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Die Gesichter des Gustav Meyrink

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Gustav Meyrink (19. 1. 1868 Wien – 4. 12. 1932 in Starnberg), ein österreichischer Schriftsteller, der für mich einer der wenigen wirklichen Dichter ohne Personalstil oder vielleicht sogar einer der ganz wenigen, die je nach Bedarf beliebig über den Stil verfügen konnte, den er für seine augenblickliche Tätigkeit benötigte.
Mag sein, dass er sich diese Fähigkeit auch durch seine umfangreiche Tätigkeiten als Redakteur des „Lieber Augustin“ und des „Wr. Simplicissimus„, als Übersetzer von Dickens und Kipling oder in einen eigenen, so unterschiedlichen Werken wie des höchst amüsanten Satiresammlung „Des Deutschen Spießers Wunderhorn“ , und seinem vermutlich bekanntesten Werk, dem Roman „Der Golem„.
Wenn die Wiki ihn mit einem Zitat als Vorgänger eines Jorge Luis Borges (http://de.wikipedia.org/wiki/Jorge_Luis_Borges) bezeichnet, liegt sie nicht meiner Meinung nach nicht falsch, wenn sich auch Borges nicht so sehr für Okkultes interessierte und als Persön kaum mit dem „Bürgerschreck“ Meyrink vergleichbar war. Da schon eher mit E. A. Poe. Fünf Jahre vor seinem Tode konvertierte er zum Buddhismus.
http://de.wikipedia.org/wiki/Gustav_Meyrink
http://www.zeno.org/Literatur/M/Meyrink,+Gustav/Biographie

Die Erzählungen aus des Deutschen Spießers Wunderhorn sind im WWW abrufbar. Ein netter Einstieg ist zum Beispiel die Aufklärung der Frage: Wozu dient eigentlich weißer Hundedreck? http://gutenberg.spiegel.de/buch/1565/19
Härteren Stoff böte da schon: Das verdunstete Gehirn. Dem Schuster Voigt in Ehrfurcht gewidmet http://literaturnetz.org/6185

Über seinen Roman „Der Golem“ ist eine Magisterarbeit abrufbar: http://publikationen.ub.uni-frankfurt.de/frontdoor/index/index/docId/4302
Was mir so beim Durch-googeln aufgefallen ist, dass Meirink offenbar als phantastischer und okkulter Autor abgestempelt ist und sehr häufig auch mit E.T.Hoffmann (http://de.wikipedia.org/wiki/E._T._A._Hoffmann ) genannt wird. Als ich vor vielen Jahren Meyrink erstmal gelesen habe, waren mir Hoffmanns Werke sicher noch besser im Gedächtnis als heute, aber diese Analogie kam mir eigentlich nie in den Sinn. Borges und Poe passen hier wirklich besser, denn hinter und über all dem Phantastischen in Meyrinks Werk schien mir immer (vielleicht durch das „Wunderhorn“ gebahnt) eine zwar sehr ernsthafte Beschäftigung mit der Materie, aber letztlich auch immer eine kritische Distanz zu spüren, die in jedem Augenblick feststellen konnte, dass das auch alles ganz anders sein hätte können. Meyrinks meandrieren zwischen theosophischen Vereinigungen und Religionen passen m.E. auch sehr gut dazu.

Wenn ich mich nicht richtig erinnere erzählt Torberg in seiner „Tante Jolesch“ eine witzige Meyrink Anekdote:
Da er sich bei seinen Grenzübertritten immer über das Durchwühlen seiner Koffer ärgerte, beschloss er einmal seine Koffer mit frisch gewaschener, ungebügelter Wäsche so randvoll wie möglich zu packen, um dann den Zöllnern zu versichern, dass er zwar nichts zu verzollen hätte, aber er darauf bestehen müsse, sollten die Koffer kontrolliert werden, dass sie die Zöllner wieder vollständig verschliessen müssten. Die Anekdote schliesst damit, dass Meyrink die Grenzstation mit mehr Gepäckstücken verließ als er sie betreten hat, da die Zöllner ihm noch mehrere Pakete schnüren mussten, da all die volluminöse Wäsche nicht mehr in seine ursprünglichen Koffer passten, als einmal die Schlösser geöffnet waren.
Bei jeder Zollkontrolle an unseren Flughäfen, denke ich an Meyrink und beschliesse irgendwann in seine Fußstampfen zu treten.

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