Sprechstunde

über alles was uns krank macht

Wer A sagt muss auch D sagen, D wie Diderot

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Denis Diderot (http://de.wikipedia.org/wiki/Denis_Diderot) war gemeinsam mit Jean-Baptiste le Rond d’Alembert (http://de.wikipedia.org/wiki/Jean-Baptiste_le_Rond_d%E2%80%99Alembert) Herausgeber der großen „Encyclopédie ou Dictionnaire raisonné des sciences, des arts et des métiers“ („Enzyklopädie oder (alphabetisch) geordnetes Lexikon der Wissenschaften, Künste und Gewerbe, von einer Autorengemeinschaft“).

Wenn Philipp Blom, der sich mehrfach mit dem den Anfängen der (bürgerlichen) Aufklärung auseinandergesetzt hat (http://de.wikipedia.org/wiki/B%C3%B6se_Philosophen), über Diderot kritisch meinte:
„Das Werk war ein Vehikel für seine Ideen; es gab ihm ein Einkommen, und sollte ihm einen Namen geben, und es gab Gegenständen eine Würde, die nie zuvor Druckseiten zierten; doch systematische, alles umarmende Akribie gehörte nicht zu seinen Interessen.“

so scheint mir das, sollte es wahr sein, weniger als Makel als der Beweis für die ungestüme Leidenschaft, mit der man sich einer allgemein zugänglichen, systematischen und kritischen Darstellung der Welt, so wie sie der aufgeklärte Mensch sehen konnte, verschrieben hat.

Auch nicht schlecht …

Dass die (bürgerliche) Aufklärung daran gescheitert ist, wie Blom schließt, dass sie dem damals herrschenden Imperialismus die Grundlage entzogen hat, in dem sie die „Gleichwertigkeit aller Menschen und Kulturen“ postulierte, scheint nachvollziehbar.

Dass Diderot et al. „die Leidenschaften des Menschen (im Sinne Epikurs) nicht verleugnen, sondern erkennen, verfeinern und so lenken wollten, dass der Mensch das eigenen Glück in dieser Welt finden kann und während er möglichst viel Gutes schafft der eigenen Umwelt möglichst wenig schaden soll„, das macht sie zu den 
Wegbereitern einer säkularen Moderne:

Es grenzt sie ab, von den Religiösen, die in dieser Welt das Böse eliminieren wollen, um das Glück in der nächsten Welt zu finden.

Es markiert die Mitte zwischen den heutigen Neokonservativen, die postulieren, dass „der Mensch eben prinzipiell schlecht wäre“ und nur durch drakonische Strafen von dem Schlechten abgehalten werden muss und den Linken, für die der „Mensch prinzipiell gut wäre“, würde er nicht durch seine sozio-ökonomische Umgebung an seiner Entwicklung gehindert werden.

In den Enzyklopädisten steckt die Wurzel, der heute so gut wie vergessenen Strömung der Existentialisten:
 
Nur aus der Sinnlosigkeit entsteht Ethik.

(Oh, wie wird es da die Gläubigen gruseln …)

Jedoch schon am Lebensende der französischen Enzyklopädiker kam den Protagonisten Zweifel, ob ihres optimistischen Ansatzes. 
Diesen Verlust an Optimismus kennzeichnet auch die „Linke“ am Ende des 20. und am Anfang des 21. Jahrhunderts. Die „Rechte“ scheint davon zu profitieren.

Die Idee einer „umfassende Bearbeitung aller Wissenschaften und Künste, nach ihren einzelnen Theilen und Gegenständen, gemäß dem seit etwa drei Jahrzehnten ungemein veränderten Zustande der Literatur und Kunst, von Schriftstellern, deren Namen die Achtung und das Vertrauen der literarischen Welt längst sich erworben haben, so viel möglich für das ganze gebildete Publikum, und zwar in alphabetischer Folge“ (Einleitung zu http://de.wikipedia.org/wiki/Allgemeine_Encyclop%C3%A4die_der_Wissenschaften_und_K%C3%BCnste) krallte sich jedoch im europäischen Geiste fest und mündete über den „Ersch-Gruber“ in die http://www.wikipedia.org/ .

Was jedoch langsam aus den Köpfen der Bürger diffundiert und durch die Erkenntnis, dass Networking und Korruption die wahren Motoren des sozialen und ökonomischen Aufstiegs sind, weiter verdrängt wird, ist Francis Bacons Losung:

WISSEN = MACHT
(http://de.wikipedia.org/wiki/Wissen_ist_Macht)

Also mit anderen Worten:
Für die (Ohn)mächtigen ist Bildung der einzig evolutionäre Weg zum Aufstieg in der sozialen Hierarchie,

Somit führt uns unser Weg wieder zurück zu einem der Fundamente „linken Denkens“.

Wilhelm Liebknecht (1826–1900, einer der Gründer der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands) berief sich auf dieses Konzept („Wissen ist Macht – Macht ist Wissen“) in dem er forderte, dass 
große Teilen der Bevölkerung den Zugang zu Wissen, Bildung und Kultur erhalten müssen.
1891 dichtete Max Kegel im „Sozialistenmarsch„:

„Des Geistes Licht, des Wissens Macht,
Dem ganzen Volke sei’s gegeben!“

Möge sich die heutige Sozialdemokratie (und konkret die Frau Unterrichtsministerin und Ex-Bankerin Schmied (http://www.meineabgeordneten.at/Abgeordnete/Claudia.Schmied) bei den bevorstehenden Verhandlungen um ein neues Lehrerdienstrecht) an diese Wurzeln erinnern.

Nicht die regelmäßigen Umbenennungen alter Schulformen und 
die phänomenalen Karrieren korrupter Flachwurzler, die den oben genannte Spruch breit grinsend in eine saftiges:

Nichts wissen macht auch nix

verwandelten, sondern

Chancengleichheit
Allgemeine Zugänglichkeit Wissen
Karriere auf Basis von Kompetenz und Leistung

sind die Garanten für eine friedliche und positive Entwicklung der Gesellschaft.

Setzt sich die allgemeine Erkenntnis durch, dass die Engagierten und Motivierten in dem (österreichischen) Korruptions- und Netzwerksumpf auf diese Weise keine Aufstiegchancen haben, dann werden sie früher oder später andere Wege beschreiten.

Bildnachweis: Wikipedia

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