Sprechstunde

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Schau, da vögelt Opa und Oma im Museum

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hagen

Das Naturhistorischen Museum fettet sein klammes Budget durch einen programmierten Publikumsrenner auf:
NHM-Generaldirektor Univ. Prof. Dr. Christian Köberl meint: „Nach dem großen Erfolg der “KÖRPERWELTEN der Tiere” von 2010/11 wird auch diese Ausstellung das Naturhistorische Museum erneut ins Zentrum des Wiener Publikumsinteresses stellen.“ Plastinator Hagen drapiert plastinierte Leichen in (anatomisch) unnatürlichen Darstellungen und peppt, dem Zwang der Reizsteigerung olgend, seine seit 1996 bestehende Wandershow nunmehr auch mit kopulierenden Körpern auf: Von Hagens zeigt Tote beim Sex http://www.welt.de/videos/wissen_original/article3687402/Von-Hagens-zeigt-Tote-beim-Sex.html Körperwelten „Sex-Leichen“: Wer waren die beiden Exponate und woran litten sie? http://www.shortnews.de/id/763534/koerperwelten-sex-leichen-wer-waren-die-beiden-exponate-und-woran-litten-sie

Nun mag der Leser seinem „Medicus„, der noch nach der ur-alten Studienordnung viele Wochen in anatomischen und pathologischen Seziersälen verbrachte glauben, dass ihn die Sache an sich nicht schockiert.
Von den unzähligen Anekdoten mit den Toten im Seziersaal habe ich natürlich auch einige erlebt. und meinen Künsten versehentlich zerschnittene Gelenkskapseln und Gefäße mit Nagellack zu „flicken“ verdankte nicht nur ich im Sezierkurs eine bessere Benotung beim Abschlusstestat…
Darum geht es auch nicht.
Auch die Zurschaustellung von menschlichen Präparaten, Mumien, Leichenteilen, Fotos von Verbrechensopfern, selbst wenn sie häufig den Voyeurismus des Publikums bedient, spielt meines Erachtens in einer anderen Liga.
Das Perverse (http://de.wikipedia.org/wiki/Perversion) an diesen Machwerken ist die „Verdrehung“ der menschlichen Körper in Aktionen, die ihrem realen Sein nicht entsprechen:
Das sterbende Lungenkarzinom vögelt nicht, es hustet, blutet, erstickt … Das Perverse ist die „Umkehrung“ normaler anatomischer Verhältnisse:
Muskelt flattern nicht „gebetsfahnenartig“ um den Körper herum …

Selbstverständlich haben die verwendeten Menschen rechtlich bindend ihrer Nachverwendung zugestimmt; die Zeiten, wo Hagen sich den Vorwürfen stellen musste, er würde die Körper zum Tode verurteilter Chinesen plastinieren sind vorbei.

Das Geschwätz, das er über seine 2volksbildnerische“ oder „künstlerische“ Absichten absondert mag man getrost vergessen. Dass ein Österreichisches Bundesmuseum die Bühne für diese Schau abgibt halte ich für diskussionswürdig.
All denen, die behaupten, ihr Besuch würde nur ihr anatomisches Interesse zeigen, sei das Josephinum in Wien ans Herz gelegt:
Kaiser Josephs II. war begeistert von den anatomischen Wachsmodellen im „Reale Museo di Fisica e Storia Naturale“ („La Specola“) in Florenz und bestellte für die Weiterbildung seiner Ärzte und Geburtshelfer anatomischen und geburtshilflichen Wachsmodellen, die von 1784 bis 1788 in Florenz hergestellt wurden. http://www.josephinum.meduniwien.ac.at/josephinum/museum-im-josephinum/

Das wirklich sehenswerte Josephinum können Sie übrigens für ca. ein Drittel des Eintrittspreises sehen, den ihnen Hagen und das Naturhistorische Museum abknöpft ….

Written by medicus58

13. März 2013 um 20:39

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