Sprechstunde

über alles was uns krank macht

Learn from the Best: Was andere Kammern so treiben

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Apotheker

Heute durfte der Präsident der Österreichischen Ärztekammer in der Pressestunde reden, was aber meiner Meinung nach relativ wenige für die Belange der Ärzteschafft gebracht hat.

Dass sich ein österreichischer Ärztepräsident stets als Vertreter der niedergelassenen Ärzte, i.d.R. der praktischen Ärzte versteht, obwohl die Mehrheit der österreischischen Ärzte heute Fachärzte und primär im Spital angestellt sind, verwunderte kaum; schon eher, mit welcher Scham Wechselberger konkreten Fragen ausweicht:

Er spricht von „anderen“ und nicht von den „Landeshauptleuten„, die seit Jahrzehnten in Wahrheit bestimmen, wo Spitäler errichtet und Großgeräte gekauft werden.
Er stellt zwar einmalig fest, dass es sich bei der Ärztekammer um eine Interessensvertretung handelt, ohne in Erinnerung zu rufen, dass dies wohl auch um die ungleich einflussreichere Wirtschaftskammer handelt, die im Gegensatz zur Ärztekammer in den politischen Entscheidungsprozess eingebunden ist.

Diese Zurückhaltung, die wahren Player im Gesundheitssystem anzusprechen, mag ja als ehrenwert durchgehen, jedoch frage ich mich als Kammerzwangsmitglied, ob ich für meine Kammerumlage einen vernünftigen Gegenwert bekomme.

Dies ist, und ich stehe zu diesem standespolitischen Egoismus, besonders ärgerlich, wenn wir sehen, wie unverschämt andere Interessensvertretungen in der Öffentlichkeit agieren, ohne dass dies offenbar irgendjemand hinsichtlich der zweifelhaften Moral thematisiert.

Augenblicklich kleben allenthalben Plakate von der Apothekerkammer und der Österreichischen Notariatskammer.
Im ersten Fall „verkauft man sich“ in alter Dayli-Manier als Nahversorger, eben als offenbar einziger GESUNDHEITSNahversorger.
Die Notariatskammer wirbt noch unverschämter darum, sich ihrer Dienste für eine Testamenterstellung zu bedienen, also in Analogie als potentieller ABLEBENSNahversorger.

Es sollte sich einmal die Ärztekammer die Frage stellen, weshalb andere Interessensvertretungen derartig unverschämt Werbung für Ihre Dienste betreiben können, in der Öffentlichkeit aber völlig  außer Diskussion stehen.

Mir scheint die Erklärung einfach:
Wenn Ärzte Geld verdienen, geht das i.d.R. nur auf Kosten der Krankenkassen (Schönheitschirurgen, Alternativmediziner, … etc. einmal beiseite gelassen), deshalb stehen wir Ärzte im Visier von Politik, die das verteilen und Wirtschaft, die das im Rahmen der Lohnnebenkosten mitfinanzieren muss.

Den größten Gewinn machen Apotheken mit all den Dingen, die sie ihren Kunden zusätzlich zu den am Rezept vermerkten Medikamenten verkaufen können und das ist Politik und Wirtschaft ja egal.

Die Dienste der Notare werden zwar von der Politik zum Teil vorgeschrieben, aber vom Kunden bezahlt, deshalb ist es ihr auch egal, was und wie die zu ihrem Geld kommen.

Verstehen Sie mich richtig, ich bin es den anderen freien Berufen nicht neidig, was sie und wie sie es verdienen, schließlich tragen sie ein gewisses unternehmerisches Risiko, das, wie beim Kassenarzt, durch ein gesetzliche Konkurenzverbot etwas gemildert wird.

Ich denke nur, dass wir Ärzte einmal die ökonomischen Aspekte unseres Tuns nicht mehr hinter so salbungsvollem Gelaber wie unsere Kammerfunktionäre verstecken sollen und dabei zusehen, wie für viele von uns das Einkommen seit über einem Jahrzehnt keinen echten Wertzuwachs mehr hat, sondern ganz konkret, auch in Konkurrenz zu anderen „freien Berufen und Dienstleistern“ ansprechen.

Das führt dann ganz schnell zu einem Vergleich der Fortbildungsverpflichtung und Übernahme von Haftungen für das Fehlverhalten einzelner Kammermitglieder durch andere Kammern, Frau Dr. Pilz.

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