Sprechstunde

über alles was uns krank macht

Wir haben keine Zugangsbeschränkungen, wir haben Zeit

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Arztzeit

Ein beliebtes politisches Werkzeug kommt derzeit bei unserem deutschen Nachbarn ins Gerede, es ist absehbar, dass wir uns auch bald damit beschäftigen werden.

Kontigentierungen sind außer in Kriegszeiten nichts wofür man an der Wahlurne Zustimmung erwarten kann und fixe Regeln sind für die Gesundheitspolitik immer unbeliebt, weil sie die Basis für die Intervention im Einzelfall verunmöglichen.

Wovon hier die Rede ist, ist die Wartezeit.

Personal wird aus den Ambulanzen abgezogen, die Refundierung bestimmter Leistungen werden kontigentiert, die Anzahl der Standorte eingefroren, pardon, gesichert, aber selbstverständlich stehen „alle Leistungen allen immer und uneingeschränkt zur Verfügung„.

An dem meiner bescheidenen Meinung nach absurden Konzept der Ärztekammer für Spitalsärztin/Spitalsarzt 2025 (Spezialisierung zur Qualitätsverbesserung ist out, im Spital gibt’s fachärztlichen Pannendienst http://wp.me/p1kfuX-Pr) fand BuMin Stöger „vieles gut“, nur halt nicht den Vorschlag, dass der „freie Spitalszugang“ für seine Wähler durch eine verpflichtende Überweisung aus der Niederlassung eingeschränkt werden sollte.

Mir kam das immer so vor, als würde man eigene Eingänge für Behinderte schaffen, die zufälligerweise nur über eine 60 cm hohe Stufe erreichbar sind: Man kann sich der Einrichtung rühmen, ohne dass man allzu große Angst vor einer kostentreibenden Benutzung derselben haben muss.

Ähnlich ist es mit der Zugänglichkeit zu fachärztlichen Leistungen in der Niederlassung.
Natürlich gibt es den Kassenvertragsarzt, aber Terminve erst in einem halben Jahr.

In Deutschland schrieb sich die Große Koalition vollmundig in den Koalitionsvertrag, dass zentralen Termin-Servicestellen innerhalb einer Woche einen Behandlungstermin vermitteln sollen und die Wartezeit bis zum Termin nicht mehr als vier Wochen betragen soll.
http://www.augsburger-allgemeine.de/politik/Aerzte-wehren-sich-gegen-verordnete-Termingarantie-id30830577.html

Nur leider können sich Ärztevertreter und Politik über keinen Lösungsweg einigen: Freie Arztwahl, alles ohnehin kein Problem, regionale Unterschiede, unbezahlte Überstunden, …

Das wahre Problem scheint darin zu liegen, dass in Deutschland wie in Österreich ein nicht unbeträchtlicher Teil der ärztlichen Leistungen (etwa 25%) NICHT von den Krankenversicherungen bezahlt wird und sich deshalb die Ärzte einen verordneten Zugang zu ihren Praxen fürchten wie die Pest.

Aber selbst der Vorstand der Niedersächsischen Krankenversicherung bringt es brutal auf den Punkt: Bei begrenzter Vergütung kann es nur begrenzte Leistungen geben. Und dies führt zwangsläufig zu längeren Wartezeiten.

Und wie plant die Große Koalition aus der Sache rauszukommen?
Richtig, durch Regionalisierung und Föderalismus:

Es ist klug, wenn die konkrete Lösung von den Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen) in den jeweiligen Regionen gefunden wird, denn die wird in Berlin sicher anders aussehen als in Niedersachsen“, sagte Unions-Gesundheitsexperte Jens Spahn (CDU). „Wir setzen als Politik nur den klaren zeitlichen Rahmen.“…
http://www.augsburger-allgemeine.de/politik/Aerzte-wehren-sich-gegen-verordnete-Termingarantie-id30830577.html

Ach, ja …

Es werden Wetten angenommen, wie die Debatte in Österreich politisch gelöst wird, wenn sie herüberschwappt!

Weitere Links:

http://www.deutsche-gesundheits-nachrichten.de/2014/07/28/aerzte-verweigern-termingarantie-binnen-vier-wochen/

http://www.aerztezeitung.de/politik_gesellschaft/berufspolitik/article/865916/wartezeiten-debatte-aerzte-leisten-ueberstunden-millionenhoehe.html

http://www.focus.de/finanzen/versicherungen/krankenversicherung/gesundheitsminister-hermann-groehe-termingarantie-beim-arzt-kommt-2015_id_3999695.html

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