Sprechstunde

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Der Teufel mit dem Belzebub ausgetrieben: CT Screening

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Alljährlich im November pilgert die radiologische Welt in das kalte, windige Chicago um am Kongress der RSNA das neueste Wissen auszutauschen.

Wie es sich für jeden guten Kongress gehört, müssen auch knackige Erkenntnisse an die Presse weitergegeben werden. 
Der neueste Aufreger ist:

Breast Cancer Risk Estimates Increased with Repeated Prior CT and Nuclear Imaging 

also sinngemäß: 
Wiederholte Computertomografie- und nuklearmedizinische Untersuchungen erhöhen das Risiko für Brustkrebs.
http://www2.rsna.org/timssnet/media/pressreleases/pr_target.cfm?ID=639 

Kurz zusammen gefasst fanden die Autoren bei Frauen, die aus verschiedenen Gründen eine oder mehrere dieser Untersuchungen erhielten, bei denen ihr Brustgewebe ionisierenden Strahlen ausgesetzt wurde, ein höheres Risiko an Brustkrebs zu erkranken.

Abstract im Original: 
http://rsna2012.rsna.org/search/event_display.cfm?em_id=12035878&EmbargoedAbstract=true&printmode=1

Diese Studie reiht sich in Dutzende vergleichbare Studien ein, die in den letzten Jahren publiziert wurden (z.B. mehr Hirntumore bei Kindern, die CTs erhielten, Zunahme der Karzinomhäufigkeit bei Dialysepatienten durch häufigere Koronar-CTs, … etc.), die zwar methodisch angreifbar, aber letztendlich einen solchen Zusammenhang herstellten..

Das Bemerkenswerte dieser Ergebnisse ist nicht so sehr, dass es einen Zusammenhang zwischen Krebsrisiko und ionisierender Strahlung gibt, 
das ist seit mindestens einem Jahrhundert bekannt, 
sondern, dass in sehr heterogenen Kollektiven, von denen oft auch nicht alle relevanten Daten vorliegen dieser Zusammenhang auch für sehr kleiner Dosen ( z.B. < 50 mSv Effektivdosis) nachweisbar sein soll.

Thus a child or young adult who undergoes two or more chest or cardiac CTs more than doubles her 10-year risk of breast cancer. 
Ein junges Mädchen verdoppelt durch 2 oder mehr Thorax-CTs ihr 10-Jahres Risiko ein Mammakarzinom zu entwickeln.

Es gibt viele Gründe, weshalb gerade in den letzten Jahren diese Art von Studien in großer Zahl erscheinen. Die Zugänglichkeit der Daten durch die elektronischen Krankenakten (E-Health) ist definitiv ein Faktor, aber natürlich auch ein wesentlicher Kritikpunkt, da – wie hier schon oft gezeigt – diese Datenbanken viele Fehler beinhalten.
Auch einen Versuch der Krankenversicherungen, die Patienten von immer mehr Untersuchungen abzuhalten, würde ich nicht ausschliessen, hat doch die Anzahl der CT-Untersuchungen weltweit und insbesondere in den USA deutlich (ca. 7%/Jahr) zugenommen.

Gerade in den USA (z.T auch in Japan) wurde und wird der jährliche CAT-Scan oder PET/CT zur Karzinom Früherkennung angeboten und von den Patienten auch selbst bezahlt. Auch in Österreich hat es Werbeaussendungen an zahlungskräftige Zielgruppen (Bankmanager,…) gegeben, die so etwas vorgeschlagen haben.

Wenn Sie mich nun fragen, wie man diese neue Studie den einordnen soll, dann ist meine Antwort sehr einfach:

Bei jeder von einem Facharzt aus medizinischen (nicht ökonomischen Gründen) indizierte Untersuchung mit ionisierenden Strahlen überwiegt der mögliche Nutzen (Bestätigung oder Ausschluss eines schweren Verdachts) das (wie niedrig auch imemr anzusetzende Gesundheitsrisiko.

Jede unnötige Anwendung von ionisierenden Strahlen, 
weil es der Patient verlangt 
(z.B. Eltern nach Sturz ihres Säuglings aus dem Bettchen),
weil es der Zuweiser verlangt
(z.B. weil er wo gelesen hat, dass man das nun macht)
weil es der Verwalter will
(z.B. weil sich sonst das Gerät nicht amortisiert)
ist von den dafür ausgebildeten Fachärzten zu untersagen.

Dies finden Sie übrigens schon in der Patientenschutzrichtlinie EURATOM 97 bzw. in deren Übernahme in das Österreichische Recht.
 
Dies sei auch all unseren Gesundheitsökonomen ins Stammbuch gekritzelt, die glauben, dass sich ärztliche Tätigkeit nur durch die Anzahl der durchgeführten Tätigkeiten messen läßt

Die begründete Ablehnung einer Untersuchung, egal ob dem Zuweiser oder Patienten gegenüber, kostet unendlich mehr Zeit als die Durchführung einer unnötigen Untersuchung, bringt aber kein Geld. 

Sollte vielleicht auch einmal in der Debatte um die Gesundheitsreform berücksichtigt werden ….

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Written by medicus58

28. November 2012 um 16:21

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