Sprechstunde

über alles was uns krank macht

EDV: Supergau im KAV

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So swingend sich die Überschrift dieses Eintrages auch anhört (probieren Sie es einmal laut aus ihn nachzusprechen),
so sehr schwoll das Problem bereits zur unschönen Kakophonie an.

Im Beitrag Risikofaktor medizinische Informatik (http://wp.me/p1kfuX-uw) habe ich schon vor ein paar Tagen
die Kritik des Wiener Kontrollamts zitiert. Die Einführung des IHS-SAP, praktisch der untersten Stufe der Verwaltungssoftware
eines Krankenhauses, wurde wegen  „wackeliger“ Schnittstellen zu einer Fülle alte, selbstgestrickter EDV Module als unzulänglich
kritisiert.
Bei der Ausschreibung der nächsten Stufe der Software, dem sogenannten Impuls-KIS wurden
alte Fehler wiederholt:
zentrale Entscheidungen ohne Rücksichtnahme auf lokale Gegebenheiten gefällt,
der unheimlich angestiegene Aufwand für rein administrative Tätigkeit denen zugeteilt,
die sich eigentlich um den Patienten und nicht die Tastatur kümmern sollten,
die Mitarbeiter mit den Standardantworten der beauftragten Firma
„war nicht Teil des Auftrages“
„wurde zentral anders entschieden“
„werden wir mitnehmen …“

alleine gelassen,
und schließlich die Ergebnisse miserabel verlaufender Teststellungen ignoriert,
und mit enormem Druck von oben (so die Aussage von Firmenangehörigen und der KAV-eigenen IT Abteilung)
der flächendeckenden Roll out in den KAV Häusern begonnen.

Software Manuals? Dass ich nicht lache!
Frontalvorträge und ein paar witzige Videos, die sich die Mitarbeiter während der Dienstzeit geben dürfen,
gehen nicht auf die Fülle der Detailprobleme ein.

Allein der Einstieg in das System dauert zwischen 6 und 8 Minuten, was am Morgen mit einer Tasse Kaffee überbrückt werden kann,
im Notfall aber nur der helle Wahnsinn ist.
Wenn die Anmeldung ihres Kellners an der Registriekasse (i.d.R. durch Magnetkarte oder Schlüssel gelöst) so lange dauern würde, wie dzt. die Anmeldung Ihres Arztes am Terminal, würden österreichische Gastwirtschaften flächendeckend nur mehr kalte Speisen auftragen können!

Welche der Berufsgruppen (Ärzte, MTDs, Pflege, Sekretariat, …) nun welche Eingaben z uerledigen hat ist unklar und in der Praxis oft unlösbar, das wichtige Prozesse (z.B. Konsile durch Diätassistent/in oder Hygiene ) einfach vergessen wurden.

Was früher durch handschriftliche Kürzel innerhalb von Bruchteilen von Sekunden vidiert werden konnte, erfordert immer wieder eine minutenlange Anmeldung im System.
Um das abzukürzen wird schon vereinzelt angedacht, jedem Arzt einen eigenen PC zur Verfügung zu stellen, wofür jedoch der Platz fehlt.
Noch wird unser Vorschlag, dass für jeden Patienten ein PC erforderlich ist, belächelt … 

Eine wackelige EDV erhöht die Gefahr von Patientenverwechslungen: Steht der Curser im falschen Feld liest der Barcodereader einfach einen falschen Patienten ein …
Es gehört zum Standard jeder Patientenbehandlung, sicher zu stellen, dass der Mensch, der vor einem sitzt auch der ist, dessen Ambulanzmappe man in Händen hält., jedoch ist nun ein weiterer Check erforerlich geworden und es ist eine Binsenweisheit, dass die Fehleranfälligkeit eines Systems mit der Anzahl der kritischen Einzelschritte steigt.

Die administration eines einfachen Schrittes, wie der Durchführung einer Ultraschalluntersuchung in der Ambulanz erfordert in diesem System bis zu 50 Mausklicks!

Es vergehen Wochen der abteilungsinternen Auseinandersetzungen, weshalb eine bestimmte Funktionalität,
die schließlich in der Schulung gezeigt wurde, nicht funktioniert, bis sich herausstellt, dass „man/frau“ entschieden hat,
dass dieses Modul auf dieser  Abteilung gar nicht installiert wird.

Die Liste wäre endlos fortzuführen, jedoch drängt sich vorher eine augenfällige Parallele auf:
Der EDV Crash der Bank Austria (http://derstandard.at/1350260586771/Bank-Austria–Albtraum-Heute-Nacht-wieder-offline)

Seit Jahren, in denen ich an den Unzulänglichkeiten der medizinischen Informatik leide, stellte ich mir die Frage, wie es denn andere
systemkritischen EDV-Anwendungen„, wie die von Online-Banken, es schaffen – zumindest nach außen hin „zu funktionieren“.
In einem rezenten Gespräch, das aber vor der EDV Umstellung der Bank Austria geführt wurde, wurde die Vermutung laut,
dass Banken viel weniger Systemwechsel durchführen und im Prinzip noch relativ alte, hardwarenah programmierte Anwendungen nutzen.
(Erinnern Sie sich: Wie oft ist ihnen ein DOS Programm abgestürzt und wie oft die neueste Windosw-Version?)

In Ermangelung eigener Erfahrungen in diesem Bereich kann ich nicht abschätzen, ob diese These stimmt, die augenblicklichen Probleme
der Bank Austria, die offenbar unter Druck auf die EDV der ital. Mutter Unicredit umsteigen musste, scheinen mir aber als Bestätigung.

Wenn uns in dem Standard-Interview aber versichert wird, dass die Steuerungssysteme der Bank für Controlling und Risikoabschätzung aber funktionieren,
dann kommt doch auch kein gutes Gefühl auf. Es gilt inzwischen als mehrfach bewiesen, dass Software für den automatisierten Börsenhandel zu krisenhaften
Marktverschiebungen geführt hat …

Zurück zur Spitals-EDV:
Wann lernen wir etwas daraus und lassen unsere Softwarefirmen nicht länger unter den Augen völlig unbedarfter Laien in systemkritischen Bereichen wie z.B. einem Krankenhaus, nach ihren eigenen Regeln schalten und walten?
Im Augenblick tragen wir Ärzte die Letztverantwortung für patientengefährdende Unzulänglichkeiten der Software.
Das sich dies immer mehr bewußt werden, wächst der Ärger über das System stündlich …

Links:
EURO DREI AUS http://wp.me/p1kfuX-kB
VI Control-Alt-Delete : Be patient, patient. http://wp.me/p1kfuX-hl

Written by medicus58

8. November 2012 um 07:15

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