Sprechstunde

über alles was uns krank macht

Wie man mit drei Plastiksäcken voll Baileys durch Europa reist

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Baileys

Vielleicht kennen Sie Umberto Ecos köstlichenText „Wie man mit einem Lachs verreist„, in dem er sein Scheitern schildert, einen in Stockholm günstig erstanden Lachs in genießbarem Zustand heim zu bringen.

Die Zwischenlagerung des guten Stücks in einem Hotelkühlschrank im Zusammenhang einem größeren Computerfehler des Etablissements führte letztendlich dazu, dass der Herr Professor vor seinen Kindern als Säufer dastand und der Omega-3-Fettsäurengehalt des Schuppentiers so drastisch fiel, dass er ungenießbar wurde.

Dieser Text erschien 1986.

Meine Geschichte aus 2014 wird es wohl kaum in den Hanser-Verlag schaffen, gerade deshalb möchte ich sie Ihnen hier nicht vorenthalten:

Auf der Rückreise aus dem schönen Irland fühlte ich mich bemüßigt, am Flughafen ein dringlich als Mitbringsel eingefordertes FläschchenBAILEYS Irish Cream zu erstehen. Angesichts der nicht gerade günstigen Preise im westlichsten Euroland griff ich zum günstigen Multipack, mit der netten Aussicht so ein zweites Fläschchen für den eigenen Kühlschrank zu erhalten.

In Einklang mit den aktuellen Sicherheitsbestimmungen wurden die beiden Flaschen in einen ersten Plastiksack mit behördlichem Aufdruck verstaut. Eindringlich wurde ich darauf hingweisen, dass es mir nicht gestattet wäre, mich an dem süßem Nass schon bei der Zwischenlandung zu laben.

Vollbesetzt wie die Flieger heute sind waren die Gepäckablagen schon rammelvoll, als ich meine beiden Flaschen dort hineinpresste.

Der zweite Akt der Posse begann bei der neuerlichen (!) Sicherheitskontrolle in Frankfurt. Als ich und mein Handgepäck im Transit – aus welchem Grunde auch immer – nochmals durchleuchtet wurde, missfiel der diensthabenden Dame mein mittelprozentiges Mitbringsel. Mit hochgezogenen Augenbrauen verwies sie auf einen hellbraunen Flüssigkeitsspiegel innerhalb des Plastiksäckchens Nummer eins.  Offenbar hat eine der Flaschen den Flug hierher im dicht gepackten Locker nicht heil überlegt. Ich war schweren Herzens bereit, die kaputte Flasche und ihren schmackhaften Inhalt der Sicherheit des europäischen Flugwesens zu opfern, jedoch lehnte das mein Gegenüber strikt ab.
Würde ich den verschlossenen Plastiksack nun öffnen, müsste ich beide Flaschen opfern, jedenfalls wäre es mir untersagt, die heile Flasche in den Flieger mitzunehmen.

Satzungemäß konnte die harsche Maid nur den ersten Plasticksack in einen zweiten, selbstverständlich ebenfalls mit offiziellem Auftruck versehenen, Sack stecken, um mir so zu ermöglichen, eine – von viel Baileys umflutete – intakte Flasche gemeinsam mit einem zu Bruch gegangenen Gebinde nach Hause zu schleppen.

Im Gegensatz zu meiner süßen Fracht schon ziemlich angesäuert, stopfte ich die beiden Plastiksäcke in die Gepäckablage meines Anschlussfluges, nur um kurz danach – im dritten Akt des Dramas -erneut mit meiner Malaise konfrontiert zu werden, als ein anderer Fahrgast, der verzweifelt sein Handgepäck in den überfüllten Locker stopfen wollte, den Steward auf das flüssigkeitsgefüllte Doppelpack aufmerksam machte. Der Flugbegleiter kam nun mit einem dritten – nun sehr dicken – Plastiksack und versenkte mit einem bedauernden „schade drum“ anschließend die Fracht irgendwo im hinteren Teil des Fliegers.

Erst daheim durfte ich, ohne irgendwelche Sicherheitsregeln des internationalen Flugverkehrs zu brechen, die in einem Liter Baileys gebadete, überlebende Flasche, bergen und die zerbrochene Flasche der Altglassammlung übergeben.

Als Beitrag zur europäischen Flugsicherheit schleppte ich also eine zerbrochene Glasflasche und eine Liter Irish Cream in drei Plastiksäcken durch halb Europa und konnte mich nicht wirklich schlüssig erklären, weshalb wir uns alle einen derartig Schwachsinn bieten lassen.

Written by medicus58

31. August 2014 um 22:46

Veröffentlicht in Reisen

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