Sprechstunde

über alles was uns krank macht

Zu groß oder zu klein, der Prinz? Ich bevorzuge de Sade.

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Schlange_Hut

In diesen Tagen feiern wir den 70. „Geburtstag“ des Kleinen Prinzen (http://www.wienerzeitung.at/nachrichten/kultur/mehr_kultur/537605_Vor-70-Jahren-erschien-erstmals-Antoine-de-Saint-Exuperys-Der-kleine-Prinz.html).
Es überrascht wohl kaum, dass auch ich mich irgendwann einmal nicht mehr des bürgelichen Bildungskanons entziehen konnte und Saint-Exupérys Erzählung gelesen habe, natürlich schon als Erwachsener und:
Viele der Gedanken haben auch mir gefallen
.

Dies allein ist wohl kaum einen Blogeintrag wert (als ob es dafür irgendeiner Rechtfertigung bedürfte). Eher schon, als ich Jahre später hörte, dass auch der damalige Bundeskanzler Wolfgang Schüssel (http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=33582)  „Den kleinen Prinzen“ als sein Lieblingsbuch angab, so wie übrigens überraschend viele Politiker von zweifelhafter Moral (http://derstandard.at/1277337364535/Die-Lieblingsbuecher-der-Politiker).
Nun muss man wissen, dass dieses kleine Bändchen gemeinsam mit Bibel, Maos Zitaten, dem Kommunistischen Manifest und dem Koran zu den meistverkauften Büchern der Welt gehört. Auch die meisten anderen Bücher in den oberen Rängen dieser Liste (http://de.wikipedia.org/wiki/Liste_erfolgreicher_B%C3%BCcher_nach_gedruckten_Exemplaren) zeichnen sich durch wahres Gutmenschentum, höchste Moralansprüche, OK, Der Da Vici Code und Der Pate mögen auf den ersten Blick Ausnahmen darstellen.
Weshalb nehmen wir alle die Bücher, die uns ganz genau sagen, wo’s lang gehen soll, so gerne auf unserem Weg in die Gegenrichtung mit?

Weil wir unseren Kant noch immer nicht verstanden haben oder weil uns das Wissen um das richtige Handeln unheimlich beruhigt, wenn wir die Verbrennungsöfen anheizen?

Nachträglich bedauere ich es noch immer, dass mir „Justine oder vom Missgeschick der Tugend“ des Marquis de Sade von der Leseliste meiner Deutschmatura gestrichen wurde. Die wahren Moralisten machen uns grausen und zeigen uns wie wir denken und handeln, mit den allzeit beliebten Wohlfühldichtern, kommen wir nicht weiter, die helfen uns nur unsere blutigen Spuren zu verwischen. Das richtet sich nicht gegen Saint-Exupéry, aber gegen seine Leser.

Written by medicus58

13. April 2013 um 17:48

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