Sprechstunde

über alles was uns krank macht

Ich bin für noch mehr Magical Mystery Patient Tours

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Muss ich mich jetzt bei jedem Patienten, der in meine Praxis kommt, fragen, ob er auch wirklich echt ist? Das behindert meine Arbeit enorm„, empört sich Eva Raunig, praktische Ärztin in Wien-Alsergrund und Vizechefin der Wiener Ärztekammer.Grundsätzlich ist gegen Mystery Shopping auch im Gesundheitsbereich nichts einzuwenden„, heißt es im Büro von Minister Alois Stöger. http://kurier.at/nachrichten/wien/4503144-aerzte-fuehlen-sich-bespitzelt.php
Was ist passiert?
Die Wiener Gebietskrankenkasse, die mit dem Hanusch Krankenhaus das teuerste Privatspital Österreichs führt, (Ex-Staatssekretär im Bundesministerium für soziale Sicherheit und Generationen Dr. Reinhart Waneck: http://www.parlament.gv.at/PAKT/VHG/BR/BRSITZ/BRSITZ_00687/SEITE_0082.html) und die kombinierte Macht des „Roten Wien“ (WGKK+MA40) rücksichtslos ausübt (diese Geschichte folgt noch, ist aber augenblicklich vor dem Arbeitsgericht anhängig) hat zu einigen ihrer Vertragsärzte, mit denen sie offenbar ohnehin schon ein paar Hühnchen zu rupfen hatte, Testpatienten geschickt, die sich erfolgreich einen Krankenstand ausbetteln konnten. http://kurier.at/nachrichten/gesundheit/4503013-krankschreiben-aktion-scharf-gegen-die-hausaerzte.php
Nun ist die Sache keineswegs originell und wurde schon oft in verschiedensten Teilen des Gesundheitssystems diesseits und jenseits des Atlaniks(http://bioethicsdiscussion.blogspot.co.at/2008/05/ama-report-3-secret-shopper-patients.html) durchgeführt und betraf neben den Ärzten auch die Pflege (http://www.jenonline.org/article/PIIS0099176704006464/fulltext).
Die Haltung der Wiener Gebietskrankenkasse als großer Sparmeister ist lächerlich, wenn man sich die Überweisungspraxis von teurer Diagnostik aus den von der WGKK betriebenen Ambulatorien an die öffentlichen Spitäler ansieht,

oder die Vergabe „grauer Verträge“ an politisch befreundete Spitalsärzte betrachtet, während angeblich für „offizielle Verträge“ kein Bedarf besteht …
So the fuck what?
Anonyme Testesser in der gehobenen Gastronomie
(http://gaultmillau.at/), äußerst hilfreiche Hotelbewertungen durch Otto Normalverbraucher (http://www.hotelbewertung.de/) und > 2.000.000 Erfahrungsberichte erfreuter und frustrierter Kunden über nahezu alle mit Geld zu kaufende Gerätschaften (http://www.ciao.de/Neueste_Erfahrungsberichte) stellen heute einen Teil unserer täglichen Informationsquellen dar.
Die Antwortreflexe der Ärztekammer („Vertrauensverhältnis, schwarze Schafe“), der Krankenkasse („Qualitätskontrolle, schwarze Schafe“) sind so vorhersehbar wie am Thema vorbei.
Natürlich beruht das Arzt-Patientenverhältnis auf gegenseitigem Vertrauen und vieles, was gesprochen und manches das getan oder unterlassen wird, würde, so ein Partner davon ausgehen müsste, dass es publik werden könnte, würde unterlassen werden.
Das gilt auch für den Arzt, wenn er zum Beispiel gefragt wird, an welchen Chirurgen sich sein Patient wenden soll, weil es sich dabei doch um einen absehbar komplexen Eingriff handeln wird. (Das Wissen, dass ich dabei natürlich nicht das auch beliebte gegenseitige Zuweisen von Privatpatienten meine, darf ich bei den Lesern dieses Blogs wohl voraussetzen ….) Muss ich davon ausgehen, dass es sich um einen Mystery Patient handelt, werde ich ihn -oft wider besseres Wissen – auf das Facharztverzeichnis verweisen …
Aber im Prinzip soll die Kasse nur aufdecken, dass viele Rezepte, Überweisungen und Krankenstandsbescheinigungen von der Sprechstundenhilfe ausgestellt werden.

Als ob sie das nicht ohnehin wüßte, dass die meisten Ärzte ansonsten die Menge an Patienten/Krankenscheinen gar nicht bewältigen könnten.
Unsere Apparatschiks am Wienerberg sollten sogar vom Bundesministerium verpflichtet werden, jährlich einen konstanten Prozentsatz der Ordinationen zu überprüfen.
Die Effekte wären überwiegend positiv:
1) Kassenärzte könnten ihre absurd niedrigen Einzeltarife (http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=67178 , http://www.wienerzeitung.at/meinungen/kommentare/253126_Wieviel-verdienen-Aerzte-wirklich.html) nicht mehr durch kreative und oft illegale Abrechnungen verbessern und es würde ein entsprechender Druck in den Tarifverhandlungen entstehen.
2) Es würden noch mehr Ärzte auf den Kassenvertrag pfeifen und die Versicherten würden hinterfragen, welche Leistungen sie denn noch von ihrer Krankenkasse für ihre Beiträge bekommen.
3 Letzendlich würde sich das absurd billig scheinende „Hausarztmodell“ als weit weniger kostengünstig heraus stellen, als derzeit Land auf Land ab gepredigt wird (http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=74865).
Also bitte, weiter Herr Schenkermayer, es kann nur besser werden, wenn mehr Transparenz in das System kommt. Besser für die Patienten und für ehrliche Ärzte Für die Wiener Gebietskrankenkasse sehe ich in einem transparenten System aber schwarz, oder eigentlich rot,
… wurscht

Link:  http://www.mysterypanel.de/mystery-patient.html http://www2.aekwien.at/news_pdf/7898_1.pdf http://www.kassenarzt.at/archiv/index.php?id=909

4 Antworten

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  1. Ein „erbettelter“ Krankenstand (den ich jedem gönne) kann aber auch zur Heilung beitragen, wenn einer sich z.B. ausgebrannt, überfordert usw. fühlt. Nach ein oder zwei Wochen kann er sich dem Arbeitsprozeß (ßßß;-) vielleicht wieder besser stellen.

    Da kommt mir auch meine Begegnung mit der Krankenschwester eines Geriatriezentrums in den Sinn. Wir saßen uns in einer Arztpraxis gegenüber und bekamen Infusionen. Es kam zu einer netten Plauderei und u.a. sagte sie, daß sie jetzt glücklicherweise im Krankenstand ist, denn sie hatte schon Angst, daß sie einer Alten etwas antue…

    Verachtet mir daher die Krankenständler nicht, auch wenn sie sich vielleicht im Bad die Sonne auf den Bauch scheinen lassen😉 Auch das kann zur seelischen Genesung beitragen.

    Und die Ärzte und Sprechstundenhilfen, die solche Krankenstände vergeben, sind, aus den angeführten Gründen, schon gar nicht zu verachten.

    Christine Kainz

    30. Juni 2015 at 17:36

  2. Um 26 Prozent mehr Burn-out-Fälle http://wien.orf.at/news/stories/2726310/

    Christine Kainz

    14. August 2015 at 11:06


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