Sprechstunde

über alles was uns krank macht

Päpstlicher sein als der Papst?

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Ich kann nicht Päpstlicher als der Papst sein
ließ Tolstoi seine Fürstin Twerskaja in seinem Roman Anna Karenina sagen.

Bemerkenswert aus der Feder eines Dichters, der sich zwar als zutiefst gläubig empfand, jedoch über Gottes Sachwalter auf dieser Erde wenig Gutes kommen liess:

„Die Lehre der Kirche ist eine theoretisch widersprüchliche und schädliche Lüge, fast alles ist eine Sammlung von grobem Aberglauben und Magie.“

Jedenfalls läßt sich dieser Spruch vorschnell auf jede Unzulänglichkeit anwenden.

Warum ich an ihn denken musste?

Ganz einfach:

Da hören wir erstmals von Stützenhofen und seiner kleinen Pfarrgemeinde, als die sich anschickt einen bekennenden Schwulen in den Pfarrgemeinderat zu wählen und stauen ob der Liberalität.

Der Erzbischof spricht sich zuerst gegen die Annahme der Wahl aus. Später werden wir erfahren, dass er sich schon im Vorfeld der Kandidatur widersetzt hat.

Nach einem langen Gespräch mit dem gewählten, jedoch noch nicht approbierten Pfarrgemeinderat (und seinem Lebensgefährten), ist der Erzbischof von der christlichen Gesinnung des Mannes so angetan, dass er den herbeigerufenen Medien verkündet, dass er es auf seine Kappe (wohl seine Mitra, nicht?) nähme, die Wahl anzuerkennen.

Befremdlich vernimmt man, dass der Pfarrer danach um seine Versetzung ansucht. Ein schlechter Verlierer, oder jemand der das Kleingedruckte doch genau gelesen hat? Man schwankt, ob man ihm letztendlich nicht Anerkennung zollen möchte, weil er sich halt an die geltende Rechtsordnung seiner Kirche gebunden fühlt und nicht die üblichen Auswege benützt:

schwul mag man ja sein, aber halt nicht ausüben

die Heteros fragt man ja auch nicht, wie sie es so mit anderen Geboten in diesem Zusammenhang halten, wenn sie kanditieren
was ich nicht weiß, …

Dann macht der Kurier mit der Schlagzeile auf:
„Ich war die Geliebte des Pfarrers“
Pfarrer xxxxxx. will in seiner Gemeinde keine Sünde.
Jetzt wirft ihm eine Bekannte vor, selbst ein „Sünder“ zu sein
.
http://kurier.at/nachrichten/niederoesterreich/4491976-stuetzenhofen-ich-war-die-geliebte-des-pfarrers.php

und da fragt sich einer schon, ob wir nicht zuwenige Päpste um uns haben?

und zuviele Sonntagsredner der Moral und des Anstandes,
Rechtskundige des Richtigen und
zuviele Richter der Schuldigen?

und das nicht nur in der Kirche, denn deren moralische Autorität scheint mir schon sein Jahrhunderten perdü.

Ob nun in der Politik oder der Schule,
der Wissenschaft oder der Wirtschaft,
den Medien und am Stammtisch …

wir bräuchten mehr Menschen, die päpstlicher sind als der Papst.
Denn die bisherige moralische Richtschnur der Kirchen, der Politik, der Medien, …. hat unserer Gesellschaft an den moralischen Abgrund gebracht.

Wenn das Werk eines anderer Russen, Fjodor Dostojewski, heute als „Verbrechen und Strafe“ übersetzt wird, so mag es schon seine sprachliche Richtigkeit haben, aber eigentlich wünscht man sich heute doch eher „Schuld und Sühne“ für so vieles was uns aus den Gazetten entgegen glurrt …

aber letztendlich wird das auch nichts bringen, also warten wir auf einen anderen Roman.
Einen Titelvorschlag hätte ich schon:
„Schuldeinsicht und Geständnis“

wäre übrigens auch ein nettes Motto für den aktuellen parlamentarischen Untersuchungsausschuss … aber dort stehen die Zeichen ja eher für eine andere Entwicklung …

http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=54388

Bildnachweis: http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=54388

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Written by medicus58

11. April 2012 um 16:48

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