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Österreicher haben Angst vor Kürzungen im Gesundheitswesen

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Warum nur? Ich glaube nicht, dass sich Herr oder Frau Österreicher schon einmal schlau gemacht haben, welche Vorfeldorganisationen die Politik und manche Interessensgruppen aufgebaut haben, um sich hinter Totschlagargumenten wie Qualitätssicherung und wissenschaftlicher Evidenz zu verstecken, wenn sie den Zugang zur medizinischen Versorgung erschweren wollen, um die Lohnnebenkosten und das Budgetdefizit zu senken.

In der „Gesundheit Österreich GesmbH“ (http://www.oebig.at/) nehmen Dutzende Akademiker die Diktate der Politik auf, um sie in ein Glasperlenspiel, genannt Österr. Strukturplan Gesundheit (http://www.bmg.gv.at/cms/site/standard.html?channel=CH0716&doc=CMS1136983382893), zu giessen. Die Berechtigungsmatrix legt fest, dass manche Leistungen nur mehr dort  zur Verfügung stehen, wo eine genügende Fallzahl erreicht wird. Leuchtet eh ein, nur wird es in der Praxis halt den Zugang einschränken.

Im Boltzmann Institut für Health Technology Assessment (http://hta.lbg.ac.at/de/index.php) prüft man u.a. mit den Geldern der Wirtschaft, ob es für Therapieansätze, auch solche die den sündteuren Registrierungsprozess bereits erfolgreich durchlaufen haben,  wissenschaftliche Evidenz gibt, um sie auch zu refinanzieren. Gibt es die nicht, weil vielleicht die Therapie  neu und innovativ ist, kann man ihre Anwendung und somit mögliche Verifizierung gleich im Ansatz unterbinden, und schon ist wieder eingespart.

Im LKF System (http://www.bmg.gv.at/cms/site/standard.html?channel=CH0718&doc=CMS1098272734729) entscheiden überwiegend Fachfremde, ob eine Leistung abgegolten wird. Geld gibts für die Diagnose, nicht für die wirklich erbrachte Leistung. Die seit der Einführung geforderte Qualitätssicherung fehlt. D.h. wer viele Diagnosen vergibt und wenig Diagnostik betreibt, wird belohnt. Die so generierten statistischen Daten sind aber wieder die Grundlage für die Berechnungen der „Gesundheit Österreich GesmbH“ . So schliesst sich der Teufelskreis.

Nix gegen die Ansätze im wissenschaftlichen Sinn die medizinische Versorgung zu verbessern (und verbessern könnte man viel), aber die genannten Systeme führen fast ausschliesslich dazu, dass der Zugang zu Leistungen erschwert wird, kaum führen sie dazu, dass die Politik gezwungen wird, neue Leistungen einzuführen. Überdies erleichtert dieses System der Politk zwar öffentlich den nicht zu erreichenden Zugang zur Spitzenmedizin für alle zu versprechen, es aber den in der Medizin Tätigen zu überlassen, die Patienten mit der Realität (Personalknappheit, Geldknappheit, Wartezeiten, …) zu konfrontieren.

Eigentlich feige, nicht.

Davon wissen die Österreicher nix, aber vielleicht fühlen sie es.

Written by medicus58

4. März 2011 um 11:11

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