Sprechstunde

über alles was uns krank macht

Huch, Menschenversuche an Ossis …

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Welt

Der nächste Skandal: Der aktuelle Spiegel berichtet, dass westliche Pharmakonzerne in mehr als 50 DDR-Kliniken über 600 Medikamentenstudien in Auftrag gegeben hat (http://www.spiegel.de/wissenschaft/medizin/west-pharmakonzerne-betrieben-menschenversuche-in-der-ddr-a-899306.html) und schließt mit der Bemerkung, dass der Verband Forschender Arzneimittelhersteller „bisher keine Verdachtsmomente, dass irgendetwas faul gewesen wäre“ sieht.
Eine Skandalüberschrift „West-Pharmafirmen betrieben Menschenversuche in der DDR“, nur leider 24 Jahre zu spät.

Irgendwie kotzt mich (siehe http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=92622) unsere nachhinkende Aufarbeitung der Vergangenheit zunehmend an, weil sie sich mutig gibt ohne es zu sein.

Wo werden denn heute die gesetzlich vorgeschriebenen Versuchsreihen durchgeführt?

Indien: Kinder als Versuchskaninchen :Tragödie in einer bekannten indischen Klinik: Bei medizinischen Testreihen sind 49 Babys ums Leben gekommen. Die Auftraggeber waren westliche Pharmafirmen. http://www.sueddeutsche.de/panorama/indischer-pharma-skandal-kinder-als-versuchskaninchen-1.704679

Nigeria: Pfizer wegen Versuchen an Kindern verklagt: Das afrikanische Land Nigeria fordert sieben Milliarden Dollar Schadenersatz: Der weltgrößte Pharmakonzern soll Mitte der 90er-Jahre ein nicht zugelassenes Medikament an Kindern getestet haben – von denen mehrere starben. http://www.welt.de/wirtschaft/article921876/Pfizer-wegen-Versuchen-an-Kindern-verklagt.html

Provoziert der Ruf nach immer mehr „Forschung“ an immer mehr Subgruppen (Kinder, Jugendliche, Senioren, Männer, Frauen, …) nicht gerade die Fülle an Studien, für die sich kaum genügend Probanden finden lassen?

Ist es nicht nur natürlich, dass börsennotierte Unternehmen diese Studien in den Niedrigpreis-Regionen der Welt durchführen, um die dadurch evidenzbasierten Produkte in den Hochpreis-Regionen absetzen zu dürfen?

Wäre es nicht auch ergiebiger, die Verbindung zu einem anderen uns gerade schockierenden Skandal herzustellen: Fabrikeinsturz in Bangladesch: Zahl der Toten steigt auf über 1000 http://www.spiegel.de/panorama/fabrikeinsturz-in-bangladesch-zahl-der-toten-steigt-auf-ueber-1000-a-899008.html

Im Gegensatz zum Nobelpreisträger Mohammed Yunus sehen wir hier nicht das „Scheitern einer Nation“ sondern die Entlarvung unserer Illusion einer schrankenlosen Globalisierung, die in Wahrheit nur überleben kann, solange sie ihre Kosten in die Zweite und Dritte Welt auslagert, in der andere Gesetze gelten. Damit entspricht sie der neoliberalen Illusion, dass Konkurrenz nicht zum Monopolismus führt. Letztendlich sind diese scheinbaren Erungenschaften des letzten Jahrhunderts nichts anderes als der Kolonialismus früherer Jahrhunderte in neuem Gewand, nur eben um einen Deut weiterentwickelt: Die Gewinne werden weder in der Ersten noch Zweiten noch Dritten Welt versteuert sondern praktischerweise offshore.

Schließlich läuft eben alles wieder auf’s Geld hinaus. Wenn nach immer mehr Forschung geschrien wird, sollte auch bedacht werden, dass wir uns auch diesen Aspekt unseres gesellschaftlichen Lebens nur mehr leisten können, wenn wir nicht so genau schauen, wie er erbracht wird. Das wird auch ein „Fair-Trade-Zeichen“ für die wissenschaftliche Forschung nicht ändern, sollte das einmal kommen. Auch auf dem Billig-T-Shirt der großen Modeketten, die in Bangladesh nähen lassen, prangen diverse derartiger „Zertifikate“.

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