Sprechstunde

über alles was uns krank macht

Eine Renaissance der Aufklärung muss her

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Der Schrei nach Renaissance (=Wiedergeburt) ist die Nostalgie der Intellektuellen in als unerträglich empfundenen Zeiten.
http://de.wikipedia.org/wiki/Renaissance 

Nah dem Dunkel des Mittelalters hätten sich die Menschen erneut der Antike erinnert um damit im frühen 13. Jahrhundert in die Neuzeit zu starten. Unklar bleibt, ob die Protagonisten damals ihre Entwicklung selbst so interpretiert hätten, denn den Begriff der Wiedergeburt hat Giorgio Vasari erst im 16. Jahrhundert geprägt.

Der Begriff der Aufklärung (wir sind nun im 18.Jahrhundert angekommen) scheint uns heute als typischer „toter Hund“ der philosophischen „Post-Post-Post-Moderne“.
(sehr frei nach Liessmann: 180508 (SS 2009) Geschichte der Philosophie III: Die toten Hunde der Philosophie.)
http://de.wikipedia.org/wiki/Aufkl%C3%A4rung

Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit“. I. Kant, eh schon wissen

Zum Programm der historischen europäisch-nordamerikanischen Aufklärung im 17. und 18. Jahrhundert gehört die Berufung auf die Vernunft als universelle Urteilsinstanz, eine Hinwendung zu den Naturwissenschaften in der philosophischen Erkenntnistheorie, in Religionsfragen das Plädoyer für Toleranz gegenüber anderem Glauben, in Moral- und Rechtsphilosophie die Orientierung am Naturrecht. Gesellschaftspolitisch zielte Aufklärung auf die Ausdehnung der persönlichen Handlungsfreiheit (Emanzipation), auf eine neue Pädagogik, die Schaffung von Pressefreiheit und die Garantie bürgerlicher Rechte unter Zugrundelegung allgemeiner Menschenrechte sowie die Verpflichtung moderner Staaten auf das Gemeinwohl. Viele Vordenker der Aufklärung hegten einen ausgeprägten Zukunfts- und Fortschrittsoptimismus. (Zitat Wikipaedia 13.2.2012)

Den Optimismus, dass sich unter geeigenten Rahmenbedingungen eine zwangsweise Entwicklung zum Besseren ergibt, rechtfertigt die Erfahrung des letzten Jahrhunderts wohl kaum, jedoch scheint es mir (Nostalgie!) immer wesentlicher, dass wir uns auf den Stand der Geistesentwicklung besinnen, den die Menschheit nach Inquisition und vor der letzten Dot.com Blase schon erreicht hatte.

Gerade in Zeiten, in denen das x-fache Treiben der „alten Sau durch die Mitte des globalen Dorfes“ ungeminderten Neuigkeitswert für das p.t. Publikum zu haben scheint, will ich mit dieser Rubrik daran erinnern, dass das einzige was uns die Geschichte bisher gelehrt hat, die Erkenntnis war, das wir nichts aus ihr gelernt haben.  ABER (Optimismus!) das könnte sich ja ändern, irgendwann einmal, vielleicht, 5 nach 12, oder so …

In Zeiten der Sparpakete (http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=51963) und Casino-Wetten auf Brot (http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=50542), wurde auf diesem Blog schon öfters auf Parallelen zwischen dem Heute und dem Gestern verwiesen  (http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=48883) und Erklärungsversuche jenseits des „Neoliberalen Neusprech“ versucht (http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=47464). 
Hier in dieser Rubrik soll jedoch auf Stimmen der Vergangenheit verwiesen werden, die von den scheinbaren Gewinnern der neoliberalen Revolution der letzten 30 Jahre, m. E. fälschlich, als überholt, krypto-links und anarchistisch diffamiert werden.

 Als Einstimmung kann man auch mal nach den historischen Spekulationsblasen googeln und sich fragen, wo die Parallelen zum heute liegen: 

Tulpenzwiebelspekulation in Holland (1630 – 1637)
(= absurde Extrapolation hoher Nachfrage und ihre Folgen)

Die Südsee-Blase in England (Anfang des 18. Jahrhunderts) 
(= absurde Nachfrage nach Aktien eines Geschäftsmodells, das die versprochene Rendite kurzfristig nicht durch Handeln sondern nur durch die Übernahme von Staatsschulden vorgaukelte) 
 
Das Kanalbaufieber in England (18. Jahrhundert) 
(= parallele Investitionen in Infrastrukturprojekte führen zu einem Überangebot, dadurch zu fallender Rendite, fehlender Reinvestitionen und schliesslich zum Verfall)

Die Eisenbahnaktienhausse in Deutschland (Mitte des 19. Jahrhunderts)
(= außerbörsliche Spekulationen auf den rasant wachsenden Markt wurden zuerst durch staatliche Garantien angeheizt und dann durch den Gesetzgeber abgewürde, was zu großen verlusten führte.)

Die Silberspekulation der Gebrüder Hunt (70er Jahre des 20. Jahrhunderts)
(= die Gebrüder Hunt und viele Nachahmer kauften große Mengen Silber, da sie es als enorm unterbewertet ansahen. Der Silberpreis stieg von 2 US$  pro Unze auf 50-54 US-$ an, bis die Rgierung den Handel verbot und die Hunts angeblich 2 Milliarden US-$ Verlust hatten.

Oder wir schauen einmal in die Enzyklopädie, auch so eine Errungenschaft der Aufklärung, ob wir nicht ein paar andere „Lehren“ der vergangenheit finden können, die wir noch immer nicht gelernt haben.

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Written by medicus58

15. Februar 2012 um 11:43

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