mitunter nicht auf Fehler in dem betreffenden Spital, sondern auf Pribleme in der umgebenden Infrastruktur zurückzuführen waren:
Wenn das Rettungswesen in der Region deutlich längere Anfahrtszeiten hat, wird die Sterblichkeit von Schlaganfall- oder Herzinfarktpatienten höher sein, auch wenn beim Eintreffen im Spital alles perfekt läuft.
Wenn kleinere Spitäler die schlecht laufenden Fälle präfinal in das Schwerpunktspital überstellen, wird das dort die Statistik verschlechtern.

Nun könnte man meinen, dass das ja nicht so schlimm wäre, schließlich verlinkt der Kurier ja auf deutsche Links, wo Spitals- und Ärzteranking bereits abrufbar ist. Ob die deutschen Verhältnisse aber so vorbildhaft sind, mag bezweifelt werden, berichtet aktuell Die Süddeutschevon einem anderen Nebeneffekt von auf den ersten Blick sinnhaften Lenkungswerkzeugen im Gesundheitssystem (http://www.sueddeutsche.de/gesundheit/chirurgie-ein-drittel-der-chefaerzte-raeumt-ueberfluessige-ops-ein-1.2119093). Das leistungsorientierte Finanzierungssystem, das ja auch in Österreich eingeführt wurde führte dazu, dass die Entscheidungen von Ärzten nicht ausschließlich nach medizinischen Kriterien erfolgen:

Ein Drittel der Chefärzte greift zum Skalpell, um die wirtschaftliche Lage der Klinik aufzubessern.
Andererseits geben 21 Prozent der Chefärzte an, dass sie mindestens einmal im Monat einem Patienten eine nützliche Behandlung vorenthalten oder sie durch eine billigere ersetzen. 46 Prozent der Befragten mussten zumindest einmal in den vergangenen sechs Monaten Leistungen einschränken. 

Und nun überlegen wir einmal, wie man die Komplikationsrate von Blinddarmoperationen senken kann:

Richtig, man operiert einfach mehr Gesunde, deren akute Bauchschmerzen eben nicht auf einer eitrigen Appendix beruhen und sowohl kurze Aufenthaltsdauer und kaum noch Bauchfellentzündungen erleben.

Das ist natürlich kein Plädoyer gegen eine Transparenz innerhalb des Systems aber eine Warnung gegen falsche Incentives im Gesundheitssystem.

Written by medicus58

8. September 2014 um 19:27

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