Sprechstunde

über alles was uns krank macht

Gesundheitsreform, ach ja

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Für die Österreicher ist eine Gesundheitsreform wichtiger, als eine Reform der Schulen, des Pensionssystems oder der öffentlichen Verwaltung, hat sich der Hauptverband der Sozialversicherungsträger per Studie bestätigen lassen. In einer GfK-Umfrage für den Hauptverband der Sozialversicherungsträger meinten 82 Prozent, dass Reformen in der Gesundheit notwendig seien (48 Prozent sehr und 34 Prozent eher). Dahinter folgen die Schule und die Pensionen, wo je 78 Prozent Reformen für nötig erachten, danach die Öffentliche Verwaltung mit 77 Prozent.
http://www.springermedizin.at/artikel/25657-oesterreicher-wollen-gesundheitsreform  

Wir wollen uns nun nicht damit befassen, weshalb sich der 
Hauptverband der Sozialversicherungsträger, die 1948 gesetzlich festgelegte Dachorganisation aller österreichischen Sozialversicherungen als gewichtigster Player in dem Spiel „Gesundheitssystem“ 
(http://de.wikipedia.org/wiki/Gesundheitssystem_in_%C3%96sterreich) so eine Studie anschafft, sondern lesen weiter, wie es möglich sein kann, dass der Bürger auf die Reform eines der besten Gesundheitssysteme der Welt drängt.

Der ausgeprägte Wunsch nach einer Gesundheitsreform entspringt aber keinesfalls einer Unzufriedenheit mit dem System. Nicht weniger als 85 Prozent halten das Gesundheitssystem für eines der besten in Europa. Trotzdem wird aber auch Kritik daran geübt. Eine satte Mehrheit von 86 stuft Doppeluntersuchungen in die Kategorie „Kostentreiber“ und nicht unter „mehr Sicherheit für den Patienten“ ein. Und mehr als drei Viertel kritisieren fehlende interne Abstimmungen – 78 Prozent haben das Gefühl, dass die linke Hand nicht weiß, was die rechte im Gesundheitssystem tut. Mehr als 80 Prozent glauben, dass dadurch die Qualität der Behandlung leidet und unerwünschte Wechselwirkungen von Medikamenten ausgelöst werden. Und zwei Drittel (67 Prozent) halten dadurch sogar lebensbedrohende Situationen für Patienten für wahrscheinlich.

Verstehen Sie das?

Wir sind zufrieden mit einem System, dass uns in lebensbedrohliche Situationen bringen kann?

Nun mögen Sie einwenden,
dass das halt NUR EINE Studie wäre und
halt Studien EINMAL DIES UND EINMAL JENES erheben, je nach Fragestellung …

Stimmt ja nicht, der Tenor dieser Befragung entspricht nahezu allen anderen Veröffentlichungen der wesentlichen Spieler in diesem System:

BuMin Stöger/Prof. Peter Filzmaier vom Institut für Strategieanalysen (ISA) Juni 2010:
62 % sind sehr zufrieden, 27 % zumindest etwas zufrieden, 11 % weniger zufrieden, 1% gar nicht zufrieden.
https://www.gesundheit.gv.at/Portal.Node/ghp/public/content/gesundheitsbarometer.html 

Im November 2009 fand ISA sogar: Rund 94 Prozent der Österreicher sind mit dem heimischen Gesundheitssystem zufrieden.
http://www.springermedizin.at/artikel/14755-umfrage-positives-zeugnis-fuer-gesundheitssystem  

Die meisten Studien stimmen also überein, dass
ohnehin alle höchst zufrieden sind,
man jedoch Verschlechterungen befürchtet, so dass man Heerscharen von Experten benötigt, (http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=31614) die
das System völlig reformieren,
damit die befürchteten Verschlechterungen nicht eintreten.

Verstehen Sie das? Ich nicht.

Oder, doch: 
Das ist doch das marxistische System der Permanenten Revolution (http://de.wikipedia.org/wiki/Permanente_Revolution), das sich so klammheimlich in den Spätkapitalismus gerettet hat.

Ein Großer Sprung nach vorne (http://de.wikipedia.org/wiki/Gro%C3%9Fer_Sprung_nach_vorn)  
im Österreichischen Gesundheitssystem
und zwar alle paar Jahre wieder.

Hier trifft die Kritische Ökonomie der Linken auf das Mantra der Neoliberalen, dass jeder Stillstand Rückschritt bedeutet.
Das biologische Konzept des Fließgleichgewichtes, wollen ja beide Seiten nicht wahrhaben (http://www.uni-protokolle.de/Lexikon/Flie%DFgleichgewicht.html). 

Also eigentlich gehört dieser Blog-Eintrag in die Rubrik „Renaissance der Aufklärung“ und nicht in die des „Gesundheitssystems“ …. aber

Nebbich
„Diese unwiderstehliche Ostentation von Pofel und Pleite, dieses maximum en effort zu einem minimum en effet, dieser volle Einsatz von Nebbich und Nichts, den ich als das Kennzeichen des Mausi-Typus dargestellt habe und den die undankbare Heimat mit einem »Gehst denn nicht!« ablehnt, zeigt ihn in der Rolle des geistig wie räumlich von mir distanzierten Weltbürgers, dem »Bekannte, die aus Wien kamen«, erst »erzählen« mußten, »der Fackel-Kraus« habe zwanzig Seiten über ihn geschrieben.“
[Gutenberg Wiktionary: Literaturliste: Karl Kraus: Grimassen – Aufsätze 1914-1925]

Solange die Player im Milliardenspiel „Gesundheitssystems“ nicht ihrer wahren Beweggründe überführt werden, wird es sie immer wieder geben, die Gesundheitsreformen,
ohne dass sich was ändert.

Wenn Sie sich den Pessimismus, weshalb es wieder einmal zu keiner Gesundheitsreform kommen wird, aus einer anderen politischen Weltanschauung erklären lassen wollen, verweise ich auf: http://www.rezeptblog.at/warum-es-keine-spitalsreform-geben-wirdkann-ein-text-zum-verstandnis/  

Erschreckenderweise ist das Ergebnis dasselbe, was im dialektischen Sinne schon fast an einen Wahrheitsbeweis grenzt.

Oder in meiner eigenen kleinen Denkwelt:
Wenn Sie irgendwo Widersprüchliches lesen (z.B. alle sind zufrieden aber man muss alles ändern), dann sollten Sie dahinter unausgesprochene Konflikte wittern.
Wenn Sie von verschiedenen Warten aus zu dem selben Ergebnis gelangen, dann kann es nicht gänzlich falsch sein ….

Weitere Links:
Die rezenteste Studie in der Interpretation des Hauptverbandes http://www.hauptverband.at/portal27/portal/hvbportal/channel_content/cmsWindow?p_pubid=652223&action=2&p_menuid=58215&p_tabid=1  
Und eine Stellungnahme zu einigen Punkten von Kollegen Wawrowsky, einem Purkersdorfer Internisten und Obmann der Kurie der niedergelassenen Ärzte
http://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20120113_OTS0032/wawrowsky-zur-hauptverbands-befragung-ueber-zufriedenheit-mit-gesundheitssystem

Written by medicus58

14. Mai 2012 um 08:57

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