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Niedermoser: Who’s side are you on

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niedermoser_peter kopie

Peter Niedermoser (http://de.wikipedia.org/wiki/Peter_Niedermoser) war schon mehrfach Gast dieses Blogs, so dass wir uns einmal etwas systematischer mit dem OÖ Ärztekammerpräsident und den verschiedenen Facetten seiner Aktivitäten in Sachen Ärzteausbildungbeschäftigen wollen. Nicht so sehr, weil er wundersamerweise bei seinen oö Kollegen so beliebt ist, dass sie ihn schon als Turnusärztevertreter und bereits mehrfach als Kammerpräsident wiedergewählt haben, sondern weil er sich – meiner persönlichen Meinung nach – zu einer höchst problematischen Schlüsselfigur der Ärzteausbildung entwickelt hat.

Natürlich wäre es einfach mit einem Scherzchen zu beginnen, dass sich sein Verhalten mit seinem klinischen Fach, der Pathologie, schlüssig erklären ließe, jedoch lohnt es sich, sich ernsthafter mit seiner Rolle zu beschäftigen.

Bis zu seiner Promotion 1989 konnte sich der 1962 Geborene offenbar soausgiebig mit der universitären Ausbildung beschäftigen, dass sich der jetzige Oberarzt an der Pathologie der Barmherzigen Schwestern in Linz als Experte für ärztliche Aus- und Weiterbildung wähnt und es ihn in den Bildungsausschuss der Österreichischen Ärztekammer(aktuell Stv. Vorsitzender) und seit 2013 als Präsident des wissenschaftlichen Beirats in die Akademie der Ärzte zog.

Für die Uneingeweihten: Bei der Akademie der Ärzte(http://www.arztakademie.at/home/wir-ueber-uns/mission-paper/) handelt es sich NICHT, wie weiland in der DDR (http://de.wikipedia.org/wiki/Akademie_f%C3%BCr_%C3%84rztliche_Fortbildung_der_DDR) um eine „dem Bundesministerium für Gesundheit unterstellte Einrichtung für die die Weiterbildung im Gesundheits- und Sozialwesen“ sondern um das „Bildungsforum der Österreichischen Ärztekammer und eine Expertenplattform für DFP, Arztprüfungen und ärztliche Fort- und Weiterbildung!„, die aber unter Kontrolle des Bundesministeriums steht. Standespolitisch wollte die ÖÄK gewissen Freiheiten „im übertragenen Wirkungsbereich“ nicht aufgeben und verhindern, dass das Bundesministerium direkt auf diese Agenden Zugriff hat.
Diese (aktuell) als „gemeinnützige GmbH“ geführte Ausgliederung der Österreichischen Ärztekammer vermag sich trotz saftiger Prüfungs- und Akkreditierungsgebühren trotz initial anderslautender Versicherungen nicht selbst finanzieren sondern erhält sich überwiegend durch Kammerbeiträge und sonstige Zahlungen der österr. Ärzteschaft.
Letztendlich hat das Bundesministerium als Behörde weiterhin das Recht Aus- und Weiterbildungsagenden vorzuschreiben, aber daneben erlaubt diese Struktur der ÖÄK Spezialdiplome für „KOMPLEMENTÄRE MEDIZIN DIAGNOSTIK UND THERAPIE NACH DR. F.X. MAYR“ oder für „HOMÖOPATHIE“ (für 44-88€ pro Diplom) unter die Kollegenschaft zu bringen.

Das jetzt kräftig medial bejubelte, interhalb der einzelnen Fachdisziplinen jedoch zum Teil sehr heftig abgelehntepostpromotionelle Ausbildungscurriculum hat Niedermoser in den letzten Jahren gemeinsam mit dem Bundesministerium ausgebrühtet und (auch wenn nach den letzten Wahlen er vom Vorsitz im Bildungsausschuss in die Arztakademie wechseln musste) inzwischen durch alle Gremien der ÖÄK gebracht.
Nur ein Schelm glaubt, dass die in dem Entwurf an allen Ecken und Enden ein- und angeführten „Spezialisierungen“ irgendwetwas mit seiner Zätigkeit in der Österr. Akademie der Ärzte zu tun hat, die langsam zur Gelddruckmaschine „Ärztefortbildung“ nach US-amerikanischem Vorbild(https://medicus58.wordpress.com/2013/04/26/gelddruckmaschine-arztliche-fortbildung/erweitert wird:
Ärzteprüfungen (405 € für den Allgemeinmediziner),
DFP-Fortbildungsprogramme,
ÖÄK Spezialdiplome,
ÖÄK Zertifikate,
ÖÄK-CPD für Gesundheitsökonomie oder Qualitätsmanagement,
e-Learning …

Einen Übeblick finden Sie auf der HP www.arztakademie.at, wo sie auch gleich über ein liebevoll Adventorial genannte Einschaltung der Erste Bank finden, die wiederum gerne ihre Versammlungsräume für verschiedene Sitzungen der Arztakademie zur Verfügung stellt …

Aber zurück zur Person Niedermosers, der neben seinen bisherigenTätigkeiten in der OÖ ÄK noch Zeit findet
Leiter folgender ÖÄK-Referate
Grundlagenarbeit und gesundheitspolitische Analysen
Lehrpraxis
Kurmedizin und Wellness
Qualitätssicherung und Management
zu sein und
„Mitglied in div. Gremien und Arbeitskreisen im Ministerium“ ist (http://www.aekooe.or.at/cms/fileadmin/AErztekammer/Lebenlaeufe_Funktionaere/Lebenslauf.pdf)

Für seine Medienkontakte ist seine Verbindung mit einer Journalistin des Volksblatts sicher auch nicht hinderlich, die wiederum 2009 von der Oberösterreichischen (!) Apothekerkammer für besondere journalistische Leistungen im Gesundheitsbereich ausgezeichnet wurde (http://derstandard.at/1246541277616/Valentin-Ladenbauer-Journalistenpreis-2009-fuer-derStandardat-Gesundheit).

Niedermosers Engagement für die ärztliche Fortbildung brachte ihn natürlich auch an die Linzer Meduni:

Selbstverständlich unterzeichnete er beim Verein „Förderer der Meduni Linz OÖ“ (http://www.meduni-linzooe.at/home/) verlinkte dessen HP auf der offiziellen HP Der OÖ Ärztekammer. Bereits im Vorfeld trommelte er in seiner Eigenschaft als Präsident in der Arztakademie in Interviews für die Notwendigkeit“ einer Linzer Meduni
(http://medmed-dev36-1.aura-software.com/2013/niedermoser-interview/) und ist Mitglied im

Praktisch, dass auch das Volksblatt (http://www.meduni-linzooe.at/_data/container/container_21/Pdf.52/Volksblatt_5.3.2014_001.jpg) darauf hinweisen kann, dass die GESPAG, der Spitalsträger des Landes OÖ (wie schon das Burgenland) 94 € der Teilnahmegebühr für die Paukerkurse vor den Medizin-Aufnahmetests fördert, natürlich nur für Oberösterreicher.

Niedermoser hat sicher kein Problem damit, dass man Maturanten ein bißchen zur Kasse bittet, wenn er schon Medizin studieren will, denn in dem oben verlinkten interview hat er ja auch zugegeben, dass er nicht mehr zu seiner früheren Meinung steht, dass man für die Arztprüfungen nicht extra lernen muss, wenn man gut ausgebildet ist, sondern ruhig was dazulernen soll: Bei Kammerveranstaltungen verteidigte er gerne sein modulares Ärzteausbildungssystem, weil „wir uns ja alle selbst belogen haben, wenn wir glaubten einen Facharzt in allem ausbilden zu können“ und schloss mehrfach mit den Worten, dass „sich der fertige Facharzt halt dann die Qualifikationen (Module) zukaufen (sic) muss“, die er im Rahmen der Fachausbildung jetzt nicht hat [weil er auf Wunsch der Landespolitiker halt in einem kleinen Spital ausgebildet wurde das das nicht anbieten kann!].

Niedermoser hat also ein lückenhaftes, pardon modulares Ausbildungssystem für Ärzte durchgeboxt, das in Zukunft den Bedarf nach den von „seiner“ Arztakademie angebotenen „Zertifikaten und Diplomen“ steigern wird und war eine wesentliche Triebfeder dafür, dass durch das regionale Prestigeprojekt Meduni Linz genügend „studierte Mediziner“ produziert werden, denen wenig „Prügel in den Weg gelegt werden sollen, damit sie nach dem Facharztabschluss rasch ins EU Ausland emigrieren können“.

Da drängt sich mir schon die alte Frage Matt Biancos auf:
Who’s side are you on?
Weitere Links zum Thema:

Niedermoser: „Wir passen die österr. Ausbildungsordnung an die deutsche an, damit für die migrationswilligen österreichischen Kollegen keine Schwierigkeiten entstehen.“
Bei uns im Gesundheitswesen ist täglich Fasching
http://wp.me/p1kfuX-Ls

Niedermoser lädt vor drei Jahren im Zuge der tschechischen Ärztestreiks die dortigen Kollegen ein in Österreich freie Arztstellen einzunehmen: So sparen im Gesundheitssystem
http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=33516

Ärzteausbildung revisited oder leckt’s mich am 15a
http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=103603

Die Uni brennt und im Spital raucht’s auch http://wp.me/p1kfuX-fK

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Written by medicus58

13. März 2014 um 16:00

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