Sprechstunde

über alles was uns krank macht

Nachtrag zum Puzzle K.

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Als Nachtrag zu meinen bisherigen (nach Eigendefinition: ungelenken) Versuchen, die gesellschaftspolitische Relevanz des „Falles Kampusch“ zu beschreiben
http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=53054
http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=53338
und um letztlich auch zu einer befriedigenden Kausalität zu gelangen, fiel mir, nein keine Erklärung, jedoch ein wunderbares Parallelbeispiel ein, das zeigt, was sich aus der Instrumentalisierung eines Falles durch verschiedenste gesellschaftspolitisch relevante Gruppen entwickelt.

Wie sooft, wenn die Mittel der Wissenschaft versagen, springt uns die Kunst zu Hilfe, 
in diesem Falle in der Person von Tom Wolfe (http://de.wikipedia.org/wiki/Tom_Wolfe), eines Multitalents zwischen Dichtung und Journalismus, zwischen Bildender Kunst und Kritik.

In seinem Roman (Bonfire of the Vanities), der eher schlecht als Fegefeuer der Eitelkeiten übersetzt wurde, führt er mit fast spieltheoretischem Ansatz vor, wie Politiker, Journalisten, Anwälte, Ehefrauen, Freunde, Priester, …etc.  sich der Aufklärung eines Verkehrsunfalles bedienen, um ihre persönlichen Kriege und Abrechnungen zu schlagen. Richtigen Spin bekommt die Sache aber auch dadurch, dass fast jeder der Beteiligten so seine kleinen Geheimnisse hat, von denen er durch umso stärkeres Engagement für oder gegen andere ablenken möchte.

Der Roman ist auch noch ein Viertel Jahhundert nach seinem Erscheinen gültig.Da es noch dazu um einen Spitzenbroker der Wall Street (Eigendefinition: Master of the Universe) geht, passt dessen Fall auch noch zwei, drei Bankenkrisen später wunderbar in die Jetztzeit.

Für Lesefaule ist auch die Verfilmung Brian de Palmas empfehlenswert, obwohl er als einer der größten finanziellen Flops des Neun Hollywoods gilt.
Der Inhalt, der sich an die wesentlichen Erzählstränge des Buches hält, steht auf: http://de.wikipedia.org/wiki/Fegefeuer_der_Eitelkeiten_(Film)

Vermutlich wird es nie eine schlüssige Erklärung geben, wer aller und mit welcher Begründung „den Fall Kampusch“ am Lodern hält.

Florian Klenks jüngste Interpretation, dass es sich im Kern um eine Fehde zwischen „alten konservativen“ und „jungen progressiven“ Juristen handelt(http://www.falter.at/web/print/detail.php?id=1587), scheint mir als Erklärung für die Motivation vieler anderen Mitspieler nicht schlüssig, jedoch zeigt Tom Wolfe s Roman schlüssig, dass es gar keines einheitlichen Beweggrundes aller Parteien bedarf, um an einem Strang zu ziehen.

Am Ende ist es auch völlig gleichgültig, wer an diesem Strang baumelt.

http://www.youtube.com/watch?v=V5Jo847GRKE 
http://www.youtube.com/watch?v=2qkHjr0pB38

Sehenswert auch die Schlussszene mit Morgan Freeman über „Gerechtigkeit“ bzw. das Rechtssystem sowie den  „Anstand“ der uns allen verlorengegangen scheint….

http://www.youtube.com/watch?v=si55h9-MP_4

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