Archiv für die Kategorie ‘Finanzkrise’
Zypern und bei uns: Das wahre Bankenrettungspaket ist der Diebstahl am Sparer
Während Zypern in unseren Medien i.d.R. im Zusammenhang mit “Blauhelmen“, von wegen letzte geteilte Hauptstadt Europas,

und “Sommerurlaub“, viele Briten und Russen, auftaucht, ist es augenblicklich der Schauplatz einer
überfallartigen Teil-Enteignung der aller Sparer (http://derstandard.at/1363239334955/Zypern-Enteignung-alarmiert-Oekonomen).
Das Bizarre an dieser Aktion, deren Rechtsstaatlichkeit andere beurteilen sollen, ist, dass man hier den privaten Sparer ebenso trifft, wie die unüberschaubare Zahl an russischen, britischen, …Schwarzgeldkonten.
Vergessen wir aber auch nicht die österreichischen (wir denken doch an die Briefkästen unserer Freunde Hochegger (http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=33573) und Mensdorff-Pouilly (http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=34289).
Inmitten sehenswerter Kulturschätze und atemberaubender Strände hält sich dort die Europäische Union
mitten in der Landeshauptstadt eine mit Sandsäcken befestigte Grenze und Geldwaschmaschinen ohne Zahl.
Wenn nun die Sparer enteignet werden, um das Bankensystem zu retten, dann wird es diejenigen, die hier illegale Gelder bunkern, bei denen ohnehin ein gewisser Wertverlust während des Waschvorganges einkalkuliert ist (selten zahlen Hehler mehr als 50% des wahren Wertes von Diebsgut), wenig treffen, der private Sparer wird aber kalt enteignet…
Nur, warum regen wir uns auf?
Was nun in Zypern auf einen Streich passiert, erleben wir schon sein Jahren:
Das wahre Bankenrettungspaket besteht darin, dass wir schon sein Jahren keinen Inflationsausgleich für unsere Ersparnisse bekommen, während europäische und US-amerikanische Zentralbanken dem Sektor das Geld praktisch gratis hineinschaufeln: http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=52332
Nur scheint das nicht mehr zu genügen, jetzt gibt’s den zusätzlichen Haircut …
und wenn das nicht reicht, bleibt immer noch der Südamerikanische Weg der Hyperinflation (http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=78404)
Wie wäre es eigentlich mit einer Abschöpfung jenseits der Durchschnittseinlage des privaten Bürgers gewesen,
oder hätte man dann all die netten grobschlächtigen Herrn mit ihren Barbiefreundinnen vergrämt?
Lesenswerte Ergänzung: Urschitz in der Presse:
Die Rettung Zyperns bestätigt, dass es keine Anzeichen für intelligentes Leben in Europa gibt.“ Dieser Satz aus einem Kommentar der spanischen Zeitung „El País“ fasst den jüngsten Streich der Euro-Gruppe wohl am besten zusammen. Die Finanzminister der Eurozone haben am Wochenende jedenfalls die Aufgabenstellung „Finden Sie die dümmste, vertrauensschädigendste und marktfernste Variante, einem Schwarzgeldparadies im östlichen Mittelmeer ein paar Milliarden zuzuschieben“ mit Bravour gemeistert.
http://diepresse.com/home/wirtschaft/eurokrise/1377496/Gibt-es-intelligentes-Leben-in-der-Eurozone
Pferd im Kärntner Würstel, OK, aber was hat das mit Radioaktivität zu tun?

Nachdem der aktuelle Pferdefleisch-Skandal mit dem wir uns hier 2013 (http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=87757) ca. ein Jahr nach dem Gammelfleischskandal aus 2011 (http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=38730) beschäftigten, immer buntere Blüten treibt:
Jetzt haben sie sogar Pferd in Kärntner Würstel gefunden (http://orf.at/stories/2167743/2167745/) , na hoffentlich war es wenigstens aus Slowenien ….
wundert mich, dass uns das alle noch so sehr wundert.
In Österreich weitgehend negiert, kommt es immer wieder zu medialen Berichten von radioaktiv verunreinigtem Stahl, der zuerst auf unseren Schrottplätzen und dann in unseren Höchhäusern, Autokarosserien und Kochtöpfen landet:
SACHSEN.DE – Strahlenschutz
Aktuelle Informationen zu mit Co – 60 kontaminierten Edelstählen aus Indien
http://www.umwelt.sachsen.de/umwelt/strahlenschutz/16935.htm
SPIEGEL 2/2011
Strahlende Metalle aus aller Welt landen auf deutschen Schrottplätzen.
http://www.spiegel.de/spiegel/a-745555.html
Recyclingmagazin 2009
Radioaktiver Stahl aus Indien ist in Deutschland aufgetaucht
http://www.recyclingmagazin.de/rm/news_detail.asp?ID=10590&NS=1
Tagesspiegel 2004
In China wurde giftiges Cäsium versehentlich eingeschmolzen
http://www.tagesspiegel.de/politik/atommacht-ohne-kontrolle/492240.html
Schön und gut, aber was hat das alles mit dem Fohlen in der Lasagne zu tun?
Die Warenströme in einer für das Kapital globalisierten Welt sind unkontrollierbar geworden.
Je mehr der Preis das ausschlaggebende Kriterium wird, desto besser ist es gar nicht so genau nachzufragen, wieso eine Ware so billig ist kann.
Ja un wer nun auf die Idee kommt, dass Pferdewürstel und radiaktiver Stahl auch noch etwas mit der Finanzkrise zu tun haben kann,
der kann hier weiterlesen:
Haben Sie die Revolution verpasst? Die lautlose Diktatur des globalisierten und deregulierten Kapitals http://wp.me/p1kfuX-l1
Warum Häupl das Wiener Wasser nicht privatisieren wird und trotzdem nur die halbe Wahrheit sagt
Die Wiener Volksbefragung wird 7 Millionen € kosten, obwohl über den eigentlichen Auslöser, das über die Köpfe der Anrainer verordnete Parkpickerl ohnehin nicht abgestimmt werden darf. http://derstandard.at/1358304451741/Wiener-Volksbefragung-kostet-sieben-Millionen-Euro
Um davon abzulenken, haben die rot-grünen Rathausstrategen auch gleich noch so wichtige Befragungen wie die nach einer bislang von niemandem ernsthaft aufgeworfenen Olympiabewerbung Wiens und die „no-na-net-Frage“ nach dem Ausbau erneuerbarer Energien darüber gestreut.
Was thematisch noch fehlt ist die Kernfrage:
„Soll der Mensch edel, hilfreich und gut sein?“
A) …nur edel
B) … nur gut
C) Mensch!!
Etwas besser politisch aufbereitet ist aber Michael Häupls Frage nach der Privatisierung der kommunalen Betriebe:
Die kommunalen Betriebe bieten der Wiener Bevölkerung wichtige Dienstleistungen. Zum Beispiel Wasser, Kanal, Müllabfuhr, Energie, Spitäler, Gemeindewohnbauten und öffentliche Verkehrsmittel. Sind Sie dafür, dass diese Betriebe vor einer Privatisierung geschützt werden?
Dieser Ball wurde sofort aufgenommen und breitest diskutiert:
Stichwort Wasserprivatisierung
Für alle, die denen glauben, dass die EU hier wie bei der Glühlampenverordnung nur unser Wohl im Sinne hat und verhindern möchte, dass die Bürgermeister die Wasserwerke an ihre „Freunderln“ verscherbeln. Möge sich nachfolgende Dokus anschauen.
Experiment Bolivien: Weltbank wollte den Regen privatisieren – 16.12.12 http://youtu.be/1ehlbC_3HlE
Doku – Privatisierung der Wasserversorgung http://youtu.be/v7ToAfkOTyQ
ARD Monitor 13.12.2012: Geheimoperation Wasser – EU fördert Wasserprivatisierung http://youtu.be/Xq4ncp-iNNA
Nur darum geht es unserem Rathausmann ohnehin nicht, auch wenn die Stadt Wien in der Vergangenheit Teile des Kanalnetzes, ein paar Straßenbahngarnituren und dergleichen mittels „sell and lease back“ zu Barem gemacht hat. Die wahre Macht eines Wiener Bürgermeisters liegt im direkten und indirekten Zugriff auf ein enormes Firmengeflecht:
Magistrat der Stadt Wien (http://de.wikipedia.org/wiki/Magistrat_der_Stadt_Wien) Wiener Wohnen (Unternehmung seit 1999), Wiener Krankenanstaltenverbund (Unternehmung seit 2002) Wien Kanal (Unternehmung seit 2009), Wienholding (dzt. 75 Unternehmen) im Eigentum der Stadt bereits 1974 gegründet), ….
Wien Holding GmBH (http://de.wikipedia.org/wiki/Wien_Holding) Vereinigte Bühnen, Jüdisches Museum, Wiener Hafen, Wiener Stadthalle, Ernst Happl Stadion
Wiener Stadtwerke Holding AG (http://de.wikipedia.org/wiki/Wiener_Stadtwerke) Wien Energie GmbH, Wiener Linien GmBH % Co KG, Bestattung ,…
Hier geht es nicht nur um den Besitz der Firmen an sich, sondern auch um den Durchgriff auf einen nicht unerheblichen Teil der Wiener Wähler als Arbeitgeber und einen Verschiebebahnhof von Geld und Posten.
Beispiel gefällig? Da kommt ein Spital darauf, dass es keine Ahnung hat wie viel Müll es produziert, weil die MA48 einfach 2x pro Tag zwei Müllcontainer abholt. Aus technischen Gründen ist auch das Wiegen vor der Verbrennung nicht möglich, d.h. Egal wie voll, pro Tag 2 Container mit XY Liter Müll. Ein anderer Unternehmer würde sich bereit erklären, den Müll auch abzuwiegen und nur das zu verrechnen, was wirklich anfällt, so dass allfällig erfolgreiche Maßnahmen zur Müllvermeidung auch Geldeinsparen würden. Überdies unterbietet er die MA48.
Frage (zu der Sie, geneigter Leser, bei der kommenden Volksbefragung aber leider kein Kreuzerl machen können): A) Soll sich das Spital seinen Bestbieter aussuchen können, um Steuergeld einzusparen B) Gibt es eine Magistratsrichtlinie, dass Unternehmen der Stadt Wien wieder nur Unternehmen der Stadt Wien beschäftigen dürfen?
Ich gebe Ihnen einen Hinweis: Die MA48 holt weiterhin die Container ab.
Weder eine Volksbefragung, noch sein sozialdemokratisches Bewusstsein wird Michael Häupl oder seine NachfolgerInnen davon abhalten, das Wiener Wasser zu privatisieren: Allein die dadurch schwindende Möglichkeit Geldströme zu beeinflussen, Leichen unter den Teppich zu kehren und Posten zu besetzen, ist ein Garant dafür, dass das Wiener Wasser im Einfluß der Magistratsabteilung 31 bleibt.
Hat man das erkannt, dann empfindet man die kommende Befragung als diese große Frotzelei, die sie auch ist. Andererseits versteht man auch, weshalb Staatssekretär Ostermayer am Montag einen Gesetzesvorschlag einbringen wird, der ein mehrheitlich öffentliches Eigentum an der Wasserversorgung festschreibt …. Ostermayer hat sein Geschäft an der Seite Faymanns im Wiener Rathaus gelernt.
Wird Wasser privatisiert? http://www.news.at/a/europaeische-union-wird-wasser-jetzt-privatisiert
Wer L.O.V.E. sagt, sagt oft mehr

In einer idealen Welt, käme man ohne Symbole oder Gesten aus; deren Bloßstellung oder zumindest Relativierung ist eine wesentlichste Leistung der Aufklärer.
Bei einem Streifzug zurs nächtliche Mailand staunte ich nicht schlecht, als ich vor der Börse den meterhohen “Stinkefinger” des italienischen Küstler Maurizio Cattalan (http://de.wikipedia.org/wiki/Maurizio_Cattelan) erblickte.
“Der offizielle Name heißt L.O.V. E. und fürdiese steht die Skulptur – aber jeder kann zwischen den Zeilen lesen und so für sich mitnehmen, was er darin sieht” kommentierte Maurizio Cattelan sein Werk.
Das für Mailand geschaffene Kunstwerk ist letztendlich in vielfältiger Weise zu interpretieren.
Einmal interpretierte der Künstler sein Werk als “Liebesakt“, dann wieder als Phantasie.
Das Akronym L.O.V.E. steht für
LIBERTÀ (Freiheit), ODIO (Hass), VENDETTA (Rache) ETERNITY (Ewigkeit)
2007 wurde die größte Börse Italiens von der London Stock Exchange Group plc gekauft (http://en.wikipedia.org/wiki/Borsa_Italiana), so dass sich die Geste vielleicht gegen die neuen Besitzer richtet?
Neben der offensichtlich zum Ausdruck gebrachten Mißachtung gegenüber der Finanzindustrie enthüllt ein näherer Blick, dass es sich nicht um einen klassischen Stinkefinger handelt, denn die übrigen Finger sind nicht abgebogen, sondern glatt entfernt. Denkt man sich diese wieder dazu, erkennt man sofort eine zum fachistischen Gruß erhobene Hand.Die Börse ist im Palazzo Mezzanotte (http://en.wikipedia.org/wiki/Palazzo_Mezzanotte) untergebracht, einemGebäude, das wie auch andere an der Piazza Affari ein Herzeigeprojekt der faschistischen Architektur der 30er Jahre war.
Das Werk istTeil eines Zyklus “Gegen Ideologien” und passt somit hervorragend in die Rubrik “Renaissance der Aufklärung“.
Die Zeitungsartikel aus 2010 sprachen eigentlich alle davon, dass das gute Stück im Oktober 2010 wieder entfernt werden sollte. Ich darf Ihnen aber versichern, dass es im Novermber 2012 noch immer an seinem Ort steht und das gibt Hoffnung …
http://www.designboom.com/weblog/cat/10/view/11639/maurizio-cattelans-middle-finger-displayed-in-milan.html
http://www.telegraph.co.uk/culture/art/art-news/8027903/Middle-finger-marble-sculpture-sparks-row-in-Milan.html
http://www.reuters.com/article/2010/09/27/us-art-cattelan-idUSTRE68Q4E720100927
http://www.bbc.co.uk/news/world-europe-11474311
http://online.wsj.com/article/SB10001424052748704681904576317781140034982.html
Andere Werke Cattalans: http://milano.repubblica.it/cronaca/2010/05/28/foto/cattelan_l_arte_della_provocazione-4415681/1/
Wir haben aus dem Fall Südamerikas nichts gelernt
Eigentlich handeln die Beiträge hier in der Kategorie “Reisen” von Erlebnissen, die zum Teil Jahrzehnte zurück liegen. Das heutige Bild der Auslage einer Bank in Colonia (Uruguay) ist zwar auch schon 15 Jahre alt, führt uns aber geradewegs in die Gegenwart.
Heute ist die Inflationsrate in Uruguay mit ca. 8% relativ gering
(http://www.indexmundi.com/uruguay/inflation_rate_(consumer_prices).html) und lag selbst in den späten 90er jahren mit ca. 15% 1997 nicht allzu hoch, als ich dieses Bild schoss.
Die 21% Zinsen für eine Einlage von 360 Tagen, jedoch noch viel mehr die
18% für eine Einlage von nur 30 Tagen reflektieren die gerade überstandene ökonomische Talfahrt.
Uruguay war der erste Sozialstaat Südamerikas. Wie in vielen südamerikanischen Ländern unterstütze die (mit tätiger Hilfe der USA eingesetzte) Militärregierung auch Uruguay die neoliberalen Wirtschaftsreformen der “Chicago Boys” (http://de.wikipedia.org/wiki/Chicago_Boys).
Die Folge waren der Ausverkauf an ausländische Investoren (einschließlich der Rücklagen der Sozialversicherung), die großflächige Verarmung des Mittelstandes und die Destruktion staatlicher Strukturen, von denen sich die meisten südam. Staaten Ende der 90er Jahre zwar kurzfristig aber nicht andauernd erholten. Uruguay stürzte gemeinsam mit seinem Nachbarn Argentinien 2002 wieder in die nächste Krise aus der es sich wie Argeninien nie wirklich erholt hatte.
All dies wurde von Europa nicht als Gegenbeweis der neoliberalen Ideologie gesehen, sonder als rein lokales Problem; spätestens seit 2008 sollten wir uns auch fragen, ob wir aus der Entwicklung Südamerikas in den letzten Jahrzehnten die richtigen Schlüsse ziehen sollten.
PS_ Ein Beitrag nicht nur aber auch für Bloggerfreund EP —
Aufruhr: Gut und schön – Das Erbe des Neoliberalismus ist seine stabilisierende Kraft
In Griechenland (http://www.ftd.de/politik/europa/:schuldenkrise-generalstreik-legt-griechenland-lahm/70095724.html) und
Spanien (http://www.welt.de/print/die_welt/politik/article109490620/Spanien-geht-auf-die-Strasse.html)
gehen die Menschen auf die Straße und protestieren gegen die Sparpakete, die ihnen unter dem Druck der Finanzkrise auferlegt wurden.
Der Spiegel titelt zwar:
Wir hoffen, dass wir das System stürzen können“
(http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/proteste-bei-generalstreik-in-griechenland-a-858201.html) jedoch vermittelt dieser, wie viele andere Artikel eher den Eindruck, dass sich die Menschen
nur gegen die Maßnahmen in der Krise und nicht so sehr gegen die Ursachen der Krise wehren.
Wenn nun bedauert wird, dass man vor kurzem diese Regierung gewählt hat, die nun die Sparmaßnahmen verordnet und für deren Rücktritt protestiert, führt das nur zu einer (früher vor allem aus Italien bekannten) endlosen Abfolge von handlungsunfähigen Kurzzeitregierungen und am Ende zur Berlusconisierung Europas.
Ich habe hier schon einmal festgehalten, dass es nicht die populistischen Randfiguren unserer politischen Szene sind, die unser demokratisches System gefährden, sondern es ist das abstoßende Verhalten der Politiker im Zentrum ist, das zum Vertrauensverlust in die bestehenden Institutionen führt und Populisten den Staat am Präsentierteller übergeben;
so passierte es in der Weimarer Republik und so läuft es dzt. bei uns. (http://wp.me/p1kfuX-qg)
Warum wiederholt sich dieser Prozess aber so unhinterfragt?
Eine der möglichen Ursachen, den Irrtum der Linken, dass den Menschen der (meist nur kurzfristige befriedigende) Konsum immer kurzlebigerer Produkte nicht genügen wird und sie nach einer größeren Teilhabe streben werden, habe ich in meinem Beitrag vom 13.5.12(http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=58262) schon ausgeführt:
Verkürzt ist somit nicht die Religion sondern der Konsumismus das Opium des Volkes.
Die aus meiner Sicht wesentlichen Eckpfeiler der Entwicklung wurden in dem Beitrag: Haben Sie die Revolution verpasst? Die lautlose Diktatur des globalisierten und deregulierten Kapitals (http://wp.me/p1kfuX-l1) beschrieben.
Bei Beobachtung der aktuellen Ereignisse in Griechenland und Spanien kam mir noch ein weiterer Gedanke, weshalb die Hinterfragung ursächlicher Zusammenhänge offenbar unterbleibt und sich
Demonstranten und Polizei gegenseitig die Köpfe einschlagen,
ob nun dieser oder jener letzte Rest des Sozialstaates eingespart werden darf oder nicht und sie nichtgemeinsam nach den wahren Ursachen der Ende des Sozialstaates fragen? Eines Sozialstaates, dessen beide Gruppen viel mehr bedürfen, als diejenigen die sich im großen Stil durch die Ausbeutung des Staates bereichert haben. Mit anderen Worten:
Wieso prügeln sich die Opfer und solidarisieren sich nicht gegen die Täter?
Hier wird eine wesentliche Doktrin des neoliberalen Denkens wirkmächtig:
Außer “dem Staat“, der als für alles als schuldig vorausgesetzt wird, wird stets von “anonymen Kräften” gesprochen und der Einfluss “individueller Interessen” totgeschwiegen.
Hat der Staat nach der völlig unnötigen Beendigung des alten Umlageverfahrens (das den Finanzjongleuren naturgemäß nicht als Spielgeld zur Verfügung gestanden hat) kein Geld mehr für ein solidarisches Pensionssystem, verkünden unsere industriefinanzierten Sozialexperten (http://www.wienerzeitung.at/nachrichten/oesterreich/politik/488973_Schwedisches-Pensionssystem-als-Vorbild-fuer-Oesterreich.html) nicht,
dass der ursprüngliche Schritt vielleicht ein Fehler war (das würde ja die Finanzierung ihrer Institute gefährden) sondern
predigen die Sparschweinvariante, jeder kriegt das, was er eingezahlt hat, für die ich wahrlich keine Pensionsversicherung mehr benötige.
In Wirklichkeit benötige ich dafür auch keinen Staat, keine Interessensverteter, keine Wahlen, kein Parlament, keinen Staat, eigentlich nur eine Privatversicherung.
Und was hat das mit den Prügelorgien in Griechenland und Spanien zu tun, werden Sie fragen, so sie bisher noch mitgelesen haben?
Sehr viel:
Die Grundlage westeuropäischer Demokratien war der Wohlfahrtsstaat, der kontrollierte, dass auch für die Masse, an der Geld zu verdienen war (einerseiits weil sie für Lohn arbeitete und andererseits weil sie konsumierte) ein Teil des Gewinns in Form sozialer Sicherheit und Perspektive für ihre Kinder, denen sie ja relativ wenig vererben konnte, abgegeben wird.
Dieser Ausgleich wurde und wird durch die Lohnzahlungen NICHT erreicht.
Damit das funktioniert, muss auch über ALLE GEWINNER und ihre BEITRÄGE
gesprochen werden, die in und an einer prosperierenden Gesellschaft verdienen, wenn sich herausstellt, dass diesem Wohlfahrtsstaat zu wenig Geld zur Verfügung steht.
Diese politische Frage nach den individuellen Gewinnern einer politischen Ideologie (Heilslehre), und nichts anderes ist der Neoliberalismus, wurde eben durch diese Ideologie verboten.
Er kennt nur den schuldigen Staat und die benevolenten Kräfte des Marktes …
jede andere politische Hinterfragung wurde durch drei Jahrzehnte Gehirnwäsche eliminiert, so dass die jetzigen Unruhen eher das bestehende System verfestigen als es hinterfragen …
Würden Demonstranten und Polizei verstehen, dass für sie beide zu wenig überbleibt, weil die Beitragsgrundlage der Großgewinner zu niedrig war (Körperschaftssteuer, Börsensteuer, Erbschaftssteuer, Steruerhinterziehung im großen Maßsstab ,….) hätten sie ein gemeinsames Ziel und der Aufruhr wäre wirklich gut und schön ….
Zum Nachschauen:
http://youtu.be/fj0ZR51ONjw
http://youtu.be/yhsCslyo4lo
http://youtu.be/90a3mUBr8Dg
https://athens.indymedia.org/front.php3?lang=el&article_id=1424535
Grexit, Spexit? Let’s Call the whole thing off? EUBRENNT

schrieb EDWARD HUGH am 31. May 2012 (http://www.foreignpolicy.com/articles/2012/05/31/grexit_spexit_let_s_call_the_whole_thing_off)
und setzte mit hellseherischen Fähigkeiten fort:
Despite the many voices now recommending a “Spexit,” few are really knowledgeable about daily life here in Spain,
and even fewer are actually to be found inside the country.
Seither ist in Europa einiges passiert und der Wille zur gegenseitigen Finanzhilfe, den Hugh den Europäern abgesprochen hat, manifestiert sich in immer schwindelerregenderen Haftungszusagen vom
EFSF (http://de.wikipedia.org/wiki/Europ%C3%A4ische_Finanzstabilisierungsfazilit%C3%A4t) zum
ESM (http://de.wikipedia.org/wiki/Europ%C3%A4ischer_Stabilit%C3%A4tsmechanismus) und
zum WTFE (http://www.all-acronyms.com/cat/9/WTFE/What_the_fuck_ever/1384058).
Lucid wir häufig wird im aktuellen DENKLAND Blog
(http://denkland.wordpress.com/2012/07/20/erneut-massenproteste-in-spanien-emporte-wollen-sich-selbst-retten/) darüber nachgedacht,
ob denn all die Empörten überhaupt so, indem den Banken ihre Spekulationsverluste ausgeglichen werden, gerettet werden wollen und
ob es denn nicht der bessere Weg wäre, so wie eben auch in Spanien versucht, die Verantwortlichen vor Gericht zu bringen …
Jetzt geht es bei den seit längerer Zeit aufbrausenden Protesten in Spanien (http://de.wikipedia.org/wiki/Proteste_in_Spanien_2011/2012) um sehr viel mehr als
“nur” um Proteste gegen die Sparmaßnahmen im Zuge der Finanzkrise und ich bin sicher nicht der Richtige um dazu eine tiefschürfende Analyse abgeben zu können.
Ich möchte hier nur einige Links zu Bildergalerien angeben, die vielleicht mehr als das was in unseren Medien so kommt, Einblicke geben, was um uns herum auf der Straße passiert.
Nicht, um gemütliches “Fremdgruseln” am heimischen Flachbildschirm zu ermöglichen, sondern um – wie bei einem Brand im Nebenhaus, etwas mehr Bewußtsein zu wecken,
wie schnell ein lokales Feuer zum Flächenbrand werden kann, wenn man es verabsäumt die Ursachen zu bekämpfen: #EUBRENNT
http://www.publico.es/espana/439533/la-policia-disuelve-la-marcha-minera-a-golpe-de-porra/slideshow#0
http://www.guardian.co.uk/world/gallery/2012/jul/10/spanish-miners-protest-austerity-in-pictures
http://www.guardian.co.uk/world/gallery/2012/jul/11/spanish-miners-protest-madrid-pictures
http://news.yahoo.com/photos/violence-escalates-in-spain-miners-protest-slideshow/spain-protests-photo-1342036126.html
http://www.ilpost.it/2012/07/20/foto-manifestazioni-spagna-austerita/riot-policemen-patrol-a-street-after-a-d/
http://mariovalverde.wordpress.com/2012/07/20/19j-todos-a-la-calle/
http://fotograccion.org/wp/2012/07/fotos-manifestacion-19-julio-en-madrid/
http://ccaa.elpais.com/ccaa/2012/07/20/album/1342750383_435638.html#1342750383_435638_1342750978
Videosammlungen:
http://www.fau.org/artikel/art_120720-140208
http://youtu.be/mcCZhzpu9Dk
http://youtu.be/qhkAwpN2ap0
Ein paar Kratzer für den Hausarzt und Winter im Gasteinertal

Bad Hofgastein Kongresszentrum im Winter, weils hier so heiß ist
Bis morgen Samstag findet im Wiener Austria Center der europäische Hausärztekongress (WONCA Europe 2012)
unter dem Titel “The Art and Science of General Practice” statt und läßt Medien und Tourismusmanager über rund 2800 Teilnehmern jubeln.
Kongresspräsident Gustav Kamenski räsonierte, dass der Stellenwert der Allgemeinmedizin nicht ausreichend gewürdigt wird und forderte (wie übrigens jeder Ärztekammerpräsident “seit der letzten Eiszeit”) die Politik auf , die Hausärzte zu stärken. Benötigt würden Generalisten, die den Patienten auf ganzheitlicher Ebene betrachten.
ÖGAM-(Österreichische Gesellschaft für Allgemein- und Familienmedizin ) Präs. Reinhold Glehr bedauerte dass das
österreichische Gesundheitswesen von Mustern der Akutmedizin und der fachspezialistischen Versorgung geprägt wäre.
http://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20120704_OTS0132/wonca-europe-konferenz-2012-the-art-and-science-of-general-practice-bild
So weit, so gut und dem Anlaß entsprechend.
Wenn im Austria Center 15.000 Lungenfachärzte tagten oder beim ECR jährlich über 20.000 Radiologen aus 106 Ländern tagen, dann wird eine Aufwertung der Pulmologie bzw. der Radiologie von der Politik gefordert werden; nix Neues unter der Sonne.
Im Zusammenhang mit dem Hausarzt steht dahinter ein prinzipielles Problem, dessen scheinbarer Lösung schon
Generationen von Ärztekammerpräsidenten ihre Wahl und Generationen von Gesundheitsökonomen ihre Heilversprechen verdanken:
Versorgung extramural durch Hausarzt solange es geht: “Hausarztmodell” http://de.wikipedia.org/wiki/Hausarztzentrierte_Versorgung
Um den “titelaffinen” österr. Patienten, die sich beim Hausarzt (i.d.R. von seiner Anmeldekraft) nur ihre Rezepte und Überweisungen abholen und, wenn sie der Meinung sind krank zu sein, lieber gleich Facharzt oder Spitalsambulanz aufsuchen, entgegen zu kommen, wird seit Jahren ein “Facharzt für Allgemeinmedizin” nach dt. Vorbild (http://de.wikipedia.org/wiki/Allgemeinmedizin) geplant, was aber kaum was an der Sachlage ändern wird.
Der heutige Kurier – ganz auf der Hausarzt getrimmt (Kommentar Salomon und Langartikel: http://kurier.at/nachrichten/gesundheit/4502536-das-spital-ist-nicht-immer-das-beste.php) kritisiert in Balkenlettern:
Das Spital ist nicht immer das Beste
In Österreich werden drei Mal so viele Menschen an einer Uni-Klinik behandelt wie anderswo, kritisieren die Hausärzte.
Zitiert wird auch Prof. Günther Leiner (http://www.karriere-medizin.at/archiv/index.php?id=1275 ), ein rühriger (nicht-habilitierter Ehrenprofessor) Internist und politisch aktiver Primar der in Personalunion Gründer und Präsident des European Health Forum Gastein ist, einer Einrichtung, die mit dem Segen des Bundesministeriums im idyllischen Bad Hofgastein Meetings abhält und sich auf ihrer HP (http://www.ehfg.org/home.html) ganz bescheiden gibt: The EHFG is the leading health policy event in the EU
“Mit 7,7 Betten pro 100.000 Einwohner zähle Österreich zu den Spitals-Europameistern. (Schweden: 2,8, Norwegen: 3,3, Niederlande: 4,7).
“Weniger Spitäler mit mehr Spezialisierung bringen einen besseren Behandlungserfolg“, betont Leiner. So sei es etwa Holland gelungen, durch die Reduktion der Spitalsbetten auch das Auftreten gefährlicher resistenter Krankenhauskeime um 20 Prozent zu senken.
Mit dieser Logik habe ich durch die gänzliche Abschaffung der Spitäler den Hospitalismus endgültig besieht, aber sei’s drum.
Bei dem WONCA Kongress ließ sich auch der Kongresspräsident Glehr nicht lumpen und verband rhetorisch geschickt ein allgemein akzeptiertes Schlagwort mit eigener Klientelpolitik:
“Durch den vermehrten Wissenszuwachs in der Medizin, braucht es Generalisten, die den Patienten auf ganzheitlicher, integrativer Ebene betrachten und kontinuierliche Ansprechpartner sind.“
Weshalb der Generalist mit dem Wissenszuwachs, der ja offenbar nicht aus der allgemeinmedizinischen Forschung kommt, die ja weltweit darnieder liegt, sondern aus der Entwicklung der Fachdisziplinen, besser umzugehen weiß, als der durch die Spezialisierung bereits überforderte Facharzt, bleibt im Dunkeln des Vortragssaales.
Facts first:
Ein zentraler Gatekeeper wäre im Gesundheitswesen natürlich ebenso sinnvoll, wie im Schulwesen, Rechtswesen, .. .etc. nur spielt’s ihn unter den gegebene Rahmenbedingungen nicht.
Die Anzahl der Spitalsbetten ist (wie schon öfters kommuniziert) der ökonomisch und medizinisch unsinnigste Parameter für eine intramurale Versorgung, wenn wir von den großen Spitälern sprechen. Dort liegt kein Patient auf dem Gangbett, weil es die Ärzte so wollen.
Spitalsbetten sind die Auffangbetten für in der Wohnung oder in Rehab- bzw. Geriatriezentren nicht Behandlung und/oder Platz fndende Menschen.
Andererseits ist nicht zu bezweifeln, dass ein Großspital nicht der richtige Platz ist, seine Lumbago auszuliegen.
Ärztekammern verstehen sich noch immer (und nehmen von diesen auch einen relativ noch höheren Mitgliedsbeitrag) als Vertreter des “niedergelassenen praktischen Arztes in der Einzelpraxis”, obwohl die Anzahl der angestellten Ärzte (meist mit Ordination nach Dienstschluß) inzwischen deutlich höher ist, als die der ausschließlich extramural tätigen.
Hinter dem von Kammervertetern (auch der Wirtschaftskammer), Ökonomie und Politik stets herunter gebeteten Schlagwort der “Aufwertung des Hausarztes” stecken ausschließlich wirtschaftliche Motive, die Geld im Spitalsbereich einsparen, aber nicht in den extramuralen Bereich transferieren wollen.
Angesichts der Explosion -nicht so sehr an unbedingt erforderlichen wissenschaftlichen Erkenntnissen - aber
an Empfehlungen verschiedener Gremien, Leitlinien, Richtlinien, Einschränkungen, Kontraindikationen, Generikanamen, …etc. ,
an Erwartungen an eine zeitökonomisch Diagnostik (One stop Shop) von berufstätigen Patienten
an gestiegenen haftungsrechtlichen Anforderungen,
der gestiegenen Mobilität und sprachlichen und ethnischen Diversifizierung der Bevölkerung (kein Hausarzt begleitet mehr eine ganze Familie “lebenslang”)
ist es eine unüberbietbare Hybris der ”Interessensvertreter der Hausärzte” zu behaupten, dass die Hausärzte im herkömmlichen Sinn diesen Anforderungen entsprechen können, wenn inzwischen die Diversifizierung innerhalb des Sonderfaches Innere Medizin so groß geworden ist, dass ich mir vom Gastroenterologen lieber kein EKG interpretieren lassen würde.
Alternativen:
Verabschieden wir uns vom Arzt als Einzelkämpfer in seiner wohligen Praxis mit Hausapotheke, aber auch vom hauptberuflichen Spitalsarzt mit nebenberuflich geführten Praxis, die beide nur den Schein einer extramuralen Ganzversorgung aufrecht erhalten, sich aber beide des Leistungsangebotes der Spitalsambulanzen bedienen, sobald Leistungen erforderlich werden, die sie kostengünstig auslagern können.
Spielen wir niedergelassene (PA und FA) nicht gegen angestellte Ärzte aus, nur weil das Posten in der Kammer bringt, sondern sehen wir uns alle als Team, das für eine bedarfsgerechte und dem ökonomischen Stand unserer Gesellschaft adäquate Gesundheitsversorgung.
Treten wir doppelzüngigen Stimmen entgegen, die den Zugang zu “Spitzenmedizin rund um die Uhr” versprechen, aber nur mehr Potjemkinsche Spitäler finanzieren können und die nächtliche Akutversorgung aber genau dort hin schicken und stehen wir dazu, dass Ballungsräume und das offene Land unterschiedliche Versorgungsstrukturen benötigt.
(Um Geld zu sparen, überlegt die Sbg. Krankenkasse die Wochenend- und Notdienste, die von den niedergelassenen Ärzten und dem Roten Kreuz geleistet werden, auf die Notaufnahme zu konzentrieren. Aus der SÄK heißt es dazu, dass man auf die Zusammenarbeit mit dem Roten Kreuz nicht verzichten wolle, das biete eine „Super-Versorgung“. Diese Kooperation habe sich bereits über Jahre bewährt. Krone, Salzburg)
In Städten ab einer gewissen Größe macht es mehr Sinn, im Spital eine ambulante Versorgungsstruktur aufzubauen, wo auch ohne viel Herumgeschicke der Patienten die diagnostischen Hilfsmittel zur Verfügung stehen und die Ordinationen, die ohnehin nur überweisen, runter zu fahren, “am freien Feld” wird man um eine Aufwertung des extramuralen Sektors, der aber dann durch Ärztekollektive einschließlich einer vor Ort zugänglichen Basisdiagnostik (Labor, Bildgebung, …) eine wirkliche Basisversorgung ermöglicht, nicht herum kommen.
Hören wir auf mit dem Märchen, dass ein “guter Diagnostiker” mit der forensisch erforderlichen Trennschärfe “durchs Draufschauen” in allen Fällen zwischen Herzinfarkt und Roemheld Syndrom (http://roemheldsyndrom.info/Roemheldsyndrom/Home.html ) unterscheiden kann, sondern etablieren wir auch bei uns endlich einmal eine ”Wissenschaft des klinischen Diagnoseganges” (Klinische Entscheidungsfindung, Clinical Decision Making)
z.B.: http://www.radcliffe-oxford.com/books/samplechapter/1483/Hall_final_lowres_chap12-26b247c0rdz.pdf
Verlangen wir endlich eine ehrliche Unterscheidung zwischen Einsparungen und Qualitätsverbesserungen.
Qualitätsverbesserungen erfordern oft Investitionen, d.h. kurzfristig sind sie teuerer als das alte System, das wir uns aber aktuell nicht mehr leisten können oder wollen.
Einsparungen sind in der aktuellen Krise unseres globalisierten, deregulierten und überwiegend auf Spekulation aufgebauten kapitalistischen Wirtschaftssystems unausweichlich, schlicht weil die Kommunen sich an dieses System verkauft haben und überdies auch dessen Schulden bezahlen müssen.
Solange wir in standespolitische Kleinkriegen und unter Beiziehung immer weiterer Klientelberater nur um den besten Platz im freien Fall drängeln, bleibt die wesentliche Frage unbeantwortet, in welchem moralischen Verhältnis die angepeilten 2 Milliarden Euro an Einsparungen im Gesundheitswesen (http://www.wienerzeitung.at/nachrichten/politik/oesterreich/453784_Eines-fuer-alle-alle-fuer-eines.html)
zu den allein bis vor einem Jahr (Schätzung Aug. 2011) von Österreich schon eingezahlten und garantierten 100 Milliarden Euro für die “Stabilisierung” dieses Wirtschaftssystems stehen.
Die Friedrich Ebert Stiftung analysierte rezent (http://library.fes.de/pdf-files/wiso/07875.pdf), dass die indirekten Kosten der Finanzkrise durch fehelnde Einnahmen der Staaten um ein Vielfaches höher als die direkten Kosten aus Vermögensverlusten und Staatshilfen waren.
Das entspricht fehlenden Staatseinnahmen von 3.000 bis 10.000 Euro an fehlenden Staatseinnahmen pro Bürgerin und Bürger.
Nicht die Sorge um den Hospitalismus, nicht die immer und überall möglichen Verbesserungen im Gesundheitswesen, sind es, die uns seit Jahren eine Gesundheitsdiskussion einbringen, sondern die Absicht von Staat und Marktwirtschaft, sich dieses Marktes zu bedienen.
Viele von uns spielen mit, um ”ihr Schäfchen zu föhnen”:
um die Hausapotheke zu halten, weil sie mit den Kassentarifen sich den Installateur nicht mehr leisten können,
etwas Alternativmedizin anzubieten, damit man mit Gewinnbeteiligung seine Vitaminpulverln verscherbeln kann, weils in Wien keine Hausapotheke gibt,
eine gesundheitsökonomische Studie abzuliefern, die ja gut bezahlt wird und nicht -wie ärztliche Tätigkeit- dem Haftungsrecht unterliegt
eine Zertifizierungsstelle zu etablieren, die ein alle paar Jahre zu erneuerndes Qualitätszertifikat herausgibt, das zur Voraussetzung für eine Kassenrefundierung wird,
einen Kongress ausrichtet, um in die Zeitung zu kommen und eine Audienz im Ministerum zu erlangen, … etc.
wir übersehen aber, dass wir alle schon längst zum entmündigten Spielball ökonomischer Kräfte geworden sind, denen es um eines nicht geht: um eine medizinische Versorgung
“The Art and Science of General Practice”
Etwas weniger ART, wirkliche SCIENCE und einen noch viel generelleren Blick über den Tellerand,
weil morgen, am Samstag, ist die Ordination zu die Spitäler und die Welt aber noch offen.
PS: für alle geifernden Kommentare, dass ich von der Sache des Hausarztes nix verstehe, erlaube ich mir mein Inkognito so weit zu lüften, dass ich Erfahrung mit mehreren Aspekte der Gesundheitsversorgung vom Rettungswesen über die Kurmedizin bis zur Intensivmedizin und von extramuralen privaten bis zu intramuralen staatlichen Einrichtungen, hier und im Ausland, habe und berufsbedingt in täglichen Kontakt mit den Hausärzten mehrerer Bundesländer stehe.
Mich ärgert nur die auf kurzfristige relative Besserstellung der eigenen Position beruhende Scheinheiligkeit des Erlösungsmodells “Hausarzt” bei völliger Negation der erforderlichen strukturellen Rahmenbedingungen
BLÖDE FRAGE

Ich habe endlich verstanden,
dass der EURO in Gefahr ist, wenn ein griechischer
(irischer, portugiesischer, spanischer, italienischer, …) Schuldner
seine Schulden nicht mit EURO bezahlen kann.
Hätte er sich Gold und nicht Euro ausgeborgt:
Wäre in diesem Fall das Gold in Gefahr und würde im Wert fallen?
Ich sehe ROT für die GRÜNEN

Die Grünen haben heute der SPÖVP Regierung die Zweidrittelmehrheit verschafft, um Österreich am ESM teilnehmen zu lassen.
Alternativlos, wenn man den Euro, Europa, die Banken und überhaupt alles retten zu können, sagen
Kogler und van der Bellen, die den Deal verhandelt haben.
Daniela Musiol, die ebenfalls mitverhandelt hat, schränkt ein bißchen ein und hält
Kritik auch aus den eigenen Reihen für ”nachvollziehbar”.
Alles schlecht zu finden ist ziemlich easy, meint Glawischnig:
http://derstandard.at/1339639675399/Gruenen-Chefin-Alles-schlecht-finden-ist-ziemlich-easy
Wissenschaftssprecher Kurt Grünewald stimmt aus “voller Überzeugung” zu, weil es die Gesamtsituation erfordert und “Ohne ESM es zu einer maximalen Destabilisierung” käme.
Also alles Realos …
Was mich daran entäuscht, ist nicht, dass die Grünen ihre Zustimmung so billig gegeben haben (sie stimmen rechtswirksam zu, obwohl sie de facto nur Versprechungen für einige (!) ihrer Forderungen bekommen haben), sondern
der glatte Schönsprech,
der BASISDEMOKRATIE als das GERINGST MÖGLICHE AN DEMOKRATIE definiert, das halt grad noch irgendwie sein muss
der die undemokratische Speed kills Politik, mit der seit 4 Jahren mit dem Verweis auf die “Krise” all das außer Kraft gesetzt wird, was seit den demokratischen Rechtsstaat westeuropäischer Tradition ausgemacht hat
der all das, was an den GRÜNEN Hoffnung auf eine Alternative zu den bisherigen an der Macht beteiligten Technokraten der Macht geweckt hat,
aalglatt verrät.
Wenn der Kurier heute den verspäteten und aktuell nicht unproblematischen Einzug des Vorzugstimmenwahlkämpfers Van der Bellen mit den Worten thematisiert:
VDB will makellos sein
http://kurier.at/nachrichten/wien/4500038-van-der-bellen-will-makellos-sein.php
dann trifft das den Kern des Problems.
Wie schon hier im November 2010 (http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=32221) angemerkt:
Wenn die Grünen, die überwiegend von denkenden und lesenden Menschen gewählt werden (sorry Polemik und Überheblichkeit), das Gedächtnis ihrer Wähler unterschätzen, sind sie am besten Wege in die Fußstapfen der SPÖ zu treten.
Wenn ich mir dieses Kurier Interview durchlese, dann höre ich Politsprech und wenig Authentizität.
Wir alle kenne das Problem, dass es leichter ist, in der Theorie herum zu moralisieren als in der Praxis die Dinge am Laufen zu halten,
jedoch ist die Reihe der schön geredeten Umfaller der Grünen halt schon sehr lang:
Zum Beispiel die unwissenschaftliche Polemik um das Atominstitut http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=61135
Und wer nun glaubt, dass die Wiener Grünen, aus deren Reihen der größte Widerstand zur ESM Zustimmung kommt, wenigstens noch ein Hort der reinen Lehre wäre, der hat die geschmeidige Gesundheitspolitik der Wiener Grünen seit ihrer Regierungsbeteiligung vergessen: http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=34517
ImNovember feierten die Grünen ihr 25-jähriges Bestehen:
Aus meiner damaligen Unsicherheit, in welchem Ausmaß hier Feierlichkeiten angesagt wären
http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=47854
komme ich immer mehr zur Überzeugung, dass auch
eine mangelnde Alternative kein hinreichender Grund für die Grüne Alternative sein muss
http://de.wikipedia.org/wiki/Geschichte_der_Gr%C3%BCnen_%E2%80%93_Die_gr%C3%BCne_Alternative
Gute Analyse des ESM im Profil: Die versteckten Tücken des neuen Euro Rettungsschirms
http://www.profil.at/articles/1226/560/332852/esm-die-tuecken-euro-rettungsschirms






