Sprechstunde

über alles was uns krank macht

Gesundheitsziele oder was die Telekom mit der Gesundheitsreform zu tun hat

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A1Medizin
Unser, nach Selbstdefinition „einzige unabhängige österreichische Gesundheitsökonom„, Ernest Pichlbauer, überschüttet uns dzt. auf seinem Blog (http://www.rezeptblog.at/) in der Wiener Zeitung und Ärztezeitung mit Vorschlägen, wie die Konzepte der aktuellen Gesundheitsreform mit Zahlen zu füllen sind.

Mit beachtlichem Fleiß wird hier Schritt für Schritt das gesamte Krankheitsspektrum abgearbeitet:

„Konkretisierung der Gesundheitsreform – COPD“
http://www.rezeptblog.at/konkretisierung-der-gesundheitsreform-copd/

„Konkretisierung der Gesundheitsreform – chronisch entzündliche Darmerkrankungen“
http://www.rezeptblog.at/konkretisierung-der-gesundheitsreform-chronisch-entzundliche-darmerkrankungen/

„Die Konkretisierung der Gesundheitsreform – Diabetes“
http://www.rezeptblog.at/die-konkretisierung-der-gesundheitsreform-diabetes/

Das Prinzip ist ziemlich einheitlich und orietiert sich an der Grundphilosophie des Gesetzgebers, so dass er sich sicher gern des hier vorgerechneten Glasperlenspiels (Hermann Hesse) bedienen wird:

Regionalisierung in die Versorgungsregionen des ÖSG

Weg von der Institutionenorietierung (KH, Ordi) hin zu Best Point of Care

Letztendlich eine Finanzierung, die an die Erfüllung numerischer Zielvorgaben gebunden ist.

Dazwischen ein bißchen epidemiologischer Zahlenspielerei
ein paar meßbare Ziele (weniger Spitalsaufnahmen, mehr Hausarzt, eh klar)
und der Wunsch nach „Bundeszielsteuerungwer, was, wo, wann, an wem zu tun hat unter Aussparung wer das zahlt und ob alle Beteiligten (Patienten!) da mitmachen: 

Fertig ist Utopia!

Dass das alles eigentlich regurgitierter Alter Wein in Englischen Schläuchen ist, habe ich hier schon angerissen (https://medicus58.wordpress.com/2013/05/16/alter-wein-in-englischen-schlauchen-agb-der-gesundheitsreform-mussen-her/), aber deshalb muss es ja noch nicht prinzipiell schlecht sein.

Dass gerade die neoliberaler Seite immer die Unzulänglichkeiten der kommunistischen 5-Jahrespläne, die von der Überzeugung der allumfassenden Planbarkeit getragen wurden, verlachte, hindert im 21.Jahrhundert offenbar niemanden mehr, sich (vielleicht durch etwas regionale Bürokratie, pardon föderalistischer Einflussmöglichkeit) genau auf dieselbe Ideologie zu setzten. 

Gläubige haben schon immer den Tag des Jüngsten Gerichts vorhergesagt
, aber selbst das finde ich aus naturwissenschaftlicher Sicht nicht wirklich problematisch, denn gerade diese lebt ja von der Falsifizierung ihrer Vorhersagen (Popper und der Wiener Kreis http://de.wikipedia.org/wiki/Falsifikationismus).

Würde man all diese Spielerein allein für die wichtigsten Krankheiten durchspielen, so wie es sich die Gesundheitspolitik dzt. offenbar vornimmt, entstünde ein Regelwerk, dessen Komplexizität die EU-Bürokratie verblassen ließe.

Wo’s meiner Meinung nach wirklich hakt, ist die Außerachtlassung der jüngsten Erfahrung aus der Wirtschaft, die den Glauben man könne durch numerische Vorgaben ein komplexes, multifaktorielles System „steuern„, schon falsifiziert hat:

Haben wir den alle vergessen, was 2004 bei der Österr. Telekom passiert ist?

Am 26. Februar 2004 durchbrach die Telekom-Aktie auf wundersame Weise die Marke von 11,70 Euro. Die Folge: Rund 100 Führungskräfte erhielten insgesamt knapp zehn Millionen Euro.
Beim Telekom-Börsengang im Jahr 2000 war ein Plan geschaffen worden, der Führungskräften die Option einräumte, weitere Aktien zum Ausgabepreis von 9 Euro zu kaufen. Bedingung: Der Kurs musste an fünf Handelstagen im Februar 2004 um 30 Prozent über dem Ausgabekurs, also über 11,70 Euro, liegen.

http://diepresse.com/home/wirtschaft/economist/1343298/TelekomProzess_Worum-es-geht?_vl_backlink=/home/wirtschaft/economist/1342997/index.do&direct=1342997

Auch wenn es ungeheuer logisch scheint, komplexe Prozesse über ein Belohnungssystem für die Erreichung quantifizierbarer Ergebnisse zu steuern, zeigt die Praxis, dass die Ziele dann mit Mitteln erreicht werden, die anders sind, als es sich die Auftraggeber vorgestellt haben.

Auch im Bereich der Medizin ist es sehr einfach Zielvorgaben wie Komplikations- und Hospitalisierungsraten durch spezielle Strategien zur Patientenselektion zu umgehen und genau das passierte bereits mit der Leistungsorientierte Krankenanstaltenfinanzierung (http://de.wikipedia.org/wiki/Leistungsorientierte_Krankenanstaltenfinanzierung).

Auch wenn weniger damit zu verdienen ist, als durch Kursmanipulationen der Telekom, wird dieser Weg der Zielsteuerung auch im Gesundheitssystem dieses nicht verbessern sondern nur manipulieren.

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Written by medicus58

10. Juni 2013 um 17:04

5 Antworten

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  1. Und wenn alles bleibt wie es ist, ist es gut! Ein bisschen mehr von den suessen steuergeldern kann es schon sein, vor allem dort, wo Eminenzen meinen es muesste schon sein, will man, dass es bleibt wie es ist- perfekt!
    Gesendet mit BlackBerry® Webmail von T-Mobile

    ernest_pichlbauer@yahoo.de

    10. Juni 2013 at 20:40

    • Sagt ja keiner, aber nicht alles was anders ist, ist besser. Und all die gesundheitsökonomischen Eminenzen zahlt auch der Steuerzahler, das Argument geht ins Leere.

      medicus58

      10. Juni 2013 at 21:31

      • Und die ganze Welt ist Saubloed, weil sie so denkt und handelt wie versorgungswissenschafter es empfehlen! OECD, WHO EU-Kommission sind eben allessamt unterwandert von eminenzbasiert argumentierenden gesundheitsoekonomen, die zu dumm sind die Allgemein bekannte Tatsache das gesundheitssysteme Komplex sind, aber Gott sei dank von so weisen Aerzten ohne jeglichen sophistischen Hauch belehrt werden koennen-aeh koennten, wenn sie nicht so ignorant waeren. Und Btw. Haettest du mein Buch gelesen, wuesstest du, dass komplexe System nur von komplexen Instrumenten gesteuert werden koennen, von denen es nur zwei gibt: Deokratie und makrt! Aber mir ist klar, dass wohl beide irgendwie fad sind,

        EPichlbauer

        10. Juni 2013 at 21:41

      • „die ganze Welt ist Saubloed“ = Fliegen können nicht irren
        „Haettest du mein Buch gelesen“ = Productplacement
        „De(m)okratie und ma(r)kt … irgendwie fad“ = also die „Steuerungsfähigkeit der Märkte“ ist nicht fad und beschäftigt uns seit zuletzt 2008 mit ihren Folgen; für beide im Hinblick auf die Medizin gilt (ebenso wie für alle Dinge, die gewisses Vorwissen voraussetzen), dass den Teilnehmern eine wesentliche Entscheidungsgrundvoraussetzung fehlt, eben die volle Information. Damit Du gleich wieder mit der Eminenzkeule kommen kannst (die wirklich schon fad ist), halte ich es für eine Verarschung uns allen einzureden, dass wir überall gleichberechtigt „mitreden“ müssen. Für „dürfen“ bin ich natürlich, sollen ist aber eine andere Frage.
        Wenn Du nun mit der ebenfalls aktuellen Keule „Health Literacy“ konnterst, dann komtm mir das so vor, wie wenn Dir der Zeilinger zuerst seine Formeln vorlegt und Du und ich und der Rest von Österreich entscheiden sollen, ob er seine quantenmechanischen Versuche fortsetzen darf.

        Alles worauf ich hinweisen wollte, und das scheint ja getroffen zu haben, war, dass sich das „von aller Welt“ gepriesene Steuerungselement als problematisch erwiesen hat und ich deshalb (Schwarzer Schwan: eine Falsifikation widerlegt bekanntlich jede Theorie) davor warne dies mit enormem Aufwand zu verschwubeln.

        Ich habe natürlich auch nicht den Stein der Weisen ausgebuddelt, aber in Zeiten klammster Budgets halte ich es für äußerst problematisch unser Geld in versorgungswissenschaftliche Luftschlösser zu investieren; ich lebe aber auch nicht davon 😉

        medicus58

        11. Juni 2013 at 08:36

  2. Und wenn alles bleibt wie es ist, ist es gut! Ein bisschen mehr von den suessen steuergeldern kann es schon sein, vor allem dort, wo Eminenzen meinen es muesste schon sein, will man, dass es bleibt wie es ist- perfekt!

    EPichlbauer

    10. Juni 2013 at 21:32


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