Sprechstunde

über alles was uns krank macht

Was sagt uns Diskrepanz zwischen erzielbarem Einkommen und Therapiekosten?

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Malignom

Gegenrechnungen im Pensionssystem haben bislang noch niemanden wirklich aufgeschreckt, dass wir weniger Jahre erwerbstätig und abgabenpflichtig sind, als wir uns Zuwendungen aus dem Sozial- und Pensionssystem wird von den politischen Entscheidungsträgern noch kaum, mit jedoch einem gewissen Links-zu-Rechts-Gradienten, den Wahlberechtigten offen mitgeteilt. Ehe sich nun die rechtskonservativen Recken auf die Brust schlagen, die haben in den letzten Jahrzehnten das zwar dem p.t. Publikum wirklich deutlicher kommuniziert, jedoch eher um an noch brach liegendes Geld zu kommen, um das Spekulationskasino der Finanzindustrie (Stichwort: steuerbegünstigte Pensionsversicherungen) zu beleben.
Hier soll es aber um eine andere Gegenrechnung gehen: die Diskrepanz zwischen versprochener „Gesundheitsvorsorge“ und dem „Mindestlohn“.
Mindestlöhne wurden seit Ende des 19. Jahrhunderts erkämpft, um in Zeiten großer Konkurrenz auf dem Arbeitsmarkt eine gegenseitige Kanibalisierung der unselbstständig Erwerbstätigen zu verhindern. Heute existieren entsprechende Regelungen in 21 der 28 Länder der EU, wobei die Tücke im Detail liegt. In Österreich gelten Mindestlöhne nur für jene Branchen, für die Kollektivverträge verhandelt werden, Organisationen, die kein Mitglied der Wirtschaftskammer sind (NGOs, Ich-AGs,  atypische Dienstverhältnisse, …) unterliegen keinen Kollektivverträgen und die dort Beschäftigten haben somit kein Anrecht auf einen Mindestlohn. Bisherige Vorschläge oszillieren um 1.000€ Monatsbruttolohn für Vollbeschäftigte. In den deutschen Koalitionsverhandlungen sprach man zuletzt von einem Mindeststundenlohn von 8,50 €. Das entspricht bei einer durchschnittlichen monatlichen Arbeitsleistung von 174 h einem Monatsbruttolohn von etwa 1400€. Für die weitere Diskussion sind hier Cents unerheblich.

Wenn wir uns die neuen Therapeutika in der Onkologie ansehen, die monatliche Therapiekosten von 4000€ für neue targeted therapies umfassen und additiv noch die Kosten für die Begleitmedikation und Diagnostik dazu kommen, zeigt sich die enorme Diskrepanz sehr deutlich.
Im Gesundheitssystem versprechen wir den Menschen moderne Therapien, die das Mehrfache von dem kosten, was sie mit ihrer beruflichen Tätigkeit verdienen können. Da die Beiträge für das Gesundheitssystem an das monatliche Erwerbseinkommen gebunden sind (für ASVG Versicherte nur bis zu einer Höchstbemessungsgrundlage, für die viel gescholtenen Beamten jedoch ohne Höchstbeitragsgrenze!) kann sich das nicht ausgehen.
Bei all den aktuellen politischen Mietmäulern wird diese Diskrepanz stets dahingehend aufgelöst, dass sie trommeln, dass unser Gesundheitssystem (für die geleisteten Beiträge) zu teuer ist.

Mich wundert, dass noch niemand gesagt hat, dass man uns einfach zu geringe Löhne zahlt, um mit zumutbaren Beiträgen unsere Sozialsysteme finanzieren zu können.

Fragen Sie einmal die Politiker, die Sie gewählt haben, wieso Sie Ihnen versprechen, dass für Ihre Behandlung mehr Geld vorhanden sein soll, als Sie vor Ihrer Erkrankung mit Vollbeschäftigung verdienen können!

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Written by medicus58

27. November 2013 um 20:29

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