Sprechstunde

über alles was uns krank macht

Statistiknachhilfe für Krankenkasse oder verschaukelt man uns bewußt?

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Spitalsbett

Die heutige Ausgabe der U-Bahnzeitung HEUTE  zitiert die Wiener Gebietskrankenkasse mit dem Aufschrei,
dass bei den 1,08 Millionen Krankmeldungen des Vorjahres in bis zu 400.000 Fällen getrickst worden sein.
Gefolgt wurde die Schlußrechnung von hochgerechneten 720 Millionen € die die Firmen für blau feiernde Mitarbeiter gezahlt hätten.
http://www.heute.at/news/wirtschaft/art23662,845014

Im ORF liest sich das ganz anders:
Wiener weniger und kürzer im Krankenstand
(http://wien.orf.at/news/stories/2566406/)
und passt auch in den Trend, so wie er von der Wiener Gebietskrankenkasse auf ihrer Homepage gezeigt wird:
WGKK: Krankenstände 2010 deutlich unter Vorjahresniveau
http://www.wgkk.at/portal27/portal/wgkkportal/channel_content/cmsWindow;jsessionid=2BDC368095584A5FA34EF24E295536AF.jbport_271_1a?p_pubid=646355&action=2&p_menuid=73055&p_tabid=2

Dass die Gratiszeitung, die ausschließlich von bezahlten Inseraten lebt, aus eigenen Stücken ihre einziges Kapital, also ihre Leser vergrault, mag bezweifelt werden.
Doch wo liegt der Hund in dieser Meldung?
Ganz einfach, hier werden wie immer im Gesundheitswesen ein paar fundamentale Regeln der Statistik (bewußt?) mißachtet und hemmungslos extrapoliert, damit man zu der beabsichtigten Message kommt.

Von den 37% Prozent der im Zuge der Nachkontrollen aufgeflogenen Betrugsfälle zu schliessen, dass dieser Prozentsatz an Betrug für alle 1,08 Millionen Krankenstandsmeldungen gilt, ist einfach aber falsch.
Wir wissen alle, dass es zu den Kontrollbesuchen nicht nur per Zufall kommt, sondern in erster Linie bei „auffälligen“ Fällen: Langzeitkrankenständen, häufigen Krankenständen, saisonal in bestimmten Berufen, nach „Warnung“ Dritter, … etc.
Mit anderen Worten, ich darf davon ausgehen, dass ich bei den kontrollierten ein nicht repräsentatives Sample untersuche, so wie wenn ich die Hausübungshefte nur derer kontrolliere, die in dem bestimmten Gegensatand schon in der Vergangenheit bekannt schlecht sind. D.h. die Vortestwahrscheinlichkeit, dass ich hier Fehler finde ist überdurchschnittlich hoch.
Davon auszugehen, dass die Fehlerhäufigkeit in den Hausübungen aller Schüler, also der Mischung aus guten, mittelmäßigen und schlechten Schülern, ebenso hoch ist, ist eigentlich so dumm, dass es einem beruflich mit Statistik hantierenden Unternehmen nicht unabsichtlich passieren kann, auch wenn man angesichts der regelhaften Horrormeldungen über drohende Defizite zu Jahresmitte und nachfolgendem Jubel über ein kleines Plus nach Jahresabschluss (http://www.news.at/a/krankenkassen-kassen-gewinn-fuer-2012, http://diepresse.com/home/politik/innenpolitik/747867/Musterschueler_Krankenkassen-uebererfuellen-Finanzziele) auch daran zweifeln kann.

Written by medicus58

22. Januar 2013 um 17:45

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