Sprechstunde

über alles was uns krank macht

Online Praxen, dort hat Ihr Arzt noch Zeit für Sie

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Während DrEd bereits im November des Vorjahres sein Online-Angebot (Impotenz? Haarausfall? Akne? Blasenentzündung?) auf http://www.welt.de/gesundheit/article13747385/Internet-Doktor-behandelt-peinliche-Probleme.html bewerben konnte,
hat nun, da das Angebot erweitert und auch auf Österreich ausgedehnt wurde (https://www.dred.com/at/) der Kurier das Thema aufgegriffen (http://kurier.at/nachrichten/gesundheit/4492452-umstrittener-internet-arzt-eroeffnet-praxis.php).

Auch wenn das Gesundheitsministerium verlautet: „Es gibt in Österreich keine Notwendigkeit für so ein Angebot„, entspricht es der eigenen Erfahrung, dass immer mehr Personen das Internet nicht nur zur Information sondern als niederschwelligen Ersatz des Arztbesuches heranziehen.

Um haftungsrechtlichen Konsequenzen auszuweichen, versprechen die meisten Adressen nur „Beratung“ oder „Fragenbeanwortung“.

Ein paar Beispiele aus dem deutschsprachigen Raum gefällig?

Das Portal www.justanswer.de/Arzt stellt eine Frage („Was haben Sie bisher unternommen?“), dann müssen 35 € überwiesen werden.
Billiger geht das unter http://frag-einen.com/arzt/, hier verlangen die „registrierten Experten“ 15 €.
Schon einen ganzen Fragebogen müssen Sie bei http://www.online-praxis.com/
ausfüllen, dann werden 35 € „Schutzgebühr“ eingehoben, von denen angeblich 3 € gespendet werden.
Ziemlich teuer kann Sie eine Gesundheits- und Ernährungsberatung auf http://www.online-praxis.info/ kommen, nämlich zwischen 25 und 120 €.
Was sie zahlen müssen, wenn sie auf
http://onlinepraxis.com/ kommen, ließ sich nicht eruieren, denn hier handelt es sich offenbar nur um eine Vermittlungsbörse, die mich z.B. an https://www.onlinepraxis.ch/e4med/?cust=praxisbubenberg und https://www.onlinepraxis.ch/e4med/?cust=medixgruppenpraxis weiter vermitteln wollte.
Da ich keine Webcam betreibe, habe ich es dann unterlassen mich auf http://www.online-praxis-kaeseberg.de für 25 Min/50 € psychologisch beraten zulassen.

Bei dem im Kurier vorgestellten „DrEd“ handelt es sich definitiv um Version 2.0 des Online-Baders (http://de.wikipedia.org/wiki/Bader), da hier explizit damit Werbung macht wird auch Rezepte auszustellen. Da für Anamnese und Beratung nichts verrechnet wird, kann das Geschäftsmodell sich nur rechnen, wenn viele therapiert wird. Die Preise sind überraschend moderat (zwischen € 9 und € 29), so dass es nur die Masse ausmachen kann. Jasper Mordhorst und seine drei Kollegen sind in London tätig und waren zuvor Expert Health Ltd. beschäftigt, ebenfalls eine Online-Arztpraxis, die als Pionier der Telemedizin in England sowie Irland gilt und seit 2005 mehr als 200.000 Patienten telemedizinisch behandelt hat.
Für Deutschland listet http://www.iat.eu/ehealth/ 276 E-Health Diente in 118 Städten und Kommunen auf, so dass die oben angeführten Portale offenbar nur die Spitze des Eisbergs darstellen.

Niederschwellige Zugänglichkeit, Anonymität und günstige Preise im Vergleich zu den Privatpraxen sowie eine Unzufriedenheit mit dem Gesundheitssystem vor Ort scheinen für diese Angebote zu sprechen.

Was ich nur zu bedenken gebe (und ich habe durchaus auch eine gewisse Erfahrung in der Beantwortung medizinischer Fragen):

Welche Leistung ist für die angeführten Preise zu erwarten, wenn man den erforderlichen Aufwand für das Durchlesen und individuelle Beantworten der Fragen und die Kosten der erforderlichen Haftpflichtversicherung bedenkt?

Ich spekuliere einmal, dass sich derartige Foren langfristig nur rechnen, wenn mehr oder weniger vorgefertigte Antworten auf bestimmte Symptomenkomplexe gegeben werden. Dafür spricht auch ein 2008 veröffentlichter Test (http://www.menshealth.de/health/arzt-auskunft/online-aerzte-im-test.105499.htm), der die Güte von Internetforen mit ganz bestimmten Krankheitsbildern überprüfte.
Ein rezenter Test von DrEd auf n-tv (http://www.n-tv.de/mediathek/videos/ratgeber/Was-Online-Aerzte-wirklich-taugen-article5258681.html) stellte dem Portal kein gutes Zeugnis aus …

Die Idee eine entsprechende Online-Praxis zu versuchen, hatte ich persönlich schon vor mehr als zehn Jahren. Neben einer Reihe haftungsrechtlicher Gründe war für mich ausschlaggebend das Projekt nicht weiter zu verfolgen, dass ich zutiefst davon überzeugt bin, dass es für wirkliche medizinische Probleme nichts taugt.
Und wer nur sein Viagra braucht, kann es ohnehin auch ohne DrEd im Netz bestellen.
Das Risiko, dass die Pillen gefakt sind, wird etwa so groß sein, wie das Risiko, dass ihr Vertrauensarzt im Netz auch bloß ein Fake ist.

Aber vielleicht ändere ich noch meine Meinung, dann kann ich nur hoffen, dass der KURIER dann auch für mich Werbung macht.

TRUST ME I AM YOUR DOCTOR ….

Written by medicus58

15. April 2012 um 16:20

Eine Antwort

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  1. Presseecho 17.4.2012: Ein Sprecher von DrEd erklärte, der Online-Doktor habe seit Montag bereits 600 Männer und Frauen aus Österreich behandelt, zwei Drittel der Patienten seien Männer, die sich wegen Potenzproblemen und Haarausfall an das Portal gewandt hatten. Sowohl das Gesundheitsministerium als auch die Ärztekammer raten dringend davon ab, sich via Internet behandeln zu lassen. (Neue Kärntner Tageszeitung, OÖN, Presse, Standard, TT, Ö1, Ö3).

    Anonymous

    18. April 2012 at 14:06


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