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Prayer Gauge Debate oder Lässt Gott Dampf ab?

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prayer gauge

Als im Dezember 1871 der Prince of Wales, der spätere Edward VII, vom Typhus befallen wurde, eine Krankheit, an der sein Vater zehn Jahre davor verstorben war, betete die ganze Nation für ihn.

Ob das gekrönte Haupt wegen oder trotz der Bemühungen von Sir William Withey Gull (en.wikipedia.org/wiki/Sir_William_Gull,_1st_Baronet ), einem der prominentesten Schulmediziner der Zeit, überlebte, war Anlass für eine lebhafte Debatte, die als „Prayer-Gauge Debate“ in die Geschichte einging.

Auf der einen Seite stand der Erzbischof von Canterbury, der übrigens das neue Telefonsystem benützte, um besondere Gebete in alle Kirchen seines Einflussgebietes zu tragen.
Auf der Gegenseite stand die Schulmedizin, die sich in dieser Zeit gerade begann als Teil der Naturwissenschaft zu sehen und deren Erkenntnisse zu nutzen.

Letztlich ging es um die Frage, ob sich Gott an die eben gefundenen Naturgesetze halten muss, oder ob Wunder durch die Kraft des gemeinsamen Glaubens eben diese Naturgesetze außer Kraft setzten können.

John Tyndall (en.wikipedia.org/wiki/John_Tyndall ), ein prominenter Physiker, schlug 1872 in einem Artikel in „Contemporary Review einen Test vor, um das Problem einer naturwissenschaftlichen Lösung zuzuführen: The `Prayer for the Sick.’ Hints toward a Serious Attempt to Estimate its Value,“ vol. xx. 205-210“
Er schlug vor, die Gläubigen mögen über einen ausreichend langen Zeitraum für die Heilung einer bestimmten, gut untersuchten Krankheit in einem bestimmten Spital unter der Führung eines anerkannten Mediziners beten. Danach sollte verglichen werden, ob sich die Todesrate in diesem Spital von jener in allen anderen, ebenso gut geführten Spitälern der Nation unterscheidet.
Der Vorschlag wurde heftigst diskutiert, aber nie ausgeführt.

2007 erschien im Med J Aust; 186 (10): 51 ein Artikel (Prayer as medicine: how much have we learned?), der versuchte naturwissenschaftliche Erklärungen für eine von vielen Menschen behauptete gesundheitsfördernde Wirkung des religiösen Gebetes zu finden (https://www.mja.com.au/journal/2007/186/10/prayer-medicine-how-much-have-we-learned).

Auch für ihren damals etwa 10jährigen „Medicus“ haben intensive Gebete zu Pater Pio (de.wikipedia.org/wiki/Pio_von_Pietrelcina) nach Jahren eine Serie von Mittelohrentzündungen beendet.
Die Nachhaltigkeit der Wirkung war so groß, dass es nach Austritt aus dieser Glaubensgemeinschaft noch Jahrzehnte dauerte, bis ich erneut an einer Mittelohrentzündung erkrankte ….

Ob nun der Glaube Berge (oder eben Krankheitserreger) zu versetzten vermag, ist aber gar nicht mein Thema.

Für mich ist diese „Prayer Gauge Debate“ vor allem interessant, da sie aufzeigt, dass man selbst in der Debatte des Göttlichen nicht um die in Logik und Mathematik entwickelten Techniken herumkommt, wenn man Glaube oder Erfahrung objektivieren möchte.

Religionen gibt es viele, Ratio gibt es nur eine.
Techniken um die Aussagen einzelner zu prüfen haben die Religionen keine entwickelt, das mag einen Grund haben.

Das „Gauge“, also Barometer, verdankt der Konflikt übrigens der Hoffnung, man könnte die Wirkung von Gebeten so einfach wie den Dampfdruck messbar machen. Wir befanden uns damals eben auf dem Höhepunkt der industriellen Revolution.

home.comcast.net/~oregonstate-fscf/PrayerGauge_May_29_2012.pdf
www.ccel.org/s/schaff/encyc/encyc09/htm/iv.iv.xv.htm
quod.lib.umich.edu/m/moa/aga3363.0001.001/3

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